Die Finanzmärkte frohlocken, da sich der Optimismus in Bezug auf Handelsabkommen verfestigt hat und der 1. August, Trumps Termin für die revidierten „reziproken Zölle“, immer näher rückt.

 

Jüngst wurde ein Abkommen mit Japan angekündigt, und wenn man Medienberichten Glauben schenken darf, steht ein ähnliches Abkommen mit der Europäischen Union kurz bevor. Sowohl japanische als auch europäische Aktien reagieren positiv auf die Nachricht, während in den USA der S&P500-Index auf ein neues Rekordhoch gestiegen ist.

Anthony Willis, Investment Manager
Anthony Willis, Investment Manager
© CTI

Machtverlust in Tokio: LDP ohne Mehrheit, Premier Ishiba wankt

Japan stand bereits vor den jüngsten Zoll-Neuigkeiten im Fokus, nachdem die Regierungskoalition unter Führung der Liberaldemokratischen Partei bei den Oberhauswahlen am 20. Juli ihre Mehrheit verloren hatte. Der Zustimmungsschwund folgt auf den Verlust ihrer Mehrheit im mächtigeren Unterhaus des Parlaments im vergangenen September.

Die LDP schnitt allerdings nicht ganz so schlecht ab, wie einige Umfragen vorausgesagt hatten, und bleibt die größte Partei im Oberhaus. Von den 125 Sitzen, die zur Wahl standen, hat die LDP 47 gewonnen, sie benötigte aber 50 Sitze, um die Mehrheit in der Kammer mit 248 Sitzen zu halten.

Der Verlust der Mehrheit führte sofort zu Fragen über die Zukunft von Premierminister Ishiba Shigeru. Er räumte ein, dass die Bemühungen seiner Partei, die Auswirkungen der Inflation zu mildern, nicht genug Menschen erreicht hätten.

Durch den Aufstieg kleinerer Parteien, darunter auch die rechtsextreme Sanseito, ist die Regierung nun auf breitere Koalitionen angewiesen, um handlungsfähig zu bleiben. Zwar stellte die LDP seit ihrer Gründung 1955 in 64 der vergangenen 70 Jahre die Regierung – doch erstmals seit Jahrzehnten verfügt sie in beiden Kammern des Parlaments nicht mehr über eine eigene Mehrheit.

Mehrere japanische Medien berichten, dass Premierminister Shigeru seinen Rücktritt beschlossen hat – der genaue Zeitpunkt der offiziellen Ankündigung ist jedoch noch unklar. Während einige Beobachter erwarten, dass er in Kürze zurücktritt, gehen andere davon aus, dass dies erst später im August geschehen und im September eine neue Parteiführung gewählt wird. Klar ist: Wer auch immer Shigerus Nachfolge antreten will, wird auf die Unterstützung von Parteien außerhalb der Regierungskoalition angewiesen sein, um das Amt des Premierministers übernehmen zu können.

Diese politische Unsicherheit fällt in eine wirtschaftlich heikle Phase: Die japanische Wirtschaft – insbesondere der Anleihemarkt – reagiert empfindlich auf steigende Inflation, höhere Zinsen und die wachsende Staatsverschuldung. Investoren beobachten Auktionen japanischer Staatsanleihen genau auf Anzeichen nachlassender Nachfrage. Die Renditen für langfristige Anleihen ziehen bereits an.

Handelsdeal mit den USA entlastet Japans Autoindustrie

Die Nachricht über ein Handelsabkommen zwischen Japan und den USA kommt daher für Tokio zur rechten Zeit – insbesondere für die Autoindustrie. Der Deal nimmt den japanischen Automobilherstellern spürbar Druck: Statt der ursprünglich angedrohten 25 Prozent werden nun nur 15 Prozent Zölle auf japanische Autoexporte in die USA fällig. Damit bleibt auch der im April angekündigte Zollsatz von 24 Prozent vom Tisch.

Im Gegenzug verspricht Japan Investitionen in Höhe von 550 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten – allerdings ohne konkrete Angaben zu Projekten oder Zeitrahmen. Präsident Trump verkündete auf Social Media, Japan werde seine Märkte stärker für US-Produkte wie Autos und Reis öffnen. Premierminister Ishiba bestätigte, dass die Zölle auf Autos und Autoteile auf 15 Prozent begrenzt würden – ohne Mengenbeschränkung für US-Importe.

Angesichts der weltweit geltenden 25-Prozent-Zölle der USA auf Autoimporte ist das ein bemerkenswertes Zugeständnis Washingtons – und ein klarer Vorteil für Japan. Denn der Automobilsektor ist für einen großen Teil des japanischen Handelsüberschusses mit den USA verantwortlich, der zuletzt rund 63 Milliarden US-Dollar betrug.

Zollkompromiss in Sicht: EU und USA nähern sich im Handelsstreit an

Die Aussicht auf ein baldiges Handelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union sorgt für Aufwind an den Märkten. Medienberichten zufolge haben sich beide Seiten grundsätzlich auf ein Abkommen geeinigt, das unter anderem Zölle in Höhe von 15 Prozent auf EU-Exporte in die USA vorsieht. Gleichzeitig sollen die bestehenden Zölle auf einzelne Produkte wie Flugzeuge, Spirituosen und medizinische Geräte vollständig entfallen, wie die Financial Times berichtet.

Noch unklar ist, ob die EU – wie zuvor Japan – auch eine Vereinbarung zur Abschaffung von Exportquoten für Fahrzeuge getroffen hat. Seit April müssen EU-Exporteure mit einem zusätzlichen Zollaufschlag von 10 Prozent auf ihre Waren rechnen, der zu den ohnehin bestehenden Abgaben von durchschnittlich 4,8 Prozent hinzukommt. Präsident Trump hatte in den vergangenen Monaten sogar mit drastischen Erhöhungen auf bis zu 50 Prozent gedroht. Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnten die Zölle schon ab nächster Woche auf 30 Prozent steigen. Die nun diskutierten 15 Prozent würden allerdings die bestehenden Abgaben lediglich bündeln – die tatsächliche Belastung für europäische Exporteure bliebe also unverändert.

US-Finanzminister Scott Bessent zeigte sich dennoch zuversichtlich: „Wir machen sehr gute Fortschritte mit der EU.“ Auch Präsident Trump sprach von „ernsthaften Verhandlungen“ und betonte, die EU müsse niedrigere Zölle zahlen, wenn sie sich stärker für US-Unternehmen öffne.

Sollte das Abkommen zustande kommen, hätten sich damit die wichtigsten Handelspartner der USA – einschließlich des Vereinigten Königreichs, Japans und der EU – auf einen Rahmen verständigt, der die schlimmsten Folgen der im April eingeführten Zölle abfedern würde.

Zwar bleiben noch viele Fragen offen – etwa im Handel mit Indien, Südkorea und Taiwan –, doch Zölle von 10 bis 15 Prozent sind deutlich besser verkraftbar als die zwischenzeitlich angedrohten Extremwerte. Aus Washington kommen zudem Signale, dass die reduzierten Zölle gegenüber China über den 12. August hinaus bestehen bleiben könnten.

Trumps Zollpolitik: Deutliche Belastung – aber weniger gravierend als befürchtet

Zwar lassen sich die vollständigen wirtschaftlichen Folgen der in den vergangenen Monaten eingeführten Zölle noch nicht abschließend beurteilen. Doch eines ist bereits absehbar: Der durchschnittliche Zollsatz in den USA liegt weiterhin deutlich über dem Niveau der letzten 100 Jahre. Trotzdem gilt – gemessen an den ursprünglich angekündigten Maßnahmen – Trumps Handelspolitik hätte deutlich drastischere Auswirkungen haben können.

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