Anthony Willis

Die Nachrichtenagenda wird vollständig von der Zollpolitik des US-Präsidenten beherrscht – und geht in die zweite Runde: 10 Prozent Zölle auf fast alle US-Importe und noch höhere Zölle auf Waren aus Ländern wie China, Japan und Indien sowie der Europäischen Union – auch wenn ein Teil davon nun für 90 Tage ausgesetzt ist. Dennoch bleibt es beim Basiszollsatz von 10 Prozent, und auch die 25 Prozent auf Autos, Stahl und Aluminium gelten weiter.

Die US-Regierung rechtfertigt die Maßnahmen mit der Ausrufung eines nationalen Notstands – begründet mit Sorgen um die nationale und wirtschaftliche Sicherheit. Hintergrund sind anhaltend hohe Handelsdefizite der USA im Warenverkehr mit dem Ausland.

Wie die neuen Zölle die Weltwirtschaft verändern könnten

Nachdem die Märkte weltweit stark nachgegeben hatten, geht es nun wieder aufwärts. Die Zölle werden indes erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben und könnten die Inflation in den USA anheizen sowie das Wachstum verringern. Sollte die angekündigte Maßnahme in vollem Umfang umgesetzt werden, würde der durchschnittliche Zollsatz auf ein Niveau steigen, das zuletzt in den 1930er-Jahren während der Großen Depression in den USA erreicht wurde – also in einer Zeit, in der das weltweite Handelsvolumen deutlich geringer war und die globalen Lieferketten längst nicht so eng verflochten waren wie heute. Der sogenannte effektive Zollsatz – ein nach Handelsvolumen gewichteter Durchschnitt aller Zölle auf US-Importe – bewegt sich bereits jetzt am oberen Ende der bisherigen Erwartungen. Im Falle einer vollständigen Umsetzung könnte er das historische Niveau der 1930er-Jahre sogar übertreffen.

Bis vor Kurzem ging die Mehrheit der Marktbeobachter noch von einem durchschnittlichen effektiven US-Zollsatz zwischen 12 und 14 Prozent aus. Doch diese Einschätzung ist ins Wanken geraten: Inzwischen erscheinen Werte zwischen 20 und 24 Prozent realistischer – vor allem, da zusätzliche sektorale Zölle, etwa auf Autos, bereits angekündigt wurden oder noch folgen dürften. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der effektive Zollsatz gerade einmal bei 2,5 Prozent.

Die wirtschaftlichen Folgen könnten erheblich sein. Erste Schätzungen deuten darauf hin, dass das US-Wirtschaftswachstum in diesem Jahr um 1 bis 1,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen könnte. Gleichzeitig dürfte die Inflation um einen ähnlichen Wert zulegen – also ebenfalls um 1 bis 1,5 Prozentpunkte.

Zwar wäre dieses Szenario nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer Rezession in den USA. Doch es würde eine spürbare Wachstumsdelle mit sich bringen – begleitet von höherem Preisdruck, sinkenden Unternehmensgewinnen und einem Vertrauensverlust bei Konsumenten und Unternehmen. Letzteres wiederum könnte das Wachstum zusätzlich belasten.

 

Gewinne für den Staat, Verluste für die Verbraucher

Auch international sind bereits Folgen spürbar: Besonders in Asien geraten Volkswirtschaften unter Druck, die sich in den vergangenen Jahren zu wichtigen Exportdrehscheiben für den US-Markt entwickelt haben. Die Risiken für das weltweite Wirtschaftswachstum sind daher offensichtlich.

US-Präsident Donald Trump argumentiert, dass die eingeführten Zölle nicht nur die heimische Industrie stärken, sondern auch zusätzliche Staatseinnahmen generieren würden – Geld, das etwa für Steuersenkungen genutzt werden könne. Sollte sich der Handel in ähnlichem Tempo wie bisher entwickeln, könnten die Zölle laut Schätzungen bis zu 600 Milliarden US-Dollar einbringen. Das entspräche rund 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – und damit dem Doppelten der größten Steuererhöhung in der modernen US-Geschichte.

Das renommierte Peterson Institute for International Economics bezeichnet die Zölle in ihrer Gesamtheit als die „größte Steuererhöhung seit mindestens einer Generation“. Die wirtschaftliche Belastung für private Haushalte wäre erheblich: Der durchschnittliche US-Haushalt müsste demnach mit Mehrkosten von über 1.200 US-Dollar pro Jahr rechnen.

Zölle bremsen das Wachstum und treiben die Preise – eine heikle Mischung

Zölle wirken sich in der Regel negativ auf die Wirtschaft aus, da sie das Wachstum dämpfen und gleichzeitig die Inflation anheizen – eine klassische stagflationäre Entwicklung. Unternehmen und Verbraucher dürften sich zunächst zurückhalten, während sie die Lage analysieren und versuchen einzuschätzen, wie stark die Zölle ihre Entscheidungen und Kosten beeinflussen werden.

Für Unternehmen stellt sich die Frage: Sollen sie die zusätzlichen Kosten selbst tragen – was ihre Gewinnmargen schmälert – oder diese an die Kunden weitergeben, was die Preise erhöht? Beide Optionen sind mit wirtschaftlichen Risiken verbunden.

Auch die US-Notenbank Federal Reserve gerät durch diese Entwicklung unter Druck. Denn Zölle bedeuten nicht nur Gegenwind für das Wirtschaftswachstum, sondern erhöhen zugleich den Preisauftrieb. Die Fed muss daher besonders wachsam sein, um zu verhindern, dass sich die zuletzt gestiegenen Inflationserwartungen dauerhaft verfestigen.

Steht ein globaler Handelskrieg bevor?

Die Anzeichen sind momentan alles andere als beruhigend. Doch eines ist klar: Sollte es zu einem Handelskrieg kommen, wird er nicht die ganze Welt gleichermaßen betreffen. Vielmehr deutet vieles auf eine Konfrontation zwischen den USA und China hin.

Die Vereinigten Staaten sind eine vergleichsweise abgeschottete Volkswirtschaft. Sie stehen nur für rund 15 Prozent der globalen Importnachfrage – im Gegensatz zu ihrer dominanten Rolle bei internationalen Finanzströmen oder im Militär. Der Welthandel ist also nicht zwangsläufig auf die USA angewiesen.

Andere Wirtschaftsräume können auch ohne die Vereinigten Staaten florieren. Die Europäische Union, die zwölf Mitglieder des transpazifischen Handelsabkommens CPTPP, Südkorea und weitere offene Volkswirtschaften vereinen zusammen rund 34 Prozent der weltweiten Importnachfrage – mehr als doppelt so viel wie die USA.

Ungewöhnliche Allianzen in Zeiten wachsender Spannungen

Sogar Länder, die traditionell nicht eng zusammenarbeiten, rücken angesichts der US-Zölle näher zusammen: China, Südkorea und Japan denken über eine gemeinsame Reaktion nach – ein deutliches Signal dafür, wie sehr der zunehmende Handelskonflikt zusammenschweißen kann.

Für die Handelspartner der USA stellt sich nun eine schwierige Frage: Wie reagieren, ohne die Lage weiter zu verschärfen? Denn Washington hat unmissverständlich klargemacht, dass auf jede Vergeltung neue Zölle folgen könnten. Ein globaler Handelskrieg ist vielleicht noch abzuwenden – doch die wirtschaftlichen Fronten verhärten sich spürbar.

 

Zölle als politisches Druckmittel – und ihre möglichen Folgen

Die von den USA eingeführten Gegenzölle basieren auf einer einfachen Berechnung: dem bilateralen Handelsdefizit mit dem jeweiligen Land. Diese Vorgehensweise lässt wenig Raum für Differenzierung, schafft aber ein gewisses Maß an Flexibilität – zumindest für Länder, die über politischen Zugang zur US-Regierung verfügen und diesen auch nutzen können. Die Liste dieser privilegierten Staaten dürfte allerdings überschaubar sein.

Wie die betroffenen Länder auf die US-Zölle reagieren, wird unterschiedlich ausfallen. Einige könnten sich für wirtschaftspolitische Maßnahmen im eigenen Land entscheiden – etwa durch konjunkturstützende Programme, um die negativen Effekte der Zölle abzufedern und eine weitere Eskalation zu vermeiden. Andere hingegen könnten eine konfrontativere Strategie wählen und selbst Zölle erheben.

Der US-Finanzminister Scott Bessent hat bereits gewarnt: „Wenn Sie Vergeltung üben, wird es zu einer Eskalation kommen. Wenn man keine Vergeltungsmaßnahmen ergreift, ist dies die Höchstmarke.“ Damit beschreibt er das Dilemma vieler Staaten: Die Entscheidung zwischen Eskalation und Zurückhaltung ist strategisch heikel.

Der wahrscheinliche Fahrplan der betroffenen Länder dürfte daher so aussehen: zunächst versuchen, durch Gespräche Zugeständnisse zu erreichen – und erst im Falle eines Scheiterns zu Gegenzöllen greifen. Ob die USA in solchen Verhandlungen zu Kompromissen bereit sind, bleibt jedoch fraglich.

Während Donald Trumps erster Amtszeit galten Zölle vor allem als Hebel, um günstigere Handelsabkommen auszuhandeln. Nun aber scheint eine grundlegendere wirtschaftspolitische Haltung dahinterzustehen: Trumps Team verfolgt offenbar das Ziel, die Produktion ins eigene Land zurückzuholen und die USA stärker vom globalen Handel abzukoppeln – mit allen wirtschaftlichen Risiken, die ein solcher Paradigmenwechsel mit sich bringt.

Sollten die Vereinigten Staaten tatsächlich den Rückzug aus der globalen Handelsordnung antreten, wären die Auswirkungen erheblich – für die USA selbst wie auch für ihre Handelspartner. Um spürbare Schäden für das globale Wachstum zu vermeiden, müssten etwaige Verhandlungen rasch und konstruktiv geführt werden.

Zölle, Unsicherheit und Marktreaktionen: Warum die Lage komplex bleibt

Trotz einiger neuer Entwicklungen bleibt die Lage im internationalen Handel angespannt – auch wenn es trotz des Aufschubs mittlerweile unwahrscheinlich ist, dass die USA nachgeben werden. Die Märkte sind gefallen, doch nun geht es wieder bergauf.

Die am Freitag, 4. April angekündigten chinesischen Gegenmaßnahmen – Zölle in Höhe von 34 Prozent auf ausgewählte US-Importe – haben die ohnehin fragile Stimmung zusätzlich belastet. Dennoch handelt es sich nach wie vor eher um einen bilateralen Konflikt zwischen den USA und einzelnen Handelspartnern als um einen globalen Handelskrieg. Klar ist jedoch: Der wirtschaftliche Schaden dürfte vor allem in den Vereinigten Staaten selbst spürbar sein.

Zugleich steigt mit jeder neuen Eskalation die Wahrscheinlichkeit, dass andere Volkswirtschaften – insbesondere China und Europa – Maßnahmen ergreifen, um die negativen Folgen der amerikanischen Handelspolitik zu kompensieren. Denkbar sind fiskalische oder geldpolitische Impulse, die das Wirtschaftswachstum stützen sollen.

Die Kursbewegungen an den Märkten deuten bereits auf eine gewisse Bereinigung hin. Ob dies jedoch eine kurzfristige Reaktion bleibt oder der Beginn einer nachhaltigen Trendwende ist, wird sich in den kommenden Tagen zeigen – insbesondere dann, wenn erste Signale über mögliche Verhandlungen mit den USA auftauchen.

Viele negative Entwicklungen – wie die konjunkturelle Abschwächung und deren Folgen für die Unternehmensgewinne – sind mittlerweile weitgehend in den Kursen berücksichtigt. Wir sehen daher erste Chancen für attraktive Einstiege. Aufgrund der anhaltend hohen Schwankungen bleiben wir jedoch vorsichtig, beobachten den Markt täglich und passen unsere Positionen entsprechend an.

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