Börsenchef Theodor Weimer: Die Deutsche Börse befragt Marktteilnehmer nach der Zukunft der Dax-Familie. Foto: imago images / Rainer Unkel

Zu Kriterien und Mitgliederzahl

Deutsche Börse startet Dax-Umfrage

„Es ist kein Geheimnis, dass ich persönlich die Ausweitung des Dax 30 auf einen Dax 40 begrüßen würde“, zitieren derzeit Medien den Chef der Deutschen Börse, Theodor Weimer. Nur geht es offenbar nicht in erster Linie darum, was Weimer persönlich denkt. Stattdessen befragt die Börse derzeit über ihre Indextochter Qontigo Marktteilnehmer, wie die sich die Dax-Familie (Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax) künftig vorstellen. Zur Umfrage geht es hier, die Ergebnisse will das Unternehmen am 23. November um 22 Uhr veröffentlichen.

Acht Vorschläge stehen im Großen und Ganzen im Raum:

  • Sämtliche am regulierten Markt gehandelten Unternehmen können in Indizes einsteigen. Das Börsensegment ist egal.
  • Der Rang in Hinsicht auf den Börsenumsatz soll als Kriterium für Ein- und Ausstieg wegfallen. Stattdessen soll die Aktie einen bestimmten Mindestumsatz erreichen.
  • Unternehmen müssen ihren testierten Jahresbericht pünktlich veröffentlichen. Wer die Frist nicht einhält, fliegt aus dem Index.
  • Unternehmen müssen den vierteljährlichen Zwischenbericht pünktlich veröffentlichen. Wer die Frist nicht einhält, fliegt aus dem Index.
  • Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat muss existieren und besetzt sein.
  • Unternehmen, die umstrittene Waffen herstellen oder mit ihnen handeln, sind ausgeschlossen. Dazu gehören laut Qontigo Antipersonenminen, biologische und chemische Waffen, Streuwaffen, abgereichertes Uran, Atomwaffen und Waffen mit weißem Phosphor.
  • Unternehmen müssen in den zwei jüngsten Geschäftsberichten vor Steuern, Abschreibung und Zinsen (EBITDA) Gewinne ausgewiesen haben.
  • Die Börse überprüft den Dax zusätzlich zum September auch im März, ob Unternehmen regulär ein- oder aussteigen. Bei M-, S- und Tec-Dax ist das jetzt schon der Fall.

Marktteilnehmer können nun bis zum 4. November um 20 Uhr ankreuzen, welche Vorschläge sie ablehnen. Außerdem können sie entscheiden, ob der Dax künftig aus 40 und der M-Dax aus 50 Werten bestehen soll. Oder ob alles so bleiben soll wie bisher: Dax 30 und M-Dax 60.

Es ist ganz klar, dass die Deutsche Börse damit auf das Wirecard-Debakel und den umstrittenen Dax-Einsteiger Delivery Hero reagiert. Bei Ersterem haben sämtliche Kontrollinstanzen versagt, Letzterer schreibt seit Jahren Verluste und verdankt seinen Aufstieg nur dem Corona-Hype. Außerdem kreiden Kritiker seit Jahren an, dass 30 Unternehmen zu wenig sind, um den deutschen Aktienmarkt gut abzubilden.

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