Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Foto: imago images / Le Pictorium

Die Macht richtig nutzen

Zukunft des Fondsmanagements liegt in der Waagschale

Stewardship, also der konstruktiv-kritische Dialog von professionellen Investoren mit Unternehmen und der Fondsvertrieb haben mehr gemeinsam, als viele Fondsmanager, Vermittler und Berater vielleicht denken. Beides sind entscheidende und notwendige Elemente, um sowohl bessere Renditen zu erzielen als auch die Welt, in der wir leben, zu verbessern.

Nehmen wir zur weiteren Erläuterung Ralph Quartano, der leider im Januar im Alter von 93 Jahren verstarb – er war ein echter Investmentpionier. Als er 1983 zum CEO von PosTel Investment Management – später Hermes Investment Management und heute das internationale Geschäft von Federated Hermes – ernannt wurde, brachte er einen unerbittlichen Eifer mit, der ihn zu einer Triebkraft machte, mit der in den Vorstandsetagen der 1980er Jahre gerechnet werden musste.

Er rüffelte Führungskräfte wegen einiger ihrer kuscheligeren Arrangements, seien es wohltätige Hausmieten oder großzügige goldene Händedrücke. Er veränderte die Art und Weise, wie Fondsmanager sich verhielten und wahrgenommen wurden, indem er die Unternehmen, in die diese ihre Fonds investierten, herausforderte – und Veränderungen vorantrieb. Er brachte für unsere Firma einen zweckorientierten und verantwortungsvollen Ansatz für Investitionen auf den Weg, der bis vor kurzem für die meisten Investmentfirmen eine Idee am Rande blieb. Zum Glück ist das nicht mehr der Fall.

ESG hilft Stewardship

Der Aufschwung und Aufstieg von ökologischen, sozialen und Governance-Investitionen, also ESG-Investments, in den vergangenen Jahren ist bemerkenswert, regulatorische Vorgaben eingerechnet. Einigen Schätzungen zufolge hat sich der Markt innerhalb von vier Jahren verdoppelt – und wird im Jahr 2020 fast 40 Milliarden US-Dollar betragen.

Dies hat sich mit der Covid-19-Pandemie beschleunigt, bei der unsere hauseigene Forschung gezeigt hat, dass die Berücksichtigung sozialer Faktoren die Performance von Unternehmen unterstützt hat. Mit der Zunahme von Fonds und Angeboten, die sich zu ESG-Themen bekennen, haben die Regulierungsbehörden zu Recht ein größeres Interesse gezeigt. Das Wort „Greenwashing“ hat Einzug in das Investment-Lexikon gehalten, und das in einigen Fällen aus sehr gutem Grund.

EU-Verordnung ist grundsätzlich willkommen – mit Abstrichen

Daher ist die Veröffentlichung der EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) jetzt sehr zu begrüßen, die darauf abzielt, Kapital auf nachhaltigere Unternehmen zu lenken. Sie bringt die dringend benötigte Klarheit und Definition, wie Fonds kategorisiert werden; sie bietet Investoren die nötige Transparenz. Das ist ein guter Anfang.

Mehr zum Thema
Kreislaufwirtschaft, sauberes Wasser, neue MobilitätBluebay legt nachhaltigen Rentenfonds auf Nachhaltige FinanzwirtschaftBundesregierung beschließt Sustainable-Finance-Strategie UmweltschutzNordea AM startet grünen Anleihefonds