Anleger mit Tochter und Puppe von Warren Buffett Foto: Imago / Xinhua

Zum 90. Geburtstag von Warren Buffett

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

Ob nun Multimilliardär, genialer Investor oder großzügiger Philanthrop – das „Orakel von Omaha“ feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Doch statt seinen Ruhestand in vollen Zügen zu genießen,  wie es viele Altersgenossen sicher tun würden, denkt er nicht einmal daran, aufzuhören. Ganz im Gegenteil: „Ich plane zu arbeiten, bis ich über 100 bin“, versprach Buffett einst – ganz zur Freude seiner breiten Anhängerschaft und den Aktionären seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.

Doch eines vorweg: Dieser Glückwunsch an Warren Buffett wird sich darauf konzentrieren, welche Lehren Anleger und Investoren aus dem Leben und Wirken des „Altmeisters“ ziehen können. Allerdings wird der Glückwunsch keine Bewertung einzelner Investitionsentscheidungen von Warren Buffett beinhalten, denn das wäre angesichts der enormen Lebensleistung und des erworbenen Vermögens von rund 79 Milliarden US-Dollar schlicht und ergreifend nicht angemessen.

Eine solche Bewertung von Einzelentscheidungen ist aber auch gar nicht notwendig. Denn aus Buffetts Leben und Wirken lassen sich auch so genügend interessante Schlussfolgerungen für alle ziehen, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen mit den Kapitalmärkten beschäftigen.

 

Mit elf Jahren bereits Aktionär

Das gilt bereits für Buffetts Kindheit und Jugend: Mit gerade einmal elf Jahren kaufte er seine ersten drei Aktien eines Ölunternehmens und veräußerte diese wenig später wieder mit einem kleinem Gewinn. Aus diesen ersten nachweisbaren Kapitalmarktaktivitäten Buffetts zu Beginn der 1940er Jahre lassen sich mehrere Lehren für Kapitalmarktteilnehmer ableiten: So ist es erstens grundsätzlich nie zu früh, in Aktien zu investieren – und sei es nur, um erste Erfahrungen mit dieser anspruchsvollen Assetklasse zu sammeln.

Ein solches Engagement erbringt im Regelfall aber nur dann die angestrebte Rendite, wenn es mit einem entsprechend langfristigen Anlagehorizont verknüpft wird.

 Und darin liegt wohl auch die zweite Lehre aus Buffetts frühem Aktien-Engagement: Buffett besaß zwar nach dem Erwerb der drei Wertpapiere genügend Ausdauer, um nach dem Kauf eine Schwächephase seiner Aktien mit entsprechenden Kursrückgängen auszuhalten und zu überstehen. Doch anstatt weiter abzuwarten, verkaufte er die Aktien zeitnah, nachdem sich der Kurs erholt und über Buffetts Einstandskurs gestiegen war. Ein Fehler, wie sich später herausstellte: Denn nach seinem Ausstieg verfünffachte sich der Kurs im Laufe der Zeit.

Buffett selber hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, zu ungeduldig gewesen zu sein. Und Geduld ist mit Sicherheit eine der Kardinaltugenden für Aktionäre. Eine solche Haltung sollte allerdings niemals dazu führen, sich einzuengen und um jeden Preis Papiere zu halten, von denen man eigentlich schon lange nicht mehr überzeugt ist.

 

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