Zum Ausstieg aus Rettungsprogramm

Portugal wird den Irischen Weg wählen

Portugal ist stark genug und kann im Mai sein Rettungsprogramm ohne weitere finanzielle Absicherung hinter sich lassen - so wie es Irland bereits vorgemacht hat. Diese Einschätzung vertreten Analysten von Citigroup über Commerzbank bis zu Danske Bank.

Mit 3,66 Prozent liegt die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Staatsanleihen nahe an einem Acht-Jahres-Tief. Das Land konnte in der vergangenen Woche erfolgreich die erste Auktion längerfristiger Papiere seit dem Antrag auf ein Rettungspaket im Jahr 2011 durchführen. Für seine Kredite aus dem Hilfsprogramm zahlt Portugal rund 3 Prozent an Zinsen.

„Bei Portugal wird ein sauberer Ausstieg erwartet”, schrieben die Analysten Jens Peter Sörensen und Anders Möller Lumholtz von Danske Bank in Kopenhagen in einer aktuellen Studie. „Wir haben Portugal als eines unserer wichtigsten Investments für 2014 empfohlen und bislang zeigt das Land eine herausragende Entwicklung.”

Die Stimmung der Investoren im Hinblick auf Portugal hat sich rasch gewandelt. Noch im September waren die Bond-Renditen mehr als doppelt so hoch wie jetzt. Belastend wirkten Befürchtungen, dass das Land weitere Finanzhilfen benötigen werde. Indes hat die Konjunktur angezogen und eine Rally am Bondmarkt, angeheizt durch die Europäische Zentralbank, lässt die Renditen purzeln. Das würde es Portugal ermöglichen, dem Weg Irlands zu folgen. Die „Grüne Insel” hatte im Dezember 2013 ihr Rettungsprogramm abgeschlossen.

Am 17. Mai endet das 78 Milliarden Euro umfassende portugiesische Rettungspaket von der Europäischen Union und dem Internationalem Währungsfonds. Die Regierung werde noch vor einem Treffen der Finanzminister der Eurozone am 5. Mai in Brüssel darüber entscheiden, wie der Ausstieg erfolgen wird, hatte Portugals Ministerpräsident Pedro Passos Coelho in der vergangenen Woche gesagt.

Die Troika aus Vertretern von EU, EZB und IWF hat am 22. April in Lissabon mit einer abschließenden Begutachtung der portugiesischen Finanzen begonnen. Ein Abschlussbericht wird in dieser Woche erwartet, wie der Minister für parlamentarische Angelegenheiten, Luis Marques Guedes, sagte. Die Regierung werde in einer Kabinettssitzung am heutigen Montag voraussichtlich einen Plan zur Haushaltsstrategie diskutieren, sagte er weiter.

„Es gibt jetzt klare Indikatoren für eine bessere fiskalische und ökonomische Entwicklung, und wir rechnen mit einem ‚sauberer Ausstieg’ aus dem Troika-Programm”, schrieb Peter Goves, Strategist der Citigroup in London in einer Studie vom 23. April.

Portugal hatte am 23. April zehnjährige Bonds im Volumen von 750 Millionen Euro mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,58 Prozent über ein Tenderverfahren am Markt untergebracht. Die Emission war 3,47-fach überzeichnet.

Die Emission sei ein Meilenstein gewesen und habe den Weg für einen Ausstieg aus dem Rettungsprogramm ohne weitere Finanzhilfen geebnet, teilte Christoph Rieger, Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt an dem Tag gegenüber Investoren mit.

Die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s Investors Service und Fitch Ratings sehen die Kreditwürdigkeit Portugals immer noch auf „Ramsch"-Niveau. Fitch hatte jedoch den Ausblick am 11. April auf „positiv“ angehoben. S&P und Moody’s signalisierten, sie werden sich wahrscheinlich am 9. Mai zu Portugal äußern.

Im zweiten Quartal 2013 konnte Portugal die längste Rezession seit mindestens 25 Jahren abschütteln. Laut Regierungsprognosen wird das Bruttoinlandsprodukt 2014 um 1,2 Prozent expandieren, nach einer Kontraktion um 1,4 Prozent im Vorjahr. Für dieses Jahr wird ein Haushaltsdefizit von 4 Prozent des BIP angestrebt, welches 2015 unter die EU-Obergrenze von 3 Prozent sinken soll. Die Staatsverschuldung erreichte 2013 einen Höchstwert von 129 Prozent vom BIP und wird laut Prognose dieses Jahr auf 126,8 Prozent sinken.

Irland, dessen Kreditwürdigkeit nicht mehr länger mit der „Ramsch“-Kategorie bewertet wird, konnte im Dezember als erstes Land seit Beginn der Staatsschuldenkrise in der Eurozone 2009, sein Rettungsprogramm im Umfang von 67,5 Milliarden Euro. hinter sich lassen.

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