Zur Sache, Herr Ullmann

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DAS INVESTMENT: Der Rohstoffsektor befindet sich seit einigen Monaten auf einer dramatischen Talfahrt. Rächt es sich jetzt, dass Sie auf dem Höhepunkt des Booms derart spezialisierte Fonds wie den Stabilitas Silber + Weißmetalle oder den Stabilitas Uran + Energie aufgelegt haben? Werner Ullmann: Aus heutiger Sicht mag das so aussehen. Nach dem großen Anfangserfolg mit dem Stabilitas Gold + Resourcen haben wir jedoch Bedarf für weitere Angebote gespürt. Der Stabilitas Uran + Energie zum Beispiel hatte in der Spitze ein Volumen von 10 Millionen Euro. Das zeigt, dass Interesse vorhanden war. Die Nachfrage nach Rohstoffen wie Uran wird auf lange Sicht wieder spürbar steigen. Ein wesentlicher Teil unserer Energie wird aus der Kernkraft kommen, da gibt es kaum Alternativen. Ich sehe daher nicht nur den Stand von heute. Wir wollen langfristig, also auch in 15 oder 20 Jahren noch, auf dem Markt sein. DAS INVESTMENT: Wie realistisch ist das? Das Volumen des Stabilitas Uran + Energie liegt bei nur noch 3 Millionen Euro, andere  Angebote sind noch kleiner. Ullmann: Wir haben in der Tat harte Verluste erlitten. Aber bereits ab einem Volumen von 5 Millionen Euro ist es für uns interessant, einen Fonds zu managen. Wir wollten nie so groß werden wie Merrill Lynch. Unsere Nische ist die Spezialisierung auf kleine Unternehmen im Rohstoffsektor. DAS INVESTMENT: Wie hoch sind die laufenden Kosten Ihrer Fonds? Bei so geringen Volumina müssten sie ein abenteuerliches Niveau erreicht haben. Ullmann: Die Total Expense Ratio des Stabilitas Gold + Resourcen liegt bei 2,7 Prozent für den Privatanleger, für Institutionelle leicht darunter. Die anderen Fonds kommen auf Werte zwischen 3 und 4,38 Prozent. Bei dem hohen Aufwärtspotenzial der Fonds fällt dies meiner Meinung nach kaum ins Gewicht. DAS INVESTMENT: Der Stabilitas Big Cap Mining Premium und der Stabilitas Gold + Resourcen Special Situations hatten zuletzt ein Volumen von jeweils unter einer Million Euro. Wollen Sie auch diese Fonds weiterführen? Ullmann: Beide wurden aufgelegt, als der Stabilitas Gold + Resourcen bis auf 135 Millionen Euro angewachsen war. Damals bestand die Gefahr, dass wir die für uns kritische Grenze von 200 Millionen Euro erreichen. Faktisch war es dann aber seit Mai 2007 kaum noch möglich, frisches Geld einzusammeln. Beide Fonds werden deshalb bald mit dem Stabilitas Gold + Resourcen verschmolzen. DAS INVESTMENT: Den Schwerpunkt in Ihren Fonds bilden kleine Explorationsgesellschaften, die vor allem von der Hoffnung auf eine Übernahme leben. War das angesichts der katastrophalen Entwicklung in diesem Segment nicht ein Fehler? Ullmann: Das denke ich nicht. Die Korrektur im Nebenwertesektor hat bereits im April 2007 begonnen, als die Rohstoffe noch gut liefen. Die Börse bewegt sich zwischen Angst und Gier. Die mangelnde Liquidität hat bei den Anlegern zu Angst geführt. Sie haben alles verkauft, was als besonders riskant gilt. Das waren besonders die kleinen Firmen, die den Großteil unserer Portfolios ausmachen. Mittlerweile haben aber die Großen genauso viel verloren. Entscheidend ist der langfristige Trend. Wenn die Märkte sich wieder beruhigt haben, wird das Explorationsgeschäft am stärksten profitieren, weil es das dynamischste Segment im Rohstoffsektor ist. Und wenn es Geld zu verdienen gibt, kommen auch die Anleger zurück. DAS INVESTMENT: Trotzdem hätten Sie speziell im Goldbereich die sich bietenden Chancen mit einem breiter aufgestellten Produkt viel besser nutzen können. Ullmann: Die Entscheidung für unseren Fokus war ein ganz bewusster Entschluss. Mit dieser Strategie hat der Stabilitas Gold + Resourcen 2006 ein besseres Ergebnis erzielt als jeder andere Goldfonds. Mein Schwerpunkt liegt in der Analyse von Einzelunternehmen. Jeder Anleger muss wissen, dass unsere Fonds höheren Schwankungen und damit kurzfristig entsprechenden Risiken ausgesetzt sind. Für die jetzige Kursbewegung sind allerdings externe Faktoren verantwortlich. Wenn die Märkte drehen, wird der Nebenwertesektor deutlich outperformen. DAS INVESTMENT: Das kann unter Umständen noch recht lange dauern. Ullmann: Ich denke, dass wir bereits ein sehr tiefes Niveau erreicht haben. Weil in einer Aufschwungphase zunächst die großen Unternehmen profitieren, habe ich kurzfristig auch Large Caps ins Portfolio aufgenommen. Hier geht es aber nur darum, kurzfristig Gewinne zu realisieren, um nach einigen Monaten dann wieder ganz auf Nebenwerte zu setzen. DAS INVESTMENT: Selbst wenn sich die Rohstoffpreise bald wieder erholen – sind dann nicht schon viele kleine Gesellschaften pleite? Ullmann: Es wird Ausfälle geben, keine Frage. Aber wenn jetzt ein Unternehmen pleitegeht, dann hatte es auf dem Markt auch nichts zu suchen. Ein gutes Management mit guten Projekten ist auch in schwierigen Zeiten in der Lage, für eine Finanzierung zu sorgen. Meine Aufgabe ist es, die Unternehmen, das Management und die Projekte gut genug zu kennen, um auf die Favoriten zu setzen. Das geht nur mit Know-how, guten Informanten und einer regelmäßigen Präsenz vor Ort. DAS INVESTMENT: Die zurückliegende Dramatik an den Börsen war nahezu beispiellos. Müsste der Goldpreis angesichts dessen nicht längst bei 2.000 US-Dollar stehen? Ullmann: Die Entwicklung war in der  Tat für mich etwas enttäuschend, besonders auch beim Silber. Ich vermute, dass hier politisch gegengesteuert wird. Es kamen regelmäßig größere Goldmengen auf den Markt, die einen rapiden Anstieg des Goldpreises verhindert haben. An einer solchen Entwicklung können die Notenbanken kein Interesse haben, weil dadurch weiteres Vertrauen in die Finanzwirtschaft verloren gehen würde. DAS INVESTMENT: Wo sehen Sie den Goldpreis in den kommenden sechs bis zwölf Monaten? Ullmann: Die Interventionen werden den Anstieg nicht verhindern, sondern nur hinauszögern. Notierungen von 1.200 oder sogar 1.500 Dollar pro Unze sind durchaus realistisch.

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Ausgabe Dezember 2008
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