Thomas Schüller

Thomas Schüller

„Zuviel Qualität hat kein Unternehmen an Bord“

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Thomas Schüller ist geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmens- und Personalberatung Junges & Schüller, die hauptsächlich im Finanzdienstleistungsbereich tätig ist. DAS INVESTMENT.com: Hat die Finanz- und Wirtschaftskrise auch die Unternehmensberatungs-Branche erreicht? Thomas Schüller: Sicher. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) meldete in den vergangenen Monaten starke Umsatzrückgänge. Auch wir haben die allgemeine Krisenstimmung zu spüren bekommen. DAS INVESTMENT.com: Inwiefern? Schüller: Da Personalentscheidungen von Unternehmen immer einige Zeit brauchen, verzeichneten wir im Krisenjahr 2008 das Allzeithoch unserer Unternehmensgeschichte. Im Verlauf von 2009 brach der Umsatz dann um 30 Prozent ein. Damit lagen wir jedoch noch gut im Branchendurchschnitt. DAS INVESTMENT.com: Und wo hat man die Krise besonders stark gemerkt? Schüller: An Fondsstandorten, die in der Vergangenheit extrem geboomt haben. Dort mussten nach Ausbruch der Krise besonders viele Mitarbeiter, auch Portfoliomanager entlassen werden. DAS INVESTMENT.com: Zum Beispiel? Schüller: Luxemburg, einer der größten Fondsadministrations-Standorte weltweit. Dort wurde jahrelang Personal in großem Stil eingestellt. Die hohen Kopfprämien, die dort für einigermaßen gut qualifizierte Kandidaten gezahlt wurden, sind fast schon legendär. Bei dem hohen Personalbedarf und dem begrenzten Angebot mussten die Anforderungen irgendwann nach unten geschraubt werden. Es wurden teilweise junge Hochschulabsolventen mit wenig Berufserfahrung auf Posten eingesetzt, für die sie eindeutig unterqualifiziert waren. Als die Fondsvolumina schrumpften und Personal abgebaut werden musste, waren diese „Notnagel“-Kandidaten die ersten, die entlassen wurden. DAS INVESTMENT.com: Sie meinen also, dass die Entlassungswelle nur schlecht qualifiziertes Personal traf? Schüller: Ich würde eher sagen, dass hauptsächlich die Mitarbeiter gehen mussten, die an einem für sie unpassenden Arbeitsplatz eingesetzt wurden. Top-Portfoliomanager haben hingegen nach wie vor sehr gute Karrierechancen. Nach neun Monaten, in denen die schlechten Nachrichten überwogen, wurden in den letzten Wochen bereits erste Einstellungen vorgenommen. Zuviel Qualität hat schließlich kein Unternehmen an Bord. DAS INVESTMENT.com: Und wie sieht es mit den Gehältern aus? Hat sich die allgemeine Finanzkrise im Portemonnaie der Mitarbeiter von Banken und Finanzinstituten bemerkbar gemacht? Schüller: Fach- und Führungskräfte in höheren Gehaltsklassen, deren Vergütung einen hohen variablen Anteil hat, haben die Krise natürlich zu spüren bekommen. Das traf teilweise auch leistungsstarke Mitarbeiter, die die Gewinneinbrüche ihres Unternehmens nicht persönlich zu verantworten hatten. Auch sie wurden durch den Sparzwang ihrer Gesellschaften in Mitleidenschaft gezogen. DAS INVESTMENT.com: Da bekommt man ja fast schon Mitleid. Schüller: Mitleid? Ich finde, dass die Diskussion um die Topmanager-Gehälter in Deutschland eher von Neid geprägt ist. Die Leistung der Spitzenverdiener wird jedoch außer Acht gelassen. Dabei ist jemand, der für seine Bank 1 bis 2 Millionen Euro Netto-Gewinn im Jahr erwirtschaftet, auch ein Jahresgehalt von mehr als 200.000 oder 300.000 Euro wert. DAS INVESTMENT.com: Und wie sieht es mit den Verlusten aus? Schüller: Das ist in der Tat ein Problem. Mittlerweile werden neue Gehaltsmodelle diskutiert, die sowohl Gewinne als auch Verluste der Händler oder Fondsmanager berücksichtigen. DAS INVESTMENT.com: Zum Beispiel? Schüller: Das Drei-Jahres-Programm. Da wird ein Teil des Bonus einbehalten und erst nach drei Jahren ausgezahlt. Die Höhe wird dabei nach der saldierten Performance der vergangenen drei Jahren errechnet. DAS INVESTMENT.com: Haben sich mit der Krise auch die Qualifikationsanforderungen an die Portfoliomanager verändert? Schüller: Selbstverständlich. Schließlich wollen die Kunden mittlerweile nicht nur nach oben partizipieren, sondern auch Verluste begrenzen. Die Gesellschaften haben sich diesem Sicherheitsbedürfnis angepasst und bieten nun verstärkt Total Return sowie wertgesicherte Konzepte an. Um solche Produkte zu managen, braucht man aber entsprechendes Know-How. Quantitative Manager, die sich exzellent mit Wertsicherungsstrategien auskennen, sind daher besonders gefragt. DAS INVESTMENT.com: Wie sieht das Profil eines idealen Fondsmanagers aus? Schüller: Es werden zwar, je nach Gesellschaft und Aufgabenbereich, unterschiedliche Anforderungen gestellt. Grundsätzlich sollte ein Fondsmanager eine gute universitäre Ausbildung, viel Praxiserfahrung sowie persönliche und moralische Integrität mitbringen. DAS INVESTMENT.com: Wozu braucht ein Portfoliomanager denn Integrität? Schüller: Damit er die Kundeninteressen vor seinen eigenen verfolgt. Ist der Manager nicht bereit, seine eigene Altersvorsorge in das von ihm gemanagte Produkt zu investieren, dann läuft mit seinem Konzept etwas schief. Legen die Verantwortlichen hingegen ihr Geld in ihrem eigenen Fonds an, hat man als Kunde eine Art Garantie, dass das Management keine unnötigen Risiken eingehen wird. Erfolgreiche Fonds-Boutiquen wie Carmignac machen es vor. DAS INVESTMENT.com: In Krisen kommt es häufig zur Rückbesinnung auf grundlegende Werte. Sind die ethisch-moralischen Anforderungen an die Portfoliomanager eine vorübergehende Erscheinung? Schüller: Menschliche Qualitäten ändern sich nicht durch Börsenzyklen. Allerdings wurde dieser Aspekt in der Vergangenheit häufig unterbewertet. Denn an die Kunden zu denken kann nie falsch sein. Nur wenn Kundeninteressen eingehalten werden, verdient die Bank langfristig gut.

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