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ETF der Woche
Kommt das Drachen-Erwachen? Zwei Indexfonds für das mögliche China-Comeback
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Sven Stoll

ETF der Woche Kommt das Drachen-Erwachen? Zwei Indexfonds für das mögliche China-Comeback

Chinesischer Drache
Chinesischer Drache: In China gilt das Tier zwar auch als Symbol für Reichtum, aber in erster Linie steht es für Glück, Güte und Intelligenz.
© Sven Stoll mit Canva

Vor mehr als zwei Jahrzehnten war es die Wachstumsstory schlechthin: Der britische Ökonom Jim O'Neill prägte das Synonym BRIC für die aufstrebenden Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien und China. Er sagte voraus, dass diese Länder im Jahr 2050 die größten Volkswirtschaften der Welt sein würden, größer als die USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Diese Prognose hat sich bislang nicht bewahrheitet.

Die BRIC-Story: Aufstieg, Fall und die Realität des 21. Jahrhunderts

Im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts ist die Erfolgsgeschichte ins Stocken geraten. Zwar repräsentieren die BRICS (inklusive Südafrika) rund 41 Prozent der Weltbevölkerung und erwirtschaften 32 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, doch die Börsenkurse spiegeln diese Entwicklung nicht wider. Die großen Schwellenländer sehen sich mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, darunter politische Instabilität, Korruption, soziale Ungerechtigkeit und in jüngster Zeit wieder aufflammende geopolitische Spannungen.

Insbesondere Anleger, die in russische Aktien investiert hatten, mussten aufgrund der Sanktionen in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt Totalverluste hinnehmen. Ein Lichtblick waren und sind indische Aktien, die sich seit der Jahrtausendwende verzehnfacht haben und durchschnittlich um 12 Prozent pro Jahr zulegten. Der MSCI Brasilien brachte seit 2000 immerhin eine durchschnittliche Rendite von 8 Prozent.

Chinas Aktienmarkt: Zwischen historischem Einbruch und Hoffnung auf Erholung

Chinesische Aktien haben sich seitdem hingegen nur verdoppelt. Vor allem in den vergangenen drei Jahren erlebten sie einen historischen Einbruch. Gründe dafür sind die schwache Konjunktur nach der Pandemie und die anhaltende Immobilienkrise. Hinzu kommt der massive Kapitalabzug ausländischer Investoren aus China. Der chinesische Leitindex CSI 300, der die Kursentwicklung der 300 umsatzstärksten Aktien des Festlands abbildet, fiel zuletzt auf den tiefsten Stand seit Februar 2019. Insgesamt haben chinesische Aktien in drei Jahren fast die Hälfte ihres Wertes verloren.

Doch immer, wenn die Stimmung am absoluten Tiefpunkt angelangt ist, werden die Stimmen antizyklischer Investoren lauter, die gute Kaufgelegenheiten wittern. Schließlich lautet eine bekannte Börsenregel: „Kaufe Aktien, wenn die Kanonen donnern. Verkaufe, wenn die Violinen spielen.“

So hoffen einige Experten derzeit wieder auf Besserung. Jasmine Kang, Portfoliomanagerin des Comgest Growth China, hält eine Trendwende für nicht ausgeschlossen. Angesichts bevorstehender Zinssenkungen in den USA und einer wahrscheinlichen Bodenbildung am chinesischen Immobilienmarkt könnte ein Engagement in Fernost für Anleger eine interessante Option sein, schreibt sie in einem aktuellen Marktausblick. China habe nach wie vor wachstumsstarke Unternehmen in den Bereichen Automatisierung, Medizintechnik sowie Solarenergie- und E-Automobilbauindustrie.

 

Antizyklisches Investieren: China-Chance für mutige Anleger

Marktkenner Nicholas Yeo, Head of China Equities bei Abrdn, kommentiert die aktuelle Situation so: „Obwohl es einige echte Gründe zur Sorge gibt, wie etwa die untragbare Verschuldung vieler Immobilienentwickler, hat sich eine Diskrepanz zwischen der Marktstimmung und den Fundamentaldaten aufgetan.“ Der China-Experte betont, dass chinesische Onshore-Aktien heute zu historisch niedrigen Bewertungen gehandelt werden, was China zu einem der günstigsten großen Aktienmärkte der Welt mache. „Die jüngsten Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass die angeschlagene Wirtschaft wieder Tritt fasst“, so Yeo.

Für eine nachhaltige Erholung des Aktienmarktes reicht eine günstige Bewertung allein natürlich nicht aus. Entscheidend sei auch das Gewinnwachstum, betont Yeo. In den vergangenen drei Jahren standen chinesische Unternehmen vor unglaublichen Herausforderungen: schwache Nachfrage, operative Probleme und weit verbreitete Unsicherheit. Trotzdem haben viele Qualitätsunternehmen robuste Gewinne erzielt. Für den Gesamtmarkt rechnet Yeo in diesem Jahr weiterhin mit einem Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich. Die Vorteile der geld- und fiskalpolitischen Anreize sollten zum Tragen kommen, insbesondere wenn sich der Immobilienmarkt stabilisiert und damit das Vertrauen in die Gesamtwirtschaft nachhaltig zurückkehrt.

Portfoliomanager Peter Huber, bekannt für seinen antizyklischen Investmentansatz, ist überzeugt, dass die chinesische Wirtschaft viel mehr zu bieten hat, als ihr derzeit zugetraut wird. Analog zu den „Magnificent Seven“ der US-Tech-Branche können auch chinesische Tech-Giganten mit einer starken Zukunftsperspektive überzeugen. Huber nennt Amazon-Konkurrent Alibaba, Internetriese Tencent, Onlinehändler JD.com, Suchmaschinenbetreiber Baidu.com, Tesla-Rivale und Elektroautobauer BYD sowie den Medikamentenforscher WuXi Biologics. Im Vergleich zu ihren US-Pendants seien diese Unternehmen zudem „deutlich unterbewertet“.

Da viele Aktienindizes in der Nähe ihrer Allzeithochs notieren, hat sich in den vergangenen Jahren in vielen teuren Märkten ein erhebliches Korrekturpotenzial aufgebaut - im Gegensatz zu China. Wer sich daher antizyklisch mit Aktien aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt beschäftigen möchte, findet über ETFs oder Fonds den besten Zugang zu diesem Markt, da der direkte Zugang für ausländische Privatanleger kaum möglich ist.

Aktien in China: Ein Blick auf die verschiedenen Klassen und Handelsplätze

In China gibt es verschiedene Arten von Aktien, die je nach Handelsplatz und Art der Unternehmen unterschieden werden. Die wichtigsten Unterscheidungen sind:

  • Onshore-Aktien (A-Aktien): Diese werden in chinesischen Yuan an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gehandelt. Sie sind für inländische Investoren zugänglich und werden von Unternehmen ausgegeben, die in China registriert sind und überwiegend auf dem chinesischen Festland tätig sind. Historisch gesehen waren A-Aktien nur für chinesische Staatsbürger und ausgewählte institutionelle Anleger zugänglich, aber in den vergangenen Jahren wurden die Vorschriften gelockert, um ausländischen Investoren einen begrenzten Zugang zu ermöglichen.
  • Offshore-Aktien (B-Aktien): B-Aktien werden in Fremdwährungen wie US-Dollar an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gehandelt. Sie waren ursprünglich für ausländische Investoren konzipiert, um in chinesische Unternehmen zu investieren, hatten jedoch aufgrund von Beschränkungen und geringer Liquidität eine begrenzte Anziehungskraft. In den vergangenen Jahren hat China jedoch Schritte unternommen, um den Zugang zu erleichtern.
  • Offshore-Listed Aktien (H-Aktien): Sie werden in Hongkong (und manchmal auch in anderen ausländischen Börsen) in Hongkong-Dollar gehandelt. H-Aktien werden von chinesischen Unternehmen ausgegeben, die ihren Hauptsitz in China haben, aber an ausländischen Börsen notiert sind. H-Aktien sind für ausländische Investoren zugänglich und bieten oft eine größere Transparenz und Liquidität als A- und B-Aktien.

Die Hauptunterschiede zwischen diesen Aktienklassen liegen also in den Handelsplätzen, den Währungen, in denen sie gehandelt werden, und den zugrunde liegenden Vorschriften und Beschränkungen für inländische und ausländische Investoren.

Chinesische Aktienindizes im Fokus: MSCI China versus CSI 300

Quelle Fondsdaten: FWW 2024
Daten: Xtrackers CSI300 Swap ETF
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds China
  • Auflegung: 27.06.2012
  • ISIN: LU0779800910
  • Performance 3 Jahre: -32,51%
  • Performance 5 Jahre: 29,55%
  • Performance 10 Jahre: 117,29%
  • Sharpe Ratio 5 Jahre: 0,27
  • Volatilität 5 Jahre: 21,85%
  • Volumen in Mio. EUR: 862

Investitionen in den chinesischen Aktienmarkt sind über verschiedene Indizes möglich. Ein sehr breit diversifizierter Index ist der MSCI China. Der Index umfasst Unternehmen mit Sitz in China, die hauptsächlich an den Börsen in Shanghai, Shenzhen und Hongkong notiert sind. Der MSCI China Index bietet Anlegern die Möglichkeit, die Gesamtperformance des chinesischen Aktienmarktes zu verfolgen. Er umfasst derzeit mehr als 700 Unternehmen und investiert sowohl in Onshore- als auch in Offshore-Aktien. Ein geeigneter ETF wäre der Xtrackers MSCI China ETF, der über zehn Jahre allerdings nur eine Performance von 31,6 Prozent aufweist.

Der Xtrackers CSI 300 Swap ETF aus dem gleichen Hause hat sich in diesem Zeitraum mit einem Plus von 117 Prozent deutlich besser entwickelt. Der CSI 300 Index ist ein Aktienindex, der die Wertentwicklung der 300 größten und liquidesten Aktiengesellschaften an den Börsen Shanghai und Shenzhen in China abbildet. Das Börsenbarometer wurde von China Securities Index entwickelt und gilt als wichtiger Gradmesser für den chinesischen Aktienmarkt. Der CSI 300 umfasst eine breite Palette von Unternehmen aus verschiedenen Sektoren, darunter Technologie, Finanzen, Konsumgüter, Gesundheitswesen und Energie.

 

Das sind die Top-3-Holdings im Xtrackers CSI 300 Swap:

  • Moutai ist weltweit bekannt für ihre hochwertigen Baijiu-Spirituosen, insbesondere den berühmten Kweichow Moutai. Das Unternehmen hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1951 zurückreicht, und genießt in China einen legendären Ruf. Moutai ist bekannt für seine traditionelle Herstellungsmethode und seine einzigartige Geschmacksprofile, was es zu einem begehrten Luxusprodukt macht: 6,19 Prozent
  • CN Ping An ist ein chinesisches Unternehmen, das sich auf Finanzdienstleistungen und Technologie spezialisiert hat. Es ist eine Tochtergesellschaft der Ping An Insurance Group, einem der größten Versicherungsunternehmen Chinas. CN Ping An bietet eine breite Palette von Finanzprodukten und -dienstleistungen an, darunter Versicherungen, Vermögensverwaltung und innovative Technologielösungen für den Finanzsektor: 2,68 Prozent
  • Amperex Technology Limited ist ein führender Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien für mobile elektronische Geräte und Elektrofahrzeuge. Das Unternehmen hat sich einen Ruf für hochwertige und leistungsfähige Batterien aufgebaut und zählt zu den wichtigen Zulieferern für Unternehmen wie Apple und Tesla. Mit einer starken Forschungs- und Entwicklungsabteilung treibt Amperex Innovationen in der Batterietechnologie voran und trägt zur Entwicklung sauberer und effizienter Energielösungen bei: 2,46 Prozent

Besser mit Swap?

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Aufgrund des begrenzten Marktzugangs basiert der ETF auf Swaps. Ein Swap-ETF investiert nicht unbedingt direkt in die Aktien des zugrunde liegenden Index. Stattdessen verwendet er eine Mischung aus sehr liquiden Aktien, die in ausreichend großen Mengen an der Börse gehandelt werden können. Um die Performance des Index abzubilden, setzt er Derivate wie Zins- oder Währungsswaps ein.

Dies muss jedoch kein Nachteil sein, wie der Vergleich mit dem physischen Xtrackers Harvest CSI 300 ETF zeigt. Swap-ETFs können sogar besser abschneiden als der Vergleichsindex. Denn am Ende zählt die so genannte Tracking Difference (TD). Bei diesem ETF ist die TD sogar negativ, was bedeutet, dass der ETF deutlich besser abschneidet als der Index und sein physisches Pendant.

Der Geheimtipp für China: Market Access China Minimum Variance Index ETF

Quelle Fondsdaten: FWW 2024
Daten: Market Access China Minimum Variance Index ETF
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds China
  • Auflegung: 07.06.2018
  • ISIN: LU1750178011
  • Performance 3 Jahre: 4,08%
  • Performance 5 Jahre: 35,26%
  • Performance 10 Jahre: -
  • Sharpe Ratio 5 Jahre: 0,43
  • Volatilität 5 Jahre: 13,94%
  • Volumen in Mio. EUR: 23

In den vergangenen Jahren erwies sich der Market Access China Minimum Variance Index ETF als das herausragende Produkt für chinesische Aktien. Selbst über einen Zeitraum von drei Jahren erzielte er eine positive Performance und liegt mit einem Plus von 4,08 Prozent mehr als 35 Prozent vor dem zweitplatzierten Xtrackers CSI 300 ETF. Das Erfolgsgeheimnis dieses ETFs liegt in seinem Minimum-Varianz-Ansatz, der darauf abzielt, das Portfoliorisiko durch optimale Diversifikation zu minimieren und die Auswirkungen von Kursrückgängen möglichst gering zu halten.

Im Gegensatz zu den meisten Indizes, die Aktien nach Marktkapitalisierung auswählen und gewichten, orientiert sich der Minimum-Varianz-Ansatz an einer geringen Volatilität und niedrigen Korrelation zwischen den ausgewählten Titeln. Die Strategie strebt an, dass die Aktien im Portfolio nicht gleichzeitig in die gleiche Richtung tendieren, sondern sich gegenseitig ausgleichen. Dieser Ansatz basiert auf der modernen Portfoliotheorie von Harry M. Markowitz, der für seine Pionierarbeit in diesem Bereich den Nobelpreis erhielt.

Der ETF setzt auf defensive Titel von Versorgern, Finanzinstituten und Industrieunternehmen bis hin zu Aktien aus den Bereichen Basiskonsum, Gesundheit und Energie. Zu den Einzelwerten gehören Unternehmen wie China Yangtze Power, das auf die Entwicklung und den Betrieb von Wasserkraftprojekten spezialisiert ist, sowie Daqin Railway, das sich auf den Betrieb und die Verwaltung von Schienenverkehrsinfrastruktur, insbesondere im Bereich Kohletransporte, fokussiert.

Diese defensive Ausrichtung und die gezielte Auswahl von Einzelwerten zeigen, dass selbst unter widrigen Marktbedingungen positive Renditen erzielt werden können. Durch die Berücksichtigung von Unternehmen aus verschiedenen Sektoren, die auch in schwierigen Zeiten stabil agieren, setzt der ETF auf eine ausgeklügelte Strategie, um Erträge zu erzielen.

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