Liebe Whisky-Freunde,

der Herbst ist da und die saisonalen Whisky-Liebhaber kehren zurück, um sich hin und wieder einen edlen Tropfen zu gönnen. Doch ist Whisky wirklich ein Getränk allein für die kühleren Monate?

Ich schätze Whisky zu allen Jahreszeiten, jedoch bevorzugt abends nach dem Essen, wenn Ruhe und Muße einkehren. Aber ich wüsste nicht, warum ich einen schönen Dram nicht auch im Hochsommer als Ausklang eines wunderbaren Tages genießen sollte. Einzig als Durstlöscher ist Whisky in keinem Fall eine gute Lösung.

Sherry passt in den Herbst 

Viele erfreuen sich im Sommer an leichten, im Bourbonfass gereiften, ungetorften Whiskys mit einem Alkoholgehalt von etwas über 40 Prozent und milden, hellfruchtigen und süßen Noten. Viele meiden rauchige Whiskys bis zum Herbst, insbesondere wenn auch noch schwere, dunkle Sherry-Töne ins Spiel kommen. Letztendlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Frank Jerger ist Inhaber des Fachgeschäfts
Frank Jerger ist Inhaber des Fachgeschäfts „Whisky For Life“ © Frank Jerger

Ich sehe da keine Tabus, empfehle jedoch zwei simple Regeln: Achten Sie auf die Reihenfolge der Whiskys. Beginnen Sie mit niedrigem Alkoholgehalt und steigern Sie den Torfgehalt sowie die Fassreifungsintensität im Laufe des Abends. Ein frühes Eintauchen in ein „Peat Monster“ mit 60 Prozent Alkohol könnte die subtilen Noten eines fruchtigen Speysiders später am Abend übertünchen.

Und dann zur Wasserzugabe. Ich bin der Meinung, dass hier weder „nie“ noch „immer“ sinnvoll ist. Der erste Schluck sollte pur sein, unabhängig vom Alkoholgehalt. Ja, auch bei 70 Volumenprozent.

Nach dem ersten Probierschluck würde ich einen fassstarken Whisky allerdings nicht nur etwas Zeit zum Atmen geben, sondern auch mit 2–3 Tropfen stillem Wasser die Chance, sich zu öffnen. Das kann wahre Wunder bewirken und ein sehr junges Destillat zu einem Hochgenuss machen.

Verzichten würde ich dagegen bei einem Glenfiddich 12, der ja bereits auf trinkfertige 40 Volumenprozent herabgesetzt wurde, weiteres Wasser hinzuzufügen. Klar, für die Nase mag da noch etwas herauszukitzeln sein. Aber der Gaumen wird Ihnen sagen, dass die 40 Volumenprozent schon ihren Sinn haben, da Alkohol wie Fett ein Geschmacksträger ist.

Probieren Sie unterschiedliche Herangehensweisen aus und genießen Sie jede Entdeckung auf dem Weg zu Ihrem persönlichen Whisky-Verständnis!

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