Schuld an der Zurückhaltung der Anleger? EZB-Präsident Mario Draghi. Obwohl der EZB-Präsident in diesem Monat alle drei Leitzinssätze gesenkt und die quantitative Lockerung ausgebaut hatte, befürchten Anleger, es werde für eine Wachstumsrückkehr nicht ausreichen. Foto: Getty Images

Schuld an der Zurückhaltung der Anleger? EZB-Präsident Mario Draghi. Obwohl der EZB-Präsident in diesem Monat alle drei Leitzinssätze gesenkt und die quantitative Lockerung ausgebaut hatte, befürchten Anleger, es werde für eine Wachstumsrückkehr nicht ausreichen. Foto: Getty Images

Zweifel an Aktien-Rally

Europas Fondsanleger bleiben vorsichtig

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Europäische Aktien, die zum Jahresauftakt um 17 Prozent eingebrochen waren und dann fast genau die Hälfte ihrer Verluste wieder aufholten, treten nun auf der Stelle. Die wieder einkehrende Ruhe am Markt vermochte nicht, eine Welle an Fondsabflüssen aufzuhalten.

Nach einem Anstieg um 14 Prozent innerhalb von fünf Wochen bis zum 14. März ist der Stoxx Europe 600 ins Stocken geraten. Der breite Index kam seither keine zwei aufeinanderfolgenden Tage mehr auf einen Gewinn und wird in einer Spanne von nur etwa 14 Punkten gehandelt. Die Benchmark läuft auf einen Monatsgewinn von 0,9 Prozent zu, was der geringste Ausschlag seit fast einem Jahr wäre.

Anlegerängste


Anleger hatten sich Anfang des Jahres die Finger verbrannt, als die Aktien der Region in einen Bärenmarkt eintraten. Nun schrecken sie vor einer Rückkehr an den Markt zurück, während die Erholung stottert. Die Konjunkturdaten haben seit Januar die Erwartungen verfehlt, Analysten erwarten einen Rückgang des Nettogewinns der Stoxx-600-Unternehmen um 1,6 Prozent in diesem Jahr und die siebte Woche in Folge sind Gelder aus europäischen Aktienfonds abgezogen worden, was die längste Serie seit Oktober 2014 darstellt, wie aus einer Umfrage von Bank of America hervorgeht.

„Die Investoren glauben nicht wirklich an die Rally", sagte Marktanalyst Chris Beauchamp bei IG in London. „Es folgten keine starken Aktienkäufe und das bereitet Sorgen. Die Anleger fragen sich, wo die gute Nachrichten herkommen sollen, während wir in das zweite Quartal gehen."

Der Stoxx 600 ist in diesem Quartal um 7,9 Prozent gefallen, was den stärksten Rückgang seit den drei Monaten bis Ende September darstellt. Damit entwickelte er sich schlechter als seine Pendants in den Vereinigten Staaten und Asien. Der europäische Aktienindex ist seit seinem Rekordstand vom April 2015 um 19 Prozent abgerutscht.

Zweifel an der EZB


Hintergrund sind Zweifel an den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank. Obwohl EZB-Präsident Mario Draghi in diesem Monat alle drei Leitzinssätze gesenkt und die quantitative Lockerung ausgebaut hatte, befürchten Anleger, es werde für eine Wachstumsrückkehr nicht ausreichen. Der Index des Wirtschaftsvertrauens fällt seit  zwei Monaten und es wird erwartet, dass die Verbraucherpreise im März erneut im negativen Bereich liegen werden.

Auch wenn der Stoxx 600 zum 14,7-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt wird – nahe eines Einjahrestiefs gegenüber dem US-Index Standard & Poor’s 500 – üben sich viele Anleger bei europäischen Aktien in Zurückhaltung. Die Kosten für Absicherungen gegen Kursschwankungen bei Aktien aus dem Euroraum bewegen sich in Relation zu US-Titeln in der Nähe eines  Siebenmonatshochs. Die Anzahl der Optionen auf fallende Kurse hat im Verhältnis zu Kontrakten auf steigende Kurse den höchsten Stand seit September erreicht.

„Das ist nach dem Sturm vom Januar nun eine Phase, in der alles erstmal verdaut wird, nachdem eine Menge Investoren Anfang des Jahres auf dem falschen Fuß erwischt wurden", sagt  Guillermo Hernandez Sampere, Handelschef der MPPM EK in Eppstein. „Es braucht Zeit, bis bei den Anlegern das Vertrauen wieder zurückkehrt."

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