Zweite Reihe

Diesen Männern vertraut Warren Buffett

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Warren Buffett hat Berkshire Hathaway in den vergangenen fünf Jahrzehnten durch Delegieren zu einem Geschäftsemperium ausgebaut, wobei dieses Delegieren "fast den Punkt der Selbstverleugnung’’ erreicht habe. In jüngster Zeit hat der 84-Jährige noch mehr Verantwortung abgegeben.

Mindestens vier der jüngsten Übernahmen von Berkshire - einschließlich der am Freitag angekündigten Akquisition der deutschen Detlev Louis Motorradvertriebs und die im November angekündigte Transaktion um den Batteriehersteller Duracell - werden von Buffetts Stellvertretern beaufsichtigt.

Mit diesen Regelungen ändert sich die lockere, vertrauensbasierte Kultur, auf die Buffett bei seiner Holding-Gesellschaft gesetzt hat. Seit Jahren haben die Vorstandsvorsitzenden der Dutzend Berkshire Geschäftseinheiten an ihn direkt berichtet. Durch stärkeres Delegieren verschafft er sich mehr Zeit und baut Kapazität in einer Organisation auf, die eines Tages ohne ihn laufen muss.

“Das ist sehr sinnvoll”, sagt David Rolfe, Fondsmanger bei Wedgewood Partners. “Er wird älter, so dass sich die Frage stellt, wieviel kann er selbst beaufsichtigen?”

Die Entscheidungen werden fallweise getroffen, berichtet eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Buffett hat auf eine bei einem Assistenten hinterlassene Anfrage, wie die Verantwortlichtkeiten bei Berkshire delegiert werden, nicht reagiert.

Nachdem Louis mit Buffett bezüglich einer Transaktion Kontakt aufgenommen hatte, beauftragte der Berkshire-Chef den stellvertretenden Investment-Manager Ted Weschler, für die Verhandlungen nach Deutschland zu fliegen. Berkshire, die in Europa mehr zukaufen will, übernimmt den Biker-Laden für etwa 400 Millionen Euro. Das Management-Team von Louis bleibt im Amt und wird Weschler unterstellt.

Mit diesem Arrangement hält Berkshire aus Omaha im Bundesstaat Nebraska an den Prinzipien fest, die Buffett und der Vize-Vorsitzende Chairman Charles Munger, 91, vor langer Zeit in der “Firmen-Betriebsanleitung” festgelegt haben. Darin witzeln sie, dass sie Verantwortung “abgeben”, um zu zeigen, dass sie den Managern viel Autonomie einräumen. Dieser Ansatz erlaubt ihnen aber, sich auf das Aufspüren von Aktien und Übernahmeobjekten zu konzentrieren.

Teammitglieder fungieren als Berater

“Berkshire wird nicht zu Mikro-Management übergehen”, erwartet Jim Zipursky, geschäftsführender Direktor bei Corporate Finance Associates in Omaha, der bei den Kontakten des deutschen Motorradausrüsters mit Buffett geholfen hat. “Die Teammitglieder von Warren fungieren als Berater.”

Die Louis-Transaktion erinnert an Berkshires Erwerb von Charter Brokerage, einem Logistikunternehmen im Bereich Petrochemie. Buffetts Mittler war hier sein anderer Investmentmanager,Todd Combs, 44, wie eine weitere informierte Person berichtete.

Beide Übernahmen zeigen, wie die Stellvertreter ihre Aufgaben erweitert haben, sagt Tom Russo, der bei Gardner Russo & Gardner Berkshire-Aktien hält. Buffett hat Combs im Jahr 2010 und Weschler 2011 angestellt, um Aktien-Portfolios aufzubauen. Er hat gesagt, dass sie eines Tages sämtliche Investments der Gesellschaft verwalten werden, die zum 31. Dezember für mehr als 100 Milliarden Dollar Aktien hielt.

“Warren ist an einem Punkt angelangt, wo er eine Idee vorgeschlagen bekommt und zu Ted oder Todd sagen kann: ‘Schau es dir an’”, erläutert Russo.

Buffett hat auch andere Manager eingespannt. Nach der Vereinbarung zum Kauf von Duracell für etwa 2,9 Milliarden Dollar entschied er, den Batterie-Hersteller der Berkshire-Firmengruppe Marmon Group, einer Ansammlung von Industrieunternehmen, zuzuordnen. Die Eingliederung einer Verbrauchermarke in das größtenteils auf B-to-B ausgerichtete Portfolio war eine neue Herausforderung für Spartenchef Frank Ptak.

“Ich stehe am Anfang einer gewaltigen Lernkurve”, sagte er laut einem Artikel in Crain’s Chicago Business in einer Podiumsdiskussion im Februar.

Buffett hat auch beschrieben, wie Tracy Britt Cool, eine weitere Stellvertreterin des Berkshire-Chefs, ihm hilft, den Überblick über das wachsende Konglomerat zu behalten. Während die Tochtergesellschaften inzwischen zusammen mehr als 330.000 Mitarbeiter beschäftigen, liegt die Zahl der Mitarbeiter in der Zentrale bei etwa zwei Dutzend.

Cool, 30, ist Vorsitzende von drei kleineren Geschäftsbereichen von Berkshire und wurde im Oktober zum Chef für einen davon, Pampered Chef, berufen. Sie sitzt auch im Board des Ketchup-Herstellers H.J. Heinz, an dem Berkshire zusammen mit 3G Capital beteiligt ist.

“Es gibt Unternehmen, bei denen ich nie gewesen bin, obwohl sie seit vielen Jahren zu uns gehören”, sagte Buffett 2014 in einem Interview. “Tracy steht zur Verfügung, um an Dingen zu arbeiten, an denen ich wohl arbeiten sollte, aber entweder zu beschäftigt oder zu faul bin.”

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