Zwielichtige Kunden und dunkle Geschäfte

Milliarden-Steuern über HSBC-Konten hinterzogen

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Die britisch-asiatische Privatbank HSBC soll wissentlich Konten von Steuerhinterziehern, Waffenhändlern und anderen Kriminellen geführt haben, wie ein Recherche-Team von NDR, WDR und SZ herausgefunden hat. Zu den Kunden gehören demnach auch einige der mutmaßlichen Geldgeber der Anschläge vom 11. September 2001 oder der Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al Assad. Mittlerweile habe man sich von allen „steuerlich problematischen“ Kunden getrennt.

Industriellen-Familien, Geschäftsleute, Adelsfamilien, Profisportler und Politiker: Auch 2.106 Personen aus Deutschland gehören zu den Kunden. Bei vielen von ihnen gebe es starke Hinweise darauf, dass die deutschen Finanzbehörden die Konten nicht kennen. So hat etwa ein Spitzenmanager 2005 viel Bargeld aus der Genfer Filiale abgeholt und bestimmt, dass seine Post nicht nach Deutschland versandt wird.

Die geheimen Daten stammen von dem ehemaligen HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani, der sich mit diesen 2008 nach Frankreich absetzte, wo er heute unter Polizeischutz lebt. Insgesamt umfasst das Material Dokumente der Genfer HSBC-Filiale aus 19 Jahren (1988 bis 2007) zu etwa 100.000 Kunden aus, die rund 75 Milliarden Euro bei der Bank angelegt hatten. Die dabei enthaltenen internen Protokolle von Kundengesprächen zeigen, dass die Bank ihre Kunden beraten hat, ihr Geld vor den Finanzbehörden zu verheimlichen und Geldanlagen zu verschleiern, so der Bericht der Recherche-Gruppe.

Aufgrund dieser Informationen wurden Hunderte Steuerbetrüger enttarnt. Profitiert davon haben die Steuerbehörden von zwölf Ländern, darunter auch Deutschland. Sie hätten bereits mehr als eine Milliarde Euro an Nachzahlungen und Strafgeldern eintreiben können.

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