Achim Küssner, Deutschland-Chef von Schroders „Finanzbranche muss die Regulierung als Chance begreifen“

Achim Küssner ist seit 2007 Deutschland-Chef der britischen Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders

Achim Küssner ist seit 2007 Deutschland-Chef der britischen Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders

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DER FONDS: Worauf führen Sie die Zuflüsse Ihres Hauses zurück?

Achim Küssner: Eine Besonderheit ist wohl, dass wir uns seit langer Zeit ausschließlich auf Vermögensverwaltung konzentrieren. Zudem sind wir unabhängig– und, auch wenn Schroders börsennotiert ist, ein familiengeführtes Unternehmen in der sechsten Generation. Gerade Letzteres halte ich für sehr wichtig, weil es die Philosophie des gesamten Unternehmens beeinflusst. Das heißt, bei uns geht es nicht um kurzfristigen Erfolg, sondern es geht darum, langfristig zu denken und zu handeln.

Und diese Sichtweise spiegelt sich auch im täglichen Geschäft wider?

Ja. Für die Fondsmanager gibt es zwar Richtlinien, an denen sie sich orientieren müssen, aber sonst handelt jeder Manager eigenverantwortlich und unabhängig. Es gibt also keine Hausmeinung, die für alle gilt. Grundsätzlich gelten wir aber als konservatives Haus. Das heißt, wir agieren bei allen Fonds und in der Vermögensverwaltung sehr risikobewusst. Wir haben zum Beispiel eine hauseigene Software, mit der wir messen können, wie sich die Korrelation von Risikoprämien verschiedener Anlageklassen in Stressszenarien verändern, und mit der wir messen können, wie sich das Risiko eines Portfolios verändert, wenn wir ein bestimmtes Wertpapier hinzufügen.

Konservativ wird allerdings oft mit langweilig oder rückwärtsgewandt gleichgesetzt ...

Bei uns bezieht sich konservativ nur auf den Umgang mit Risiken. Schroders gibt es bereits seit 210 Jahren, unser Haus hat in dieser ganzen Zeit auch schon viele Krisen und Veränderungen überstehen müssen. Aber das ist immer gelungen, und wie wir auch heute sehen, geht Schroders zum Teil sogar gestärkt daraus hervor. Einer der Gründe dafür ist natürlich der vorsichtige Umgang mit Risiken. Ein anderer ist, dass wir offen sind für Innovationen.

Zum Beispiel?

Mit vielen unserer Anlage- und Fondskonzepte waren wir früh am Markt. Wir waren einer der ersten Asset Manager in den Frontier-Märkten, und wir waren mit unseren Multi-Asset- oder Income-Fonds am Markt, bevor diese Produkte zu Trendthemen wurden. Ich gebe Ihnen ein aktuelles Beispiel: Wir haben jemanden eingestellt, der mit der Investmentbranche bislang nichts zu tun hatte, sondern zuvor bei einem Rennstall der Formel Eins tätig war. Er ist Spezialist für Big Data und in der Lage, aus großen Datenmengen die für den jeweiligen Nutzer wichtigen Informationen herauszufiltern und diese passend aufzubereiten. Wer heute die großen Datenmengen zu nutzen weiß, hat, und das zeigt sich auch in anderen Branchen, einen Vorsprung vor der Konkurrenz. Das erhoffen wir uns auch für unser Fondsmanagement.