Aktives Fondsmanagement Warum die Kennzahl Active Share so wichtig ist

Die vier Typen des aktiven Fondsmanagements (Quelle: Cremers / Petajisto (2009))

Die vier Typen des aktiven Fondsmanagements (Quelle: Cremers / Petajisto (2009))

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Die Marketing-Manager aller ETF-Anbieter dürften sich ins Fäustchen gelacht haben, als sie Warren Buffetts jüngsten Investmentbrief lasen. Der Altmeister des Value-Investings hatte in aller Öffentlichkeit erklärt, dass er die für seine zweite Frau Astrid Menks vorgesehene Erbschaft zu 90 Prozent in einem kostengünstigen Indexfonds auf den S&P 500 anlegen wird.

Für 10 Prozent kauft er kurzlaufende Anleihen. Garniert mit dem Hinweis, dass er davon ausgeht, den Großteil der aktiven Fondsmanager damit zu schlagen. Das saß.

Die Überlegung dahinter ist simpel. ETFs sind billiger als aktiv gemanagte Fonds. Da Letztere häufig sehr indexnah investieren, haben sie kaum eine Möglichkeit, nach Abzug der Gebühren besser als ihre Benchmark abzuschneiden. Und die Kosten sind kein kleiner Faktor.

Ein Rechenbeispiel: Legt man 10.000 Euro für 30 Jahre bei einer Rendite von 6 Prozent an und zahlt dafür ETF-übliche 0,25 Prozent, werden daraus rund 53.000 Euro. Bei einer jährlichen Gebühr von 1,5 Prozent sind es allerdings nur 37.000 Euro.

Ein Manager eines aktiv gemanagten Fonds muss also einen anderen Mehrwert leisten. Das kann die Outperformance sein oder das Erreichen der Benchmark-Rendite mit einem geringeren Risiko. An dieser Stelle soll es um den ersten Fall gehen.




Voraussetzung für eine Outperformance ist, dass der Manager mit seinem Portfolio vom Vergleichsindex abweicht. Die US-Forscher Antti Petajisto und Martijn Cremers veröffentlichten dazu 2009 eine Studie: „How Active Is Your Fund Manager? A New Measure That Predicts Performance“. Darin entwickeln sie die Kennzahl des Active Share.

Um sie zu berechnen, zerlegt man das Portfolio in eine passive Indexkomponente und einen aktiven, abweichenden Teil. Eben das Active Share. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Fondsmanager einen Titel um einen Prozentpunkt unter- oder übergewichtet.

Long-only-Produkte können ein Active Share von 0 bis 100 Prozent haben. Im ersten Fall ist ihr Portfolio identisch mit der Benchmark, im letzteren besteht es aus Benchmark-fremden Werten. „Selbst institutionellen Investoren ist diese Kennzahl nicht immer geläufig.

Für uns ist das Active Share jedoch mittlerweile sogar eine wichtigere Kenngröße fürs aktive Management als der Tracking Error“, sagt Bart Geukens, Manager des Petercam Equities European Small & Midcaps (WKN: 553477). Ähnlich sieht es Ann Steele, Managerin des Threadneedle Pan European Fund (926114): „Active Share ist eine unschätzbar wertvolle und vor allem harte Kennzahl.

Sie basiert nicht auf Annahmen und kann deswegen nicht lügen.“ Für ihre Studie untersuchten Cremers und Petajisto, wie sich 2.700 US-Aktienfonds im Zeitraum 1980 bis 2009 entwickelten. Dabei teilten sie die Produkte anhand der Kennzahlen Active Share und Tracking Error in fünf Kategorien ein (Grafik ganz oben).