Anleger im Wunderland Vorsicht vor der Grinsekatze Negativzins

Burkhard Wagner ist im Vorstand bei Partners Vermögensmanagement in München

Burkhard Wagner ist im Vorstand bei Partners Vermögensmanagement in München

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Ähnlich dem kleinen Mädchen Alice im 150 Jahre alten Kinderbuch-Klassiker geht es zur Zeit vielen Anlegern. Sie erleben an den Kapitalmärkten seltene, wundersame Dinge, die man sich manchmal nicht erklären kann. Selbst für alte und erfahrene Investmentprofis sind die aktuellen Rahmenbedingungen herausfordernd, seltsam, manchmal voller Irrsinn und eine zukünftige Entwicklung ist nur sehr schwer einzuschätzen.

Die Buchklassiker-Figuren wie die Grinsekatze, oder der verrückte Hutmacher, die Alice vor immer neue Herausforderungen stellen, haben an den Finanzmärkten allerdings andere Namen.

Hier heißen diese Negativzins, Deflationsgefahr, Währungskrieg, Geldschwemme und Bankenunion. Mit diesen Themen und vor allem mit dem Negativzins sollte man sich als Investor - und hier besonders der als konservativ bekannte deutsche Anleger - auseinandersetzen. Denn vor allem die klassischen Anlegerprodukte wie Festgeld, Sparbuch und Co. sind hiervon betroffen. Zeit ist Geld. Anleger sollten frühzeitig an Veränderungen ihrer Anlagepolitik gehen und ihre Liquiditätshaltung überdenken.

Am 5. Juni 2014 wurde Geschichte geschrieben: EZB-Chef Mario Draghi verkündete erstmals Negativzinsen für Bankeneinlagen und stellte den Geldwert auf den Kopf. Im September folgte eine erneute „Negativzinserhöhung“ um weitere 0,1 Prozent. Um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, wird bei der EZB laut über Anleihekaufprogramme nachgedacht.

Es werden Volumen von bis zu einer Billion Euro genannt. Der Liquiditäts-Tsunami läuft auf Hochtouren. Normalerweise wird derjenige belohnt, der sein Geld zusammenhält. Es vermehrt sich dank Zins und Zinseszins, gleichsam wie von selbst. In der neuen Welt des Schwundgeldes ist das anders. Anleger, die europäischen Staaten Geld leihen, akzeptieren bei einzelnen Laufzeiten vereinzelt Negativzinsen - sind also bereit, für die Bonität des jeweiligen Staates, Zinsen zu zahlen.

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Nominale Geldvernichtung


Quelle: VWD Group

Anfängliche Beteuerungen von Banken- offiziellen, wie zum Beispiel vom Sparkassenverband, Volks- und Raiffeisenbankverband und HVB-Chef Weimer, dass Privatkunden nicht mit Negativzins bestraft werden würden, verhallen zusehends. Die in Thüringen ansässige Skatbank teilte als erste deutsche Bank mit, vermögende Privatkunden mit größeren Einlagebeträgen mit Zinsen zu belasten. Das „Negativzins-Monster“ greift weiter um sich.