Auf dem Sprung zur Vermögensverwalter-Lizenz: „Es hakt oft an der fachlichen Eignung“

Susanne Beger, Hauck & Aufhäuser

Susanne Beger, Hauck & Aufhäuser

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DAS INVESTMENT.com: Wer kommt zu Ihnen auf dem Weg zur Bafin-Lizenz?

Susanne Berger
: In erster Linie Wealth Manager aus Banken, aber auch zunehmend Fondsmanager und der ein oder andere Vorstand einer Sparkasse. Die Existenzgründer sind meist zwischen 40 und 50 Jahre alt, privat gesettelt und möchten beruflich nochmals voll durchstarten. Ein häufiges Motiv ist „Ich bin ein guter Berater und möchte meinen Kunden mehr bieten, aber in meiner Organisation geht das nicht.“ Sie haben die Nase voll von Produktverkauf à la „Fonds des Monats“ und vorgegebenen Vertriebsquoten. Oft sind es auch ganze Beraterteams, die gemeinsam eine Vermögensverwalterlizenz anstreben.

DAS INVESTMENT.com: Wie prüfen Sie, ob die Interessenten sich eignen?

Berger
: Wir schauen uns das Gesamtpaket an, prüfen die fachliche und persönliche Eignung und durchleuchten Geschäftsidee sowie Businessplan. Beispielsweise fordert die BaFin nach Paragraf 32 KWG eine Straffreiheitserklärung, es dürfen keine Steuerdelikte vorliegen und der angehende Vermögensverwalter darf auch noch keine Insolvenz verschuldet haben. Aber daran scheitert es eher selten.

DAS INVESTMENT.com: Wenn es hakt, woran dann?

Berger: Oftmals an der fachlichen Eignung. Zugelassene Vermögensverwalter müssen mindestens drei Jahre in leitender Funktion bei einem lizenzierten Institut – in der Regel einer Bank – gearbeitet haben. Da kann es vorkommen, dass etwa der Leiter eines Emissionshauses diese Voraussetzung nicht erfüllt und daher durch das Raster fällt.

DAS INVESTMENT.com: Wie ist das bei Vertriebsgruppen?

Berger: Wir führen einen Stresstest durch und prüfen, ob die angehenden Gründer auch wirklich zueinanderpassen. Es ist ein Riesenunterscheid, ob man in einem Team kollegial innerhalb einer Hierarchie arbeitet oder selbstständig im eigenen Unternehmen als gleichberechtigte Partner agiert. Die unternehmerischen Fähigkeiten sind als Kernkompetenzen besonders gefragt.  Es reicht nicht, nur ein guter Kundenberater zu sein, künftig muss auch alles Organisatorische bewältigt werden. Sehr wichtig ist aber auch das familiäre Umfeld.

DAS INVESTMENT.com: Inwieweit spielt die Familie eine Rolle?

Berger: Die Ehepartner müssen wissen, was auf sie zukommt – schließlich arbeiten selbstständige Vermögensverwalter keinesfalls weniger als die Kollegen in der Bank und oft auch zu ungewöhnlichen Zeiten – dann nämlich, wenn die Kundenklientel auch Zeit hat. Das muss dem Umfeld klar sein. Wir raten dazu, dass sich die Familienmitglieder der Gründer kennenlernen sollten. An einer Existenzgründung hängt schließlich einiges dran, da sollten alle mit im Boot sein.

DAS INVESTMENT.com: Wissen denn die angehenden Existenzgründer, was im Zulassungsverfahren bei der Bafin auf sie zukommt?

Berger: Wir erleben es, dass sich Berater dezidiert mit umfangreichen Fragelisten vorbereiten. Es kommt aber auch vor, dass sie zu Beginn regelrecht erschlagen sind. Im Prinzip finden Change-Management-Prozesse statt: Zuerst der Frust über die Limitierung im alten Job, dann Erstaunen über den hohen administrativen Aufwand und die Verpflichtungen eines Vermögensverwalters. Und schließlich eine Phase der Verarbeitung. Wir raten in jedem Fall ab, wenn wir glauben, das Konzept ist nicht ausgereift oder die Partnerschaft passt nicht.

DAS INVESTMENT.com: Was sind denn häufige Irrtümer?