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22.09.2009 08:00
Rubrik: Berater

Bloggende Berater - Finanzvertriebe im Tagebuchfieber

Quelle: Fotolia

Die Blogs von DVAG und AWD sollen Einblicke ins Innenleben der Vertriebe geben. Doch die Weblogs liefern meist nur die üblichen Chancen auf Traumkarrieren.

Die US-Rockröhre Pink in schwarzer Spitzenunterwäsche, der Hamburger Schlagermove und die rauschende Geburtstagssause von Carsten Maschmeyer mit 9.000 Gästen spielen offenbar eine Rolle für eine Karriere beim AWD. Das jedenfalls legen entsprechende Einträge im „Karriereblog“ des Hannoveraner Finanzvertriebs nah, der sonst vor allem die Vorzüge einer Karriere als Finanzberater herausstellt. Über „zwei Erfolgsgeschichten von AWD“, Karrierechancen für Quereinsteiger („Vom Schornsteinfeger zum Seniordirektor – bei AWD ist vieles möglich“) und dergleichen mehr bloggen seit Mitte 2008 gleich sieben Mitarbeiter.

Seit jüngstem füllen AWD-Angestellte ein zweites Online-Tagebuch, das „Einblicke in das Leben bei und mit AWD gewähren“ soll. IT-Mitarbeiter Marc Hinz beschreibt einen Tag am „User Help Desk“: „Rechner hochfahren, Headset aufsetzen und den ersten Handelsvertreter aus der Warteschlange fischen“, AWD-Frau Heidi Wetzel gibt Stiltipps: „Durchaus farbenfroh kann es bei der Wahl der Krawatte zugehen“ – und die Praktikantin darf auch noch etwas schreiben.

Branche im Kulturwandel

Über das, was AWD-Berater mehr beschäftigen dürfte – die jüngste Niederlage gegen den Branchenkonkurrenten DVAG um Werbebotschaften vor Gericht, die zur Tilgung des Begriffs „unabhängig“ in sämtlichen Unternehmensmaterialien führte –, dagegen kein Wort im Blog. „Das wird wohl noch kommen“, so der selbst bloggende AWD-Pressesprecher Stefan Suska. Man befinde sich in einem Kulturwandel und werde schrittweise offener und öffentlicher.

Für Helge Lach zählt die AWD-Niederlage längst zu den Lieblingsthemen. Der Marketingdirektor und bislang einzige Blogger bei der DVAG will „aus erster Hand über unser Unternehmen berichten und über aktuelle Themen diskutieren“. Lach schreibt zwar: „Es geht nicht darum, dass zwei Finanzvertriebe persönliche Fehden austragen.“ Aber eine nicht ganz objektive Sicht auf den Konkurrenten lässt er sich dennoch nicht nehmen: „Vertrieb braucht ,Laufruhe’, um zu funktionieren. Da erstaunt es nicht, dass es beim AWD seit Jahren abwärts geht.“

Von: Oliver Lepold

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Helge Dr. Lach, 22-09-09 09:37:
Sehr geehrter Herr Lepold,

ich freue mich, dass Sie unsere Blog-Aktivitäten entdeckt und darüber berichtet haben.

Zu Ihrem Bericht einige Anmerkungen.

Es ist nicht unser Anliegen, die Beiträge in unserem Blog "amüsant" zu gestalten. Wir amüsieren uns an anderer Stelle, dort wo es angemessen ist.

Falsch ist Ihre These, dass unser Blog nicht interessant ist. Tagtäglich verzeichnen wir über 2.000 Zugriffe, Tendenz steigend.

Im Rahmen Ihrer Bewertungen des Handelsvertreter-Blogs ist Ihnen die wichtigste Information entgangen: Dieser Blog hat nur einen Zweck: Die Gewinnung von Mandanten im Sinne ausgeschiedener Berater von Finanzvertrieben, die der Betreiber des Blogs dann juristisch gegen den Finanzvertrieb vertreten will.

Richtig weisen Sie darauf hin, dass dieser "Blog" keine Kommentarfunktion hat. Dies zeigt, dass es sich nicht um einen Blog, sondern um eine Marketing-Website handelt.
Günter Grummelmann, 22-09-09 17:55:
Hallo Herr Leopold,

Recht hat er schon, der Dr. Lach. Ich habe mir mal alle Blogs angesehen. Am lustigsten war der von dem Rechtsanwalt. Anscheinend hat dieser wohl ein sonniges Gemüt und wenig Mandaten. Auch wie eine "Honorarberatung" vor sich gehen soll, ist und bleibt mir schleierhaft. Interesant zu beobachten ist, dass anscheinend einige Makler, Berater, Rechtsanwälte und Ex-wasweisichwas im Fahrwasser der großen Vertriebe versuchen sich zu ernähren oder zu profilieren. Das jemand wie dieser Herr Behrens einen Blog schaltet und keine Kommentare zuläßt ist meines Erachtens genau der Hohn den er in seinen Seiten vebreitet. Von daher nochmals; Recht hat er der Dr. Lach!
Wolfgang Reinhardt, 22-09-09 22:07:
Süffisant? Amüsant? Ich beobachte den Handelsvertreterblog nun ca 4 Monate, anfänglich mit der Motivation, tatsächlich Tipps zu bekommen. Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass es darum nur am Rande geht. In erster Linie wird eine relativ dümmliche Hetze gegen Finanzdienstleistungsvertriebe betrieben, die ich von einem Rechtsanwalt in so einer einfältigen Form nie erwartet hätte. Hinzu kommen eigenartige Interpretationen über unternehmensinterne Vorgänge sowie sogar Beleidigungen gegen Mitglieder eines gesamten Berufstandes. Daher wundert es mich schon, dass dieser so genannte Blog hier so einen support erhält. Kritische Auseinandersetzung ist jederzeit erwünscht, aber Hetze auf Stammtisch-Niveau, mit beleidigenden Sequenzen? Ist so etwas amüsant? Herr Lepold, ich würde mir den Blog noch einmal genau anschauen. Beste Grüße aus Berlin.
Rebecca Meier, 23-09-09 08:18:
Interessanter Beitrag! Ich kenne mehrere Fälle, in dem der zitierte Anwalt Kai Behrens Mandanten gegenüber der DVAG vertreten hat und mit Pauken und Trompeten unterlag.

Herr Behrens geht wohl eindeutig mit seiner Seite auf Kunden- und Mandantenfang; Selbst wenn einiges davon wahr sein sollte, scheint er sehr viel Zeit für seine Beiträge zu haben. Kein gutes Zeichen für einen Anwalt, wenn er erstens soviel Freizeit hat und zweitens seine Mandanten über Google-Werbung zu gewinnen sucht.
H.-D. Finke, 23-09-09 20:14:
Die Frage ist, ob Blogs aus der Finanz- und Versicherungsbranche überhaupt amüsant sein können (oder sollen). Weder die Produkte noch die Akteure haben den Auftrag, Menschen zu amüsieren – sondern um sie in erster Linie abzusichern und in zweiter Linie um ihnen erfolgreiche Spar- und Anlageformen aufzuzeigen.

Aus einer anderen Richtung weht der Wind bei Blogs nach dem Muster „Handelsvertreter / Kai Behrens“. Um was es hier geht, wird
mir schnell klar. Kommentarfunktion? Fehlanzeige. Meinungen sind also nicht erwünscht. Vielmehr segelt hier unter der so angesagten „Blogger-Flagge“ eine Plattform voll von einseitiger, zum Teil ätzender Kritik. Wer soll sich davon angesprochen fühlen? Etwa unzufriedene Handelsvertreter? Ich würde Anwälten, die in diesem Stil für sich und ihre Thesen werben (selbst wenn sie wahr sind..!), sicher kein Mandat erteilen.

Und für alle zusammen gilt - Propaganda, die die Welt nicht braucht.
Felix Hannemann, 24-09-09 10:32:
Vielen Dank für Ihr Feedback! Herr Lepold kommt am Mittwoch aus dem Urlaub zurück und wird dann gerne in die Diskussion einsteigen.

Ein Kollege aus der Redaktion
Wolfgang Reinhardt, 24-09-09 11:03:
Da bin ich sehr gespannt!
Henrike Growald, 25-09-09 10:26:
Sehr geehrter Herr Leopold,

zunächst möchte ich mich zu erkennen geben: Mein Schwiegersohn ist seit 7 Jahren AWD-Berater und hat sich dort sehr erfolgreich eine neue berufliche Heimat aufgebaut.

Ich finde, ein neutraler Journalist sollte, bevor er Artikel veröffentlicht, gründlich recherchieren. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, finde aber Ihren Artikel sehr tendenziös und schlecht recherchiert.

Wenn Sie gründlich recherchiert hätten, wären Sie auf folgendes gestoßen:

1. Mein Anruf in den Pressestellen der von Ihnen genannten Finanzvertriebe hat ergeben, dass der von Ihnen offensichtlich sehr geschätzte Herr Behrens gut bekannt ist. Regelmäßig tritt er dort als gegnerischer Anwalt auf, wobei er tatsächlich fast jedes Verfahren verliert. Sie machen sich so zum Werbeträger eines Anwaltes, der von seinem Fach nichts versteht. Mir tun die armen Berater leid, die sich gutgläubig und von Ihnen motiviert ratsuchend an einen solchen Anwalt wenden. Denn dessen Honorar wird ja auch bei Mißerfolg fällig. Es zahlt der Berater.

2. Weiterhin hätten Sie im Rahmen Ihrer Recherchen entdeckt, dass der so ehrenwerte Anwalt vor gar nicht allzu langer Zeit erfolgloser Anwalt für Pferderecht war. Es erstaunt nun nicht mehr, dass mit diesem fachlichen Hintergrund die rechtliche Vertretung von Finanzberatern nicht funktionieren kann. Denn Finanzberater sind halt keine Pferde...

3. Mit meinem Schwiegersohn habe ich mir mal die Blogs der Konkurrenz angesehen. Die DVAG macht natürlich viel Eigenwerbung (alles andere hätte mich erstaunt....), ich muss aber sagen, dass der eine oder andere Kommentar zur Branche selbst für uns interessant war.

4. Eine journalistisch ehrliche Bewertung des von Ihnen gelobten Handelsvertreterblogs hätte meines Erachtens zum Ergebnis kommen müssen, dass dort auf ganz bescheidenem intellektuellem Niveau "gegackert" wird. Tut mir Leid: Da ist das Niveau der anderen Blogs (leider v.a. DVAG) um Klassen höher.

5. Schaut man unter WIKIPEDIA nach, was einen BLOG ausmacht, wird dort darauf hingewiesen, dass üblicherweise eine Kommentarfunktion eingebaut ist. Alle Finanzvertriebe lassen solche Kommentare zu und stellen sich kritischen Anmerkungen. Schaue ich mir die Minimalqualität der Beiträge von Herrn Behrens an, erstaunt nicht, dass dieser keine Kommentare zuläßt. Denn diese würden ja offenbaren, aus welchem Fachgebiet Herr Behrens kommt und wie wenig Aussicht auf Erfolg man hat, wenn man sich in seine Fänge begibt.

Da ich bisher ganz gerne bei DASINVESTMENT.com vorbeischaue, würde ich mir für die Zukunft wieder besser recherchierte und etwas ausgewogenere Berichterstattung wünschen.

Vielen Dank.

MfG HG
Peter , 26-09-09 10:35:
Ich finde es klasse, dass sich hier Finanzdienstleister zum ersten Mal für das Web 2.0 öffnen und so Interessierten und Kunden eine ganz neue Form der Kommunikation ermöglichen.

Wie oft habe ich mich schon über Großunternehmen und deren Anonymität geärgert.

Dass Unternehmen dabei auch Werbung für sich machen, ist m.E. doch nur logisch.

Trotzdem - die Vorteile überwiegen. Ich erhalte Einsichten in die "Denke" der Unternehmen und kann ggf. auch Kontakt aufnehmen. Hat das Ihr Autor schon mal ausprobiert? Würde gerne wissen, ob und wie darauf reagiert wird.
Robert Hombach, 26-09-09 15:43:
Interessante Beiträge!
Ich dachte immer, Anwälte dürfen so wie Ärzte nur sehr zurückhaltend Werbung machen. Wenn man sich so den erwähnten Handelsvertreterblog ansieht, ist das Mandantenfischerei hoch zehn auf Kosten anderer! Mal sehen, was die Anwaltskammern und berufsständischen Vereinigungen der Anwälte zu diesem schwarzen Schaf sagen. Mich wundert, dass hier dieses Niveau auch noch gelobt wird (Herr Leopold?)

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