Capital Group zu Tokio 2020 Japanische Aktien und der Olympia-Effekt

Bau des neuen Nationalstadions in Tokio: Die Olympiade 2020 wird Baubranche und Tourismus ankurbeln | © Getty Images

Bau des neuen Nationalstadions in Tokio: Die Olympiade 2020 wird Baubranche und Tourismus ankurbeln Foto: Getty Images

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Bis zu den Olympischen Spielen in Tokio dauert es noch zwei Jahre, aber schon jetzt finden sie viel Aufmerksamkeit. Das überrascht nicht. Als Japan 1964 letztmals die Sommerspiele veranstaltete, waren dies nicht nur die ersten in Asien. Tokio 1964 markierte auch das Ende der Nachkriegszeit und die Rückkehr Japans als Wirtschaftsmacht. Wird Tokio 2020 Japans Schicksal erneut wenden?

Premierminister Shinzō Abe hofft darauf. „Ich möchte, dass mit den Olympischen Spielen 15 Jahre Deflation und wirtschaftlicher Niedergang passé sind“, kommentierte er den Zuschlag für Tokio. Manche Beobachter gehen sogar so weit, dass sie die Spiele als „vierten Pfeil“ der Abenomics bezeichnen, neben geldpolitischer Lockerung, expansiver Fiskalpolitik und Strukturreformen. Tatsächlich könnten die Olympischen Spiele 2020 der japanischen Wirtschaft vorübergehend Auftrieb geben. Nach Einschätzung der Bank of Japan ist dies auf zweierlei Weise möglich: durch höhere Infrastrukturausgaben vor den Spielen und durch mehr Tourismus.

Steigerung des BIP durch Bauinvestitionen und Tourismus

Man erwartet, dass die Spiele Bauinvestitionen in Höhe von etwa 8 bis 10 Billionen Yen, umgerechnet rund 80 Milliarden Euro, auslösen durch den Neubau und die Renovierung von Stadien, Athletendörfern, Hotels und Verkehrsinfrastruktur. Die Projekte laufen schon lange; die Ausgaben dürften 2018 ihren Höhepunkt erreichen. Die Notenbank schätzt, dass das BIP bis 2018/19 dadurch um jährlich 0,4 Prozent bis 0,6 Prozent steigen kann. Allerdings könnte der olympische Bauboom nach den Spielen schnell zu Ende sein.

Zum Vergleich: Der Tourismus, der schon jetzt das Wachstum entscheidend voranbringt, kann langfristiger wirken. Durch die Spiele könnte er weiteren Auftrieb bekommen. Die Regierung Abe und der Bürgermeister von Tokio haben viel getan, damit sich ausländische Touristen wohler fühlen: So gibt es jetzt eine bessere Netzabdeckung und öffentliche Verkehrsmittel, mehr englischsprachige Schilder und regionale Projekte, damit mehr Touristen neue Ziele entdecken. Durch diese Maßnahmen soll die Zahl ausländischer Besucher von 28,7 Millionen im Jahr 2017 auf 40 Millionen im Jahr 2020 und 60 Millionen im Jahr 2030 steigen. Kontinuierlich steigende Ausgaben ausländischer Touristen könnten das japanische Wirtschaftswachstum nachhaltiger machen. Dennoch ist es oft schwierig, die direkten und indirekten Profiteure zu ermitteln, da der Tourismus zahlreiche Branchen in unterschiedlicher Weise betrifft.

Der Beschäftigungszuwachs dürfte alle Sektoren betreffen. Der Löwenanteil wird dank des Multiplikatoreffekts aber wohl auf den Groß- und Einzelhandel entfallen. In Japan, wo die Reflation allmählich zu Ende gehen dürfte, könnte er helfen, den Binnenkonsum zu stärken und die Verbraucherpreise steigen zu lassen. Längerfristig werden Abes Arbeitsmarktreformen aber ebenso wichtig sein. Zu ihnen zählen höhere Löhne und Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung.