Chinas Börsen: Der Zusammenhang zwischen Börsengängen und der Entwicklung des Marktes

Mark Mobius

Mark Mobius

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Nach einer Flut von Börsengängen in den letzten Jahren herrscht auf dem chinesischen Markt für A-Aktien seit Ende letzten Jahres in Hinsicht auf Börsengänge Ebbe. Es gibt zwar Spekulationen, dass die chinesische Börsenaufsicht China Securities Regulatory Commission (CSRC) einige Börsengänge zulassen wird, die noch dieses Jahr in den Markt rieseln würden.
Doch wir wissen noch nicht genau wann und in welchem Umfang. Ich habe meinen Kollegen Eddie Chow eingeladen, seine Ansicht,  warum Börsengänge in Chinas lokalem Markt zum Stillstand gekommen sind und wo wir im aktuellen Klima Chancen sehen, mit uns zu teilen.

Im vergangenen Jahr war die Entwicklung des chinesischen Markts für A-Aktien für viele Anleger ziemlich enttäuschend. Wir finden den Markt aber trotzdem immer noch attraktiv und sind der Ansicht, es gibt gute Gründe optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wir haben in den letzten Jahren eine Überfülle von Börsengängen in den lokalen Schanghai und Shenzhen (A-Aktien) Märkten erlebt. Wahrscheinlich hat dies zu der schwachen Performance auf den Zweitmärkten während dieses Zeitraums beigetragen.

Im A-Aktien-Markt nahmen Börsengänge 2012 103,4 Milliarden Renminbi auf, 2011  282,4 Milliarden Renminbi und 2010 491,1 Milliarden Renminbi. Dies in einen Gesamtzusammenhang gesetzt ergibt: Die Gesamtmarktkapitalisierung im Markt für A-Aktien lag 2012 bei 22.877 Billionen Renminbi, 2011 bei 21.330 Billionen Renminbi und 2010 bei 26.322 Billionen Renminbi.

Einige dieser Börsengänge wurden nicht so geprüft und untersucht, wie dies vielleicht nötig gewesen wäre. Gegen Ende letzten Jahres schritt dann die chinesische Börsenaufsicht CSRC ein und setzte Neuemissionen ein vorläufiges Ende.

Alle Kandidaten für Börsengänge und deren Emissionshäuser wurden aufgefordert, eine Selbstprüfung durchzuführen und ihre Finanzberichte für 2012 neu einzureichen. Die CSRC verstärkte auch ihre Maßnahmen zur Betrugsvorbeugung und kündigte stichprobenartige Revisionen an, die immer noch laufen. Viele Kandidaten für einen Börsengang entschieden sich daraufhin ihre Anträge zurückzuziehen beziehungsweise auszusetzen.

Generell sind wir der Ansicht, dass die Bestrebungen der CSRC in die richtige Richtung gehen. Die jüngste Kampagne zielt darauf ab, dass IPO-Unternehmen bei der Veröffentlichung ihrer Informationen präziser vorgehen, damit Anleger ein vollständiges Bild von dem Unternehmen erhalten. Die Behörden nehmen viele Investmentbanken und sogar Wirtschaftsprüfer für die Genauigkeit und Beurteilung der Qualität und der Fundamentaldaten der Unternehmen persönlich in die Verantwortung.

Dies fokussiert auf das Bestreben, bei Antragstellern hohe Qualität und gute Unternehmensstruktur zu gewährleisten. Die CSRC hat auch eine Reihe neuer Regelungen für ein Börsen-Delisting erlassen. Wir sehen dies als positiv an, entscheidend ist aber, wie es umgesetzt wird.

Im Zuge dieser Kampagne werden wir unserer Ansicht nach wahrscheinlich noch einige anhängige IPO-Kandidaten erleben, die es sich anders überlegen. Die CSRC hat mitgeteilt, dass sie zum 31. März Selbstprüfungsberichte von 610 Unternehmen erhalten hat. 107 Unternehmen hatten als Folge ihres Versäumnisses, die Selbstprüfung durchzuführen Anträge auf Aussetzung ihrer Börsenbestrebungen gestellt. 162 Unternehmen stellten Anträge auf Abbruch ihrer Vorhaben.

Um diese Zahlen in einen Gesamtzusammenhang zu setzen: Ende 2012 gab es laut CSRC im chinesischen Wertpapiermarkt 2.492 im Inland börsennotierte Unternehmen. Die CSRC steht wegen der vielen Unternehmen auf der Warteliste ziemlich unter Druck. Dabei möchte sie sicherstellen, dass die Prüfung der Kandidaten ordentlich durchgeführt wird. Das wird nicht einfach und erfordert viele Ressourcen.

Die Staatsbetriebe verfügen im Allgemeinen über gute Unterlagen. Es dürfte daher für Wirtschaftsprüfer und Emissionshäuser möglicherweise leichter sein, diese zu bewerten und zu genehmigen als andere Unternehmen. Der CSRC Prozess könnte also zu einer Neigung des Marktes in Richtung Staatsbetriebe führen.