„Die Erholung in Polen könnte schneller kommen als erwartet“

Susanne Woda

Susanne Woda

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Erstmals seit 2009 könnte Polens Wachstum in 2013 wieder unter die 2-Prozent-Marke rutschen. Gesunkene Bruttoanlageinvestitionen, gestiegene Arbeitslosenzahlen und niedriges Konsumentenvertrauen deuten darauf hin. Damit liegt Polen im EU-Vergleich immer noch auf den vorderen Plätzen. Gleichzeitig schätzen Analysten, dass das osteuropäische Land 2014 wieder mit BIP-Raten von über zwei Prozent aufwartet. Polen ist langfristig ein attraktiver Wirtschaftsstandort und steht auch in punkto Verschuldung gut da. Das gibt dem Staat falls nötig Spielraum zur Stimulierung der Wirtschaft, der anderen europäischen Ländern fehlt.

Für das Jahr 2012 werden wohl nur knapp 2 Prozent Wirtschaftswachstum in den Büchern stehen, und 2013 könnte die polnische Wirtschaftsleistung noch einmal schwächer ausfallen. Doch berücksichtigt man, dass das Land selbst während der Finanzkrise keinen Wachstumsrückgang hinnehmen musste, erscheinen diese Zahlen in einem anderen Licht. Die Wirtschaftsleistung befindet sich hier auf einem höheren Ausgangsniveau, als das der europäischen Nachbarländer.

Belastend wirkt aktuell, dass die Regierung eine keynesianisch geprägte Haushaltspolitik verfolgt und eine Haushaltskonsolidierung anstrebt. Das Haushaltsdefizit soll unter 3 Prozent und die Staatsverschuldung unter 50 Prozent der Wirtschaftsleistung gesenkt werden. Damit sind in den letzten Monaten Staatsinvestitionen weggefallen, die das Wirtschaftswachstum hätten ankurbeln können.

Die gute Nachricht: Polen steht schuldentechnisch hervorragend da, denn die Finanzkrise hat den Bankensektor verschont. Zwar ist die Staatsschuldenquote seit 2008 von 47 auf 55 Prozent der Wirtschaftsleistung angestiegen, damit steht das Land im europäischen Vergleich jedoch bestens da. Selbst Musterknabe Deutschland verblasst dagegen mit einer Schuldenquote von knapp 82 Prozent. Die polnische Regierung hätte also genug Spielraum, das Wirtschaftswachstum durch staatliche Investitionen anzukurbeln.