Die große Robo-Advisor-Interview-Reihe „Wir finden den Bafin-Ansatz sehr vernünftig“

Christian Schneider-Sickert, Mitgründer von Liqid

Christian Schneider-Sickert, Mitgründer von Liqid

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DAS INVESTMENT.com: Was sehen Sie im Vergleich zum klassischen Finanzberater als Ihr größeres Asset an: Ihren Online-Vertriebsweg, der Ihnen enormes Kundenpotenzial bietet, oder Ihre skalierbaren Portfolio-Management-Lösungen, die Ihren Kunden attraktive, maßgeschneiderte Rendite-Risiko-Profile bietet?

Christian Schneider-Sickert: Sowohl der digitale Vertriebsweg, als auch die skalierbaren Portfolio- und Risiko-Management-Lösungen sind natürlich wichtig. Allerdings vergessen Sie weitere Faktoren, die den digitalen Vermögensverwaltern und Robo-Advisors meines Erachtens einen strukturellen Vorteil gegenüber traditionellen Anbietern bieten: Hierzu würde ich zum Beispiel hocheffiziente Back-Office Prozesse, moderne Technologien anstelle von Legacy-Systemen und einen Mangel an Interessens- bzw. Kanalkonflikten zählen.

In Deutschland gibt es aktuell ein gutes Dutzend unabhängige Robo-Advisor. Mit denen der Banken sollen es 30 bis 40 sein. Wie viele werden in den kommenden Jahren dazukommen?

Zunächst tue ich mich mit Ihrer Frage etwas schwer – denn unter dem Begriff „Robo-Advice“ werden gerade in der Presse gerne die unterschiedlichsten Geschäftskonzepte in einen Topf geworfen. Dies verwirrt aus meiner Sicht mehr, als dass es hilft. 

Natürlich gibt es bereits eine Vielzahl von Jungunternehmen, die sich auf das Thema private Geldanlage fokussieren, und zukünftig werden sicher noch weitere hinzukommen. Nicht alle werden überleben, aber ich halte das aktuelle Wachstum für absolut unbedenklich, denn wir sprechen hier von einem sehr großen Markt, der auch offline äußerst fragmentiert ist und außerdem aus Kundensicht dringend einer Revolution bedarf. 

Robo-Advisor sind noch eine krasse Nische: Selbst die größten Robo-Advisor verwalten nicht einmal 50 Millionen Euro. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman schätzt die verwalteten Vermögen aller unabhängigen Robo-Advisor hierzulande auf rund 100 Millionen Euro. Auf der anderen Seite sagen Experten Ihrer Branche ein exponentielles Wachstum voraus. Schauen Sie mal in Ihre Glaskugel? Wann wird der erste deutsche unabhängige Robo-Advisor die Eine-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten?

Die Oliver Wyman-Zahlen kann ich nicht nachvollziehen. Sie sind fairerweise aber, glaube ich, schon etwas veraltet. Ich wäre nicht überrascht, wenn der erste unabhängige Robo-Advisor oder digitale Vermögensverwalter die eine-Milliarde-Euro-Grenze in 2018 erreicht. Das ist zwar absolut ein hoher Betrag –im Vergleich mit der offline-Welt aber immer noch nicht wirklich signifikant. Offline gibt es zahlreiche Vermögensverwalter mit einem derartigen Anlagevolumen, von denen der durchschnittliche Kunde noch nie etwas gehört hat.

Sprechen wir hier von Ihrem Unternehmen?

Das fragen Sie mich gerne im Sommer 2018.