Dividendenaktien Vier Fragen als Kompass – so testen Profis Aktien

Daniel Roberts, Manager des Fidelity Global Dividend Fund

Daniel Roberts, Manager des Fidelity Global Dividend Fund

Hop oder top?


Wer sich in Niedrigzinszeiten von seiner Geldanlage regelmäßige Erträge wünscht, kommt an Dividendenaktien kaum vorbei. Doch gerade weil sich Dividendenpapiere aktuell großer Beliebtheit erfreuen und Substanzaktien zuletzt eine Hausse erlebt haben, ist es nicht leicht, noch preiswerte Titel zu finden. Für den Fidelity Global Dividend Fund stützen wir uns auf ein striktes Auswahlverfahren und eine gründliche Fundamentalanalyse. Auf eine einfache Formel gebracht, stellen wir folgende vier Fragen an Aktien, bevor wir sie in die engere Wahl für den Fonds nehmen. Wie anspruchsvoll diese Fragen beziehungsweise die damit verbundenen Kriterien sind, lässt sich an einer simplen Tatsache ablesen: Wir schöpfen aus einem Pool von 2.500 Unternehmensaktien**, haben aber aktuell nur 57 Aktien im Portfolio. Das heißt: Gerade einmal drei Prozent der Papiere bestehen unseren Vier-Fragen-Test.

1. Frage: Stimmt die Qualität?

Als erstes schauen wir uns an, wie hoch der Substanzwert des Unternehmens ist. Qualitätstitel fußen nach unserem Verständnis meist auf einem einfachen, verständlichen Geschäftsmodell. Zusätzlich verfügt das Unternehmen über einen stetigen und planbaren Geldfluss und verfügt über solide Finanzen – erkennbar etwa an einer aussagekräftigen und transparenten Bilanz. Konkret bedeutet das, dass die Marge auskömmlich ist und vor allem langfristig stabil und dass die Verschuldung sowie der Kapitalbedarf überschaubar sind. Aktuell finden wir solche Unternehmen etwa in der Konsumgüterindustrie, wo die Profitabilität weniger angespannt ist als in anderen Branchen. Wir schauen uns genau an, wie ein Unternehmen in seinem Markt positioniert ist. Wie laufen die Geschäfte aktuell, und wie sind die Aussichten für die nächsten Jahre? Umgekehrt gilt: Sind die Margen unter Druck, die finanzielle Situation angespannt, oder herrscht immanenter Druck von Wettbewerbern, dann stimmt die Qualität wahrscheinlich (noch) nicht.

2. Frage: Sind die Erträge gesund?

Hohe Dividenden sind schön und gut, aber sie dürfen nicht auf Kosten des Gewinns gehen, denn dann können die Erträge nicht nachhaltig sein. Nichtsdestotrotz locken nicht wenige Unternehmen Anleger, indem sie für eine gewisse Zeit hohe Dividenden zahlen. Zuletzt sind Dividenden zu einem beliebten Ersatz für Anleihezinsen avanciert – wohl auch deshalb ist der Anteil der Dividenden an der Gesamtrendite sogar stärker gestiegen als die Unternehmensgewinne, wie die Analyse des MSCI ACWI Total Return Index zeigt. Man könnte auch sagen: Viele Unternehmen haben über ihre Verhältnisse ausgeschüttet. Das ist genau das, was wir nicht wollen. Wir suchen nach Unternehmen, die kontinuierlich und über einen langen Zeitraum Dividenden zahlen. Und nicht nur das: Die Firmen sollen auch in der Lage sein, ihre Dividendenzahlungen stetig zu steigern.

3. Frage: Passt der Preis?

Als nächstes richten wir den Blick auf die Bewertung der Aktien. Sie müssen aus unserer Sicht unterbewertet sein. Was bedeutet das? Zum Beispiel kann es sein, dass der Kurs eines Unternehmens im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen niedrig liegt, weil gerade Aktien aus einer bestimmten Region gefragt sind. Zuletzt liefen Unternehmen aus Europa und Japan tendenziell schlechter als US-Unternehmen, unabhängig davon, wie gut sie fundamental dastanden. Eine attraktive Bewertung – also ein Aktienkurs, der niedriger liegt, als fundamental gerechtfertigt wäre – ist ein wichtiger Teil des Risikopuffers, vor allem bei Kursschwankungen oder auch bei Seitwärtsbewegungen des Gesamtmarktes. In Zeiten niedriger Zinsen oder bei der nun wieder anziehenden Inflation ist die Kombination aus attraktivem Einstandspreis und regelmäßigen Ausschüttungen zudem ein regelrechtes Bollwerk fürs Portfolio und hilft, das angelegte Kapital zu erhalten.

4. Frage: Bringt die Aktie mich weiter?

Das ist die Summe der drei vorangegangenen Fragen: Welchen positiven Beitrag würde dieser Titel zum Portfolio leisten? Damit ist gemeint, inwiefern die Entwicklung einer Aktie den Wert des gesamten Portfolios zu beeinflussen vermag. Natürlich kann niemand in die Zukunft blicken, aber sofern die fundamentale Qualität eines Unternehmens stimmt, die Bewertung attraktiv ist und die Dividenden nachhaltig steigen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine Aktie den Wert des Fonds in der Summe erhöhen wird. Seit der Auflegung des Fidelity Global Dividend Fund am 30. Januar 2012 hatten wir insgesamt 125 verschiedene Titel im Portfolio (Stand: 31. Dezember 2016). 51 Aktien steigerten den Wert des Fonds um mehr als 20 Basispunkte, 21 Aktien lagen im Bereich von bis zu 20 Basispunkten Wertzuwachs. Damit haben fast 58 Prozent einen positiven Beitrag zur Wertentwicklung geleistet***. Das Fazit: Unser Analyseansatz und die damit verbundene strenge Auswahl der Titel funktioniert.

* vollständiger Fondsname: Fidelity Funds - Global Dividend Fund A-QINCOME(G)-Euro; ISIN: LU0731782404
** MSCI All Countries World Index, Stand: 31.01.2017
*** Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Indikatoren für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert.