Ebase-Chef zum Fondsberater-Markt im September 2016 „Die ETF-Käufe lagen in Summe um 123 Prozent über den Verkäufen“

Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung der B2B-Direktbank Ebase

Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung der B2B-Direktbank Ebase

1. Herr Geyer, welche Entwicklungen aus Ihrer September-Depotanalyse haben Sie am meisten überrascht?

Rudolf Geyer: Die größte Überraschung war sicherlich, dass sich bei den mit ebase kooperierenden Fondsberatern die schwachen Handelsaktivitäten aus dem zweiten Quartal 2016 auch im dritten Quartal fortgesetzt haben. Bislang konnten wir im Anschluss an die Sommerferien meist eine Belebung des Geschäfts verzeichnen. Und als weitere Überraschung wirkte sich dies auch auf das ETF-Geschäft aus, das im August und September ebenfalls nachgelassen hat und deutlich unter Vorjahresniveau lag.

2. Die Handelsaktivitäten der Fondsberater sind in den meisten Kategorien leicht gesunken. Wie interpretieren Sie diese Passivität und was sind die Hauptgründe dafür?  

Die Wahrnehmung ist gespalten, so deutlich habe ich es selten erlebt. Auf der einen Seite zeigen die meisten Aktienmärkte in diesem Jahr sehr gute Zuwächse, was zu einer positiven Marktstimmung führen sollte. Auf der anderen Seite gibt es dennoch viele Gründe, abzuwarten und geplante Fondsinvestments zurückzustellen. Sowohl die fehlenden Anleiherenditen als auch die Ungewissheit über die künftige Zinspolitik der Notenbanken oder aber der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA sorgen für Verunsicherungen bei den Anlegern. All diese Punkte haben Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die derzeit jedoch nur schwer einschätzbar sind.

3. Dennoch haben die Berater im September in Summe mehr Fondsanteile gekauft als verkauft. In welchen Kategorien haben Sie die höchsten Nettokäufe beobachtet und wo haben die Berater gegen den Gesamttrend mehrheitlich Fondsanteile veräußert?

Das ist die erfreuliche Bilanz des aktuellen Fondsbarometers; dass trotz gesunkener Handelsaktivitäten die Käufe erneut die Verkäufe um rund 30 Prozent überwogen haben. In diesem Zusammenhang sticht erneut der ETF-Handel hervor, der im dritten Quartal einen Kaufquotienten von 2,23 aufwies. Das bedeutet, dass die ETF-Käufe in Summe um 123 Prozent über den Verkäufen lagen. Die stärkste Nachfrage war hier bei ETFs auf die amerikanischen Aktienmärkte zu verzeichnen, wo die Käufe die Verkäufe um fast das Dreifache übertrafen. Eine starke Nachfrage zeigte sich auch bei ETFs für die weltweite Aktienanlage sowie für Euroland-Investments. Bei ETFs für deutsche bzw. für europäische Aktien lagen die Käufe auch noch um etwa 50 Prozent über den Verkäufen.

Bei den aktiv gemanagten Fonds lagen die Kaufquotienten im dritten Quartal 2016 etwas tiefer als bei ETFs. Allerdings zeigten die an ebase angeschlossenen Finanzberater insbesondere bei Mischfonds, offenen Immobilien- und Indexfonds eine gesteigerte Nachfrage mit Kaufquotienten von deutlich über 1. Wenig Anklang fanden im abgelaufenen Quartal indes Geldmarkt- und geldmarktnahe Fonds, bei denen die Kaufquotienten bei 0,50 bzw. 0,58 verharrten.

Hinsichtlich der regionalen Ausrichtung errechneten sich für die Fondssegmente Asien und Emerging Markets jeweils Kaufquotienten von über 2, was um zweifach höhere Käufe als Verkäufe seitens der angeschlossenen Finanzberater bedeuten. Bei Fonds für deutsche Aktien hielten sich Käufe und Verkäufe im dritten Quartal indes in etwa die Waage.