Ethenea-Portfoliomanager „Untätigkeit der Fed kommt fast einer Zinsstraffung gleich“

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In welchen Anleihesegmenten sehen Sie aktuell eindeutige Anzeichen einer Blase? Oder anders: Von welchen Segmenten sollten sich Investoren aufgrund eines signifikanten Rückschlagpotenzials auf absehbare Zeit fernhalten?

Daniel Stefanetti: Es ist unbestritten, dass das anhaltende, künstlich geschaffene Niedrigzinsumfeld die Gefahr von Blasenbildungen erheblich verstärkt. Die Notenbanken drücken die Renditen von Staatsanleihen durch ihre massiven Kaufprogramme immer weiter Richtung null und darüber hinaus. Dies gilt besonders für europäische Staatsanleihen. Dadurch steigt die Not der Anleger, geeignete Investitionsmöglichkeiten zu finden.

Durch die niedrigen Zinsen ist an den Märkten aber gleichzeitig Liquidität im Überfluss vorhanden. Um die angestrebte Rendite zu erreichen, müssen Anleger daher mehr Risiko eingehen. Anleihen der Emerging Markets und solche ohne Investment Grade geraten dadurch verstärkt in den Fokus. Hier gilt allerdings erhöhte Vorsicht, denn das Risiko eines Ausfalls wird bei Titeln der Emerging Markets nicht genügend kompensiert.

Darüber hinaus sind die Schwellenländermärkte stark schwankend und die Daten in Bezug auf ihre Verlässlichkeit nicht mit denen der OECD-Länder zu vergleichen. Bei Anleihen ohne Investment Grade kommt es vor allem darauf an, dass die Unternehmen sehr solide aufgestellt sind und hohe Cash-Flows sowie starke Bilanzen vorweisen.

Als Auslöser für einen möglichen Kursrutsch am Rentenmarkt gilt die Angst vieler Bond-Anleger vor einer baldigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Wann rechnen Sie mit einer Fortsetzung der Zinswende in den USA? Und welche Effekte erwarten Sie dadurch auf die Treasuries der Vereinigten Staaten sowie den weltweiten Anleihemarkt? 

Wie erwartet wurde die Fed in ihrer November-Sitzung nicht tätig. Die Finanzmärkte gehen zum 8. November mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Zinsschritt im Dezember kommen wird. Dem würde ich mich anschließen. Gleichzeitig sollte man jedoch nicht vergessen, dass vor dem Hintergrund der zusätzlichen Lockerungsmaßnahmen der anderen Zentralbanken, die Untätigkeit der Fed in gewissem Maße auch schon fast einer Zinsstraffung gleichkam.

Zudem trat im Oktober die neue Gesetzgebung über die Geldmarktfonds in Kraft. Seit drei Monaten ist der USD Libor in Antizipation drastisch gestiegen. Und last but not least, wenn die Fed sich zu einer Zinserhöhung durchringen kann, dann handelt es sich immer noch um einen tiefen Zins, da er von 0,25 bis 0,5 Prozent auf vermutlich 0,5 bis 0,75 Prozent erhöht würde. 

Zum letzten Teil Ihrer Frage: Erstaunlicherweise sind in den letzten zwei großen Zinserhöhungszyklen der Fed die Renditen für zehnjährige Treasuries am Ende gefallen. Natürlich entsteht erst eine gewisse Volatilität, aber die Erwartung einer künftig tieferen Inflation sowie schwächeres Wachstum tragen dann dazu bei, dass die Zinskurve sich komplett abflacht.