Euro-Land ist abgebrannt: Vier Irrtümer, die es in die Pleite führten

Michael Hörl

Michael Hörl

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Michael Hörl ist österreichischer Ökonom und Autor der „Gemeinwohl-Falle“- einer Antwort auf Globalisierungskritiker wie Jean Ziegler oder Christian Felber (von Attac Österreich).

Euro-Irrtum Eins: „Alle Menschen sind gleich“


In Bezug auf Menschenrechte oder –würde ist das richtig. Nicht aber in Bezug auf Kultur und Mentalität. Die Brüsseler Erfinder unserer Gemeinschaftswährung treibt die grundnaive Idee, mit hohen Zwangsabgaben aus Deutschland, Österreich und Holland nicht nur die Lebensstile aller anderen an erstgenannte anzupassen - sondern gleich auch deren Mentalitäten.

Tausende Tüftler probierten sich in der BRD der 1980er an Photovoltaik oder Windenergie, als an Subventionen noch nicht zu denken war. Griechenland und Portugal besitzen eine doppelt so hohe Sonneneinstrahlung und es sind ausgesprochene Starkwindgebiete. Und trotzdem hat sich in beiden Ländern bis heute nicht ein einziger einheimischer Tüftler gefunden, der irgendetwas mit neuen Energien ausprobieren wollte. Und das ist die (griechische) Tragödie:

Obwohl Europas Fördertöpfe prall gefüllt sind – kann Hellas davon nichts abrufen: Es gibt schlichtweg keine griechischen Unternehmer, die etwas Förderwürdiges herstellen.

Euro-Irrtum Zwei: „Billige Zinsen verbilligen Staatsschulden und fördern Wirtschaft“

Viele Jahre forderten Gewerkschaften und „linke“ SPD-Politiker um Oskar Lafontaine die Europäische Zentralbank (EZB) zu immer weiteren Zinssenkungen auf. Die Linke glaubt nicht an die Kraft des Individuums und so hält sie den Staat als Auftraggeber für die Wirtschaft unverzichtbar – auf Pump finanziert.

Es war aber gerade dieser keynesianische Grundirrtum, der Japan mit seinen ungezählten Konjunkturpaketen (auf Pump) zum höchstverschuldeten Land der Welt gemacht hat. Und es war die kluge Sparpolitik von Carl Bildt und Frederik Reinfeldt, die den Schuldenberg schwedischer Sozialdemokraten von 75% auf 38% am BIP halbierten – bei gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum.

Der Wechsel von Escudo, Drachme oder Lira hin zum Euro hatte deren Zinsniveau von 10% auf zwei pulverisiert. Anstatt die gesparten Zinszahlungen aber zur Schuldentilgung zu verwenden, wähnten sich Sozialisten nun im „Polit-Paradies“: Unbeschränkt Kredit für Protzbauten (Stichwort Themenpark am Nürburgring) und immer neue Wahlgeschenke garantierten eine permanente Wiederwahl.

In nur 10 Jahren hat Griechenland seine (Beamten-)Gehälter und Pensionen verdoppelt. Der dadurch ausgelöste Boom war aber Kredit begründet und betraf allein den Handel – importierter Güter. Denn Hellas verschlafene Privat-Wirtschaft ging derweil vollends vor die Hunde. Verdoppelten Arbeitskosten und Produkten aus den 1970ern stand deutsche Spitzentechnik zum gleichen (Euro-)Preis nun (zollfrei) gegenüber.