Expertenmeinungen 2018 – im Risiko bleiben oder nicht?

Der Orchestermusiker kennt seinen Einsatz: Bei der Finanzplanung ist davon auszugehen, dass man sich bei Einstieg und Ausstieg verschätzen wird | © Getty Images

Der Orchestermusiker kennt seinen Einsatz: Bei der Finanzplanung ist davon auszugehen, dass man sich bei Einstieg und Ausstieg verschätzen wird Foto: Getty Images

David Buckle, Head of Investment Solutions Design bei Fidelity

Soll man im Risiko bleiben oder nicht? Das ist eine der wichtigsten Fragen, die sich Anleger 2018 stellen müssen. Wer frühzeitig das Risiko verringert, verzichtet auf potenzielle Gewinne. Wer hingegen investiert bleibt, dem drohen Verluste, wenn die Märkte abrutschen. Wie man sich auch entscheidet: Wichtig ist, dass Sie eine klare Wahl treffen.

„Roger vermasselt es“

Es gibt einen wundervollen Cartoon aus der Reihe „The Far Side“, die in vielen Tageszeitungen rund um den Globus erschienen ist. Darauf ist ein großer Mann in einem Orchester zu sehen, der in der hinteren Reihe steht. Er hält in der rechten Hand ein riesiges Becken und wartet auf seinen Einsatz. Eine Sprechblase verrät, was er gerade denkt: „Diesmal werd ich‘s nicht vermasseln.“ Unter dem Cartoon steht: „Roger vermasselt es“.

Der Cartoon erinnert mich daran, wie wir alle gerade zu erraten versuchen, wann die Aktienkurse den Gipfel erreichen werden. Es gibt naturgemäß drei Möglichkeiten, wie dieser Versuch ausgehen kann: Entweder man tippt auf einen zu frühen oder auf einen zu späten oder auf genau den richtigen Zeitpunkt. Manch einer mag Glück haben und genau richtig liegen, doch bei der Finanzplanung sollte man besser davon ausgehen, dass man sich entweder in die eine oder in die andere Richtung verschätzen wird.

So oder so wäre es ein kostspieliger Irrtum. Unsere Schätzung für das aktuelle „Gleichgewichts“-KGV im S&P 500 beträgt etwa 16. Hätte man vor einem Jahr das damalige durchschnittliche KGV von 21 als Maßstab genommen, wäre einem der Markt vermutlich teuer erschienen. Wenn man allerdings zu dem Zeitpunkt aus dem Risiko herausgegangen wäre, hätte man 2017 auf eine Rendite von 22 Prozent verzichten müssen. Sollte es tatsächlich zu fallenden Kursen kommen, wäre ich überrascht, wenn die Märkte mehr als 20 Prozent verlieren würden – in der Vergangenheit ist das nur zweimal vorgekommen: 2000 bis 2002 und 2007 bis 2009.

Bekanntlich geht es bei der Geldanlage stets um Risiko und Chance. Ich sehe es so, dass Anleger die Wahl zwischen zwei Alternativen haben: Entweder sie bleiben in Risiko-Anlagen investiert und akzeptieren die Gefahr, dass die Märkte auf Talfahrt gehen könnten, oder sie steigen frühzeitig aus Risiken aus und nehmen in Kauf, dass ihnen Renditechancen entgehen. Hier eine klare Wahl zu treffen, ist von größter Bedeutung, denn jede der beiden Alternativen erfordert andere Maßnahmen. Viele Anleger, die eine solche explizite Entscheidung nicht treffen, gehen wohl stillschweigend davon aus, dass ihnen ein Ausstieg genau zum richtigen Zeitpunkt gelingen wird. Eine sehr kühne Annahme.

Lassen Sie uns die beiden Alternativen einmal zusammen durchgehen.

Investiert bleiben

Wer risikobereit ist und investiert bleiben möchte, sollte diese Entscheidung in dem vollen Bewusstsein treffen, dass die Märkte irgendwann nach unten rauschen werden – darüber sollte völlige Klarheit bestehen.

Ein wichtiger Punkt ist die Portfoliozusammensetzung. Wenn wir beispielsweise annehmen, dass ein Rückgang der Aktienkurse um 20 Prozent ein Bad-Case-Szenario wäre, dann hätte ein Anleger mit einem Aktienanteil von rund einem Drittel einen Verlust von 6 Prozent zu erwarten. Für manche Anleger mag das durchaus tolerabel sein.

In den zwei Fällen, in denen die Aktienkurse um mehr als 20 Prozent einbrachen, stiegen die Anleihemärkte zugleich um 30 beziehungsweise 17 Prozent, gemessen am S&P 7-10 Year Treasury Index. Ungeachtet der Bewertungen am Anleihemarkt kann somit eine Erhöhung der Anleiheduration eines Portfolios als teilweise Absicherung gegen fallende Aktienkurse dienen. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Ein Portfolio besteht zu 70 Prozent aus einem Index für Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit und zu 30 Prozent aus Aktien. Würden die Aktienkurse nun um 20 Prozent fallen und die Anleiherenditen um 1 Prozent zurückgehen, wäre das Anlageergebnis per saldo immer noch positiv.

Viele Marktbereiche sind mittlerweile teuer, doch hier und da bieten sich weiterhin interessante Chancen. Ein Beispiel sind europäische Aktien, aber ganz besonders attraktiv erscheinen mir indexgebundene Anleihen aus Schwellenländern. Was mir Albträume bereitet, ist der Gedanke an einen von höheren Renditen getriebenen Kursrückgang am Aktienmarkt. Dieses unwahrscheinliche Szenario träte vermutlich dann ein, wenn die Inflation mit Macht zurückkehren würde. In dem Fall wären indexgebundene Schwellenländeranleihen unter den Gewinnern. Die realen Renditen dieser Papiere liegen auf attraktiv hohem Niveau.