EZB-Geldpolitik Mario Draghis Kampf gegen die Deflation kostet 240 Milliarden Euro

Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi. Ökonomen erwarten weitere Lockerungen nach der offiziellen Kundgabe der aktuellen EZB-Prognosen am Donnerstag. Foto: Getty Images

Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi. Ökonomen erwarten weitere Lockerungen nach der offiziellen Kundgabe der aktuellen EZB-Prognosen am Donnerstag. Foto: Getty Images

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Am kommenden Donnerstag wird der Präsident der Europäischen Zentralbank wohl das erste Fünkchen guter Nachrichten seit einem Jahr liefern können. Die meisten der von Bloomberg monatlich befragten Ökonomen gehen nämlich davon aus, dass die Zentralbank ihre Prognosen für Inflation und Wachstum entweder unverändert lassen oder erhöhen wird. Doch die Entspannung wird wahrscheinlich nur kurzlebig sein, denn zwei Drittel der Befragten halten letztlich weitere Lockerungen für notwendig.

Die Umfrageergebnisse unterstreichen, wie das dieswöchige Ratstreffen in Wien den Währungshütern wahrscheinlich Luft lässt, nachdem sie im März eine neue Runde an Konjunkturimpulsen eingeleitet hatten. Die befragten Ökonomen scheinen zwar skeptisch zu sein, ob das Maßnahmenbündel die Inflation wieder zum EZB-Ziel von knapp zwei Prozent zurückkehren lässt. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio ist jedoch optimistischer und sagte vergangene Woche, der Preisauftrieb werde seiner Meinung nach in zwei Jahren wieder in der Nähe des Zielwerts liegen.

„Die volkswirtschaftlichen Abteilungen der Zentralbanken des Eurosystems müssen bei dieser Runde an Prognosen allesamt einen Seufzer der Erleichterung von sich gegeben haben", sagte   Anatoli Annenkov, Ökonom bei Société Générale in London. „Sie haben die seltene Gelegenheit, eine höhere Inflation in Aussicht zu stellen."

Die EZB-Mitarbeiter verringerten zwar ihre Inflationsprojektionen in jeder der letzten drei vierteljährlichen Prognoserunden, doch nur neun Prozent der befragten Volkswirte rechnen bei der anstehenden Sitzung mit einer weiteren Senkung der Inflationserwartungen für 2016 und für 2018, und nur elf Prozent sagen niedrigere Vorhersagen für 2017 voraus.

Kommt noch mehr?

Das Treffen findet vor dem Hintergrund einer wachsenden Besorgnis der Anleger statt, dass den Zentralbanken die Möglichkeiten ausgehen, die schwache Inflation anzuschieben. Vor der Sitzung der Währungshüter in Österreichs Hauptstadt sollten neue Daten etwas mehr Einsicht geben, wie gut die bestehenden Impulse wirken.