Fondsporträt Acatis Datini Valueflex Ungebremst in die Kurve

Acatis-Gründer Hendrik Leber

Acatis-Gründer Hendrik Leber

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Der italienische Kaufmann Francesco di Marco Datini dürfte nur wenigen Experten ein Begriff sein. Auch Acatis-Gründer Hendrik Leber wusste 2008 zunächst nicht viel mit dem Namen anzufangen, als ihm ein Bekannter das Buch Im Namen Gottes und des Geschäfts überreichte, das Datini im 14. Jahrhundert verfasst hatte. „Die Aufzeichnungen spiegeln die Ansichten eines Kaufmanns wieder, der vor 600 Jahren ähnlich wie Warren Buffett dachte“, erläutert Leber. Er habe sich daher vorgenommen, irgendwann einmal einen Fonds nach diesem erfolgreichen Kaufmann aus Prato zu benennen.


Gesagt, getan: Am 22. Dezember 2008 ging der Datini Valueflex an den Start – zunächst als Anlagevehikel für eine vermögende Familie, seit 2011 auch für Otto Normalanleger. Dabei setzt er einiges Vertrauen seiner Investoren voraus, denn „bei diesem Fonds fahre ich ungebremst in die Kurve und möchte nicht umständlich rechtfertigen, warum ich diese oder jene Anlageentscheidung treffe“, so Leber, der den Fonds als seinen „persönlichen Sandkasten“ bezeichnet. Dabei kommt es ihm mehr auf Freiheit als auf Größe des Fonds an, in dem aktuell rund 64 Millionen Euro investiert sind. Dazu trägt auch Leber mit eigenen Ersparnissen bei.

Wer auf Lebers Freistil-Konzept ohne Beschränkungen bei der Gewichtung der Anlageklassen setzt, fährt damit bislang sehr gut: So belegt der Fonds über drei Jahre in der FWW-Kategorie Mischfonds flexibel Welt mit einem Plus von 42,4 Prozent Rang 3 unter mehr als 350 Konkurrenten, über fünf Jahre liegt er mit einen Wertzuwachs von 84,1 Prozent auf Platz 6 von 325 Fonds (Stand 26. August 2016).

Lediglich im Ein-Jahres-Vergleich rangiert der Datini Valueflex derzeit mit einem Plus von 5,9 Prozent vergleichsweise weit abgeschlagen von der Spitzengruppe. „Eines der Themen, die ich aktuell spiele, ist der Bereich Gesundheitswesen. Dieser Sektor erlebte aufgrund der Ankündigungen von Hillary Clinton, im Falle ihrer Wahl die Erstattungskosten für Medikamente zu senken, im Herbst 2015 das schlechteste Quartal des Jahres. Darunter hat der Fonds zweifellos gelitten“, erläutert Leber.

Neben Gesundheitstiteln, die er nach wie vor mit 16 Prozent hoch gewichtet, spielen IT-Werte eine wichtige Rolle im Fonds. „Eines der großen Themen sehe ich in selbstfahrenden Autos. Von dieser Entwicklung profitieren unter anderem auch der Grafikkarten-Hersteller Nvidia, der sich auch mit künstlicher Intelligenz und Bildverarbeitung befasst“, begründet Leber einen seiner jüngsten Käufe in diesem Segment.

Bei der Titelauswahl verfolgt der Acatis-Chef einen „situativ-opportunistischen“ Ansatz mit dem für die Gesellschaft typischen Fokus auf Value-Titeln. Damit will er unter anderem von Fehlbewertungen profitieren. Leber trifft somit auch Kaufentscheidungen, die zunächst unpopulär anmuten. „Bevor der Ölpreis fiel, hatte ich beispielsweise ein Short-Öl-Zertifikat gekauft, nachdem ich aus einem Gespräch in den USA erfahren hatte, dass die Ölgesellschaften ihre Produktion nicht drosseln würden. Der Ölpreis fiel weiter und wir haben gutes Geld mit diesem Papier verdient“, beschreibt Leber einen situativen Kauf der vergangenen Monate.

Geschmack findet er auch an Unternehmen, die sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit sehr gut entwickeln und erfolgreich, aber kaum bekannt sind. „Dazu gehört beispielsweise Priceline.com. Das Unternehmen ist kaum bekannt, verdient aber gutes Geld mit Buchungsplattformen wie booking.com oder kayak.de“, so Leber.

Regional verteilt sich das Fondsvermögen derzeit mit 35 Prozent auf US-Titel, deutsche Titel haben einen Anteil von 16 Prozent. Die Schweiz ist mit 7, Japan mit 5 Prozent gewichtet. Der Rest verteilt sich global. Britische Aktien finden sich allerdings schon seit rund einem Jahr nicht mehr im Fonds: „Das hat weniger mit dem Brexit zu tun als mit der Tatsache, dass ich seitdem schlicht keine interessanten Titel gefunden habe“, führt Leber aus.

Die Aktienquote beträgt aktuell rund 70 Prozent, auf der Anleiheseite setzt der Acatis-Chef derzeit vorwiegend auf nachrangige Bankanleihen: „Diese Papiere sind momentan am Markt nicht beliebt, aber da gibt es noch Value zu holen“, erläutert Leber.

Unter den Mischfonds von Acatis ist der Datini Valueflex der offensivste, am konservativen sieht Leber den ELM Konzept. „Mit beiden Fonds erhält der Anleger unterm Strich rund ein Prozent Rendite pro Prozent Volatilität. Das Rendite-Risiko-Profil ist also identisch“, fasst er zusammen.

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