Fondsporträt Bethmann Stiftungsfonds Keine Chance für Umweltsünder

Dorothee Elsell, Leiterin Vermögensverwaltung Spezial bei der Bethmann Bank

Dorothee Elsell, Leiterin Vermögensverwaltung Spezial bei der Bethmann Bank

Der Name deutet es schon an: Stiftungsfonds werden primär für zumeist kleinere Stiftungen aufgelegt, die ihr Geld professional verwaltet wissen wollen und selbst nicht die Kapazitäten dafür haben. Da das Stiftungskapital erhalten werden soll, sind die Fonds üblicherweise defensiv ausgerichtet und gehen nur überschaubare Risiken ein. Das macht sie auch für Privatanleger interessant, die ebenfalls Sicherheit vor Rendite setzen.

In diese Kategorie gehört auch der bei der Deutschen Asset Management aufgelegte Bethmann Stiftungsfonds. Fondsmanagerin Dorothee Elsell kann international anlegen und bis zu 30 Prozent des Portfolios in Aktien investieren. Dabei achtet die Diplom-Mathematikerin auch auf Nachhaltigkeitskriterien.

In die engere Auswahl für das aktuell mit 28 Prozent gewichtet Aktienportfolio kommen nur Unternehmen, die nicht in den Branchen Militär, Atomkraft, Tabak, Glücksspiel und Pornographie tätig sind. Auch Unternehmen, die in Betrugs- oder Korruptionsfälle verwickelt sind, bleiben grundsätzlich außen vor, ebenso solche, die einen Umweltskandal ausgelöst haben. Auf der Anleiheseite meidet Elsell unter anderem Länder, in denen die Todesstrafe verhängt wird oder Menschrechte verletzt werden. Für Unternehmensanleihen gelten dieselben Kriterien wie für Aktien.

„Wichtiger als diese Ausschluss-Kriterien ist jedoch die Unternehmensanalyse, die nach mehr als 100 Positiv-Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensethik erfolgt“, betont Elsell. Dabei greift sie auf die Research-Datenbank des entsprechend spezialisierten Unternehmens Sustainalytics zurück. „Nur diejenigen Unternehmen, die sowohl in der gewichteten Auswertung der drei Analysebereiche im Gesamtuniversum als auch innerhalb ihrer Branche überdurchschnittlich abschneiden, kommen für den Fonds infrage“, so Elsell weiter.

Unterm Strich bleibt nach Anwenden dieses Nachhaltigkeits-Filters ein Anlageuniversum von weltweit rund 300 bis 400 Unternehmen übrig. Bei der Einzeltitelauswahl nutzt Elsell sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anleiheseite das globale Research-Netz der Bethmann-Mutter ABN Amro.

Generell achtet die Fondsmanagerin auf eine breite Streuung der einzelnen Regionen und Branchen. Ein besonders wichtiges Kriterium bei der Aktienauswahl sieht sie in der Dividende: „Nur Unternehmen, die ihre Dividende konstant halten oder sie sogar erhöhen, kommen für das Portfolio infrage.“ Zudem nimmt sie auch die Bilanzqualität ins Visier und unterzieht die Unternehmen einer qualitativen Analyse in Bezug auf das Management, die Produkte und die Zukunftsaussichten.

Auf Branchenebene ist der Fonds aktienseitig schwerpunktmäßig in den Sektoren Finanzen, Industrie, Konsum, Gesundheit und Technologie investiert. Eine untergeordnete Rolle spielen zurzeit Versorger, Telekommunikationsunternehmen und die Bereiche Roh- und Hilfsstoffe.

Das Rentenportfolio wird derzeit klar von Unternehmensanleihen dominiert, die Elsell mit etwas mehr als 60 Prozent gewichtet. „Generell ist das Umfeld für Anleihen derzeit aufgrund des wahrscheinlichen Zinsanstiegs in den USA schwierig. Um die Schwankungen niedrig zu halten, ist jedoch gerade in Phasen erhöhter Risiken am Aktienmarkt der Rentenanteil unerlässlich“, so die Fondsmanagerin. Angesichts der gestiegenen Inflationserwartungen setzt sie zunehmend auf inflationsgebundene Anleihen, Zinsänderungsrisiken will sie mit Absicherungsgeschäften minimieren. Insgesamt dominieren europäische Titel mit einer Gewichtung rund zwei Dritteln das Portfolio über beide Anlageklassen hinweg – auch nachdem Elsell nach dem Wahlsieg von Donald Trump den Anteil von US-Aktien erhöht hat.

Das mittel- und langfristig gute Abschneiden ihres Fonds begründet Elsell unter anderem mit der Nachhaltigkeitsanalyse, die zur Vermeidung von Reputationsrisiken und damit verbundenen Kursverlusten beitrage. Über drei Jahre liegt der Bethmann Stiftungsfonds in der Kategorie Mischfonds Defensiv Welt mit einem Plus von 10,8 Prozent über dem Sektor-Durchschnitt von 7,9 Prozent. Über fünf Jahre legte er um 23,9 Prozent zu und gehört damit zum erfolgreichsten Drittel der Vergleichsgruppe.

Lediglich über ein Jahr schwächelt der Fonds innerhalb der FWW-Kategorie Mischfonds defensiv Welt etwas und belegt mit einem Plus von 3,6 Prozent Rang nur einen Platz im hinteren Mittelfeld. „Zum Jahreswechsel 2015/2016 haben wir aktienseitig zu früh auf Erholungspotenzial im Finanzsektor gesetzt. Zudem waren wir im Sommer nach dem Brexit-Votum etwas zu verhalten“, begründet Elsell.

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