Globaler Wachstumsausblick "Ölkonsumenten werden 2015 die Gewinner sein, Ölproduzenten die Verlierer"

Dan Ivascyn, Group CIO bei Pimco

Dan Ivascyn, Group CIO bei Pimco

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Die wichtigste neue Entwicklung für den globalen makroökonomischen Ausblick 2015 ist der Rückgang der Kassapreise für Rohöl von 40 Prozent in den letzten drei Monaten. In den vergangenen 30 Jahren ist es zu ähnlichen oder noch stärkeren Preisrückgängen bei Rohöl gekommen, die in einigen Fällen mit tiefen Rezessionen (1991, 2001, 2008) und in anderen mit einem schnelleren globalen Wachstum (1993, 1998) einhergingen.

Doch was bedeutet der gegenwärtige Rückgang der Ölpreise für das weltweite Wachstum 2015? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst feststellen, ob der momentane Baissemarkt in Bezug auf Öl nachfrage- oder angebotsbedingt ist. Generell ist bei nachfragebedingten Ölpreisrückgängen von handfesten wirtschaftlichen Schwierigkeiten und makroökonomischen Abwärtsrisiken auszugehen. Angebotsbedingte Ölpreisrückgänge sind hingegen ein Vorbote für ein höheres Produktivitätswachstum und makroökonomische Aufwärtsrisiken. Nachfragebedingt schwache Ölpreise sind wesentlich häufiger. Die Anleger bringen folglich rückläufige Ölpreise automatisch mit wirtschaftlichen Belastungen und makroökonomischen Abwärtsrisiken in Verbindung, was wiederum der Vorstellung einer kausalen Korrelation zu anderen Stressindikatoren und Abwärtsrisiken Vorschub leistet, die womöglich gar nicht gerechtfertigt ist.

„70 Prozent des Ölpreisrückgangs sind auf überraschend hohes Angebotswachstum zurückzuführen“

Wir sind überzeugt, dass die gegenwärtige Baisse in Bezug auf Öl vor allem angebotsbedingt ist. 70 Prozent des Ölpreisrückgangs sind auf ein überraschend hohes Angebotswachstum und rund 30 bis 40 Prozent auf ein rückläufiges Nachfragewachstum zurückzuführen. Letzteres ist das Resultat einer erhöhten Energieeffizienz dank treibstoffsparender Fahrzeuge – und nicht die Folge eines schwächeren Wirtschaftswachstums.

Die Rohölproduktion in den USA überraschte 2014 gegenüber vorherigen Prognosen sehr positiv. Zwar ist dies nicht das erste Mal der Fall – die Rohölproduktion in den USA fällt nun schon seit ein paar Jahren überraschend stark aus. Allerdings waren die Auswirkungen auf den Ölpreis unlängst am stärksten. Erstens aufgrund des immensen Produktionswachstums, das mittlerweile bedeutende Niveaus erreicht hat. Und zweitens, weil 2014 zugleich vorübergehende Stilllegungen in den Jahren 2012 bis 2013 aufgehoben wurden. Die reale Nachfrage aus China und Europa dürfte sich 2014 verlangsamt haben. Auch dadurch geraten die Preise unter Druck. Zum Vorjahr ist die Nachfrage nach Öl weltweit aber immer noch gestiegen. Dies bestärkt uns in der Ansicht, dass die Baisse 2014 vor allem angebotsbedingt ist.

Globales Wachstum von 2,75 Prozent in 2015 erwartet

Wir gehen davon aus, dass sich das globale Wachstum von 2,5 Prozent von 2014 zum Vorjahr auf 2,75 Prozent in 2015 beschleunigen wird. Die Flut steigt also allmählich. Diese Verbesserung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass angebotsbedingte Ölpreisrückgänge unseres Erachtens für die Mehrheit der globalen Volkswirtschaften einen fundamental positiven Terms-of-Trade-Schock darstellen. Außerdem wird der Transfer zunehmender Petrodollar-Cashflows von den Produzenten zu den Konsumenten eine beschleunigte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes nach sich ziehen. All dies dürfte 2015 einem höheren Wirtschaftswachstum zugutekommen.

Die schwächeren Ölpreise werden die globalen Preissteigerungsraten 2015 eindeutig unter Druck setzen. In den meisten Industrienationen dürfte die Gesamtinflationsrate Anfang 2015 auf negatives Terrain abrutschen. Gegen Ende 2015 und Anfang 2016 dürften sich wieder positive Kernraten einstellen.