Hedgefonds, Dividenden-Aktien & Co. Was tun bei Negativzinsen und Magerrendite?

Wolfgang Juds, Geschäftsführer der Credo Vermögensmanagement in Nürnberg

Wolfgang Juds, Geschäftsführer der Credo Vermögensmanagement in Nürnberg

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Wo sind die Zinsen nur geblieben? Diese Frage beschäftigt viele Anleger in diesen Tagen. Gerade für die sicherheitsorientierten Anleger, die nicht in Aktien oder Aktienfonds investieren wollen, sind gute Unternehmensanleihen bislang erste Wahl. Do Minuszinsen gibt es nicht nur bei Staatsanleihen, sondern jetzt auch bei Corporate-Bonds! Die Düsseldorfer Henkel KGaA und der französische Pharmahersteller Sanofi haben Anfang September erstmals neue Anleihen mit Minuszinsen begeben. Die Rendite bei der Zeichnung liegt bei minus 0,05 Prozent! Anleger bezahlen diese äußerst stabilen und erstklassigen Firmen dafür, dass sie ihnen Geld leihen dürfen! Bei anderen guten Adressen liegt die Rendite je nach Laufzeit und Kreditwürdigkeit etwa um die null Prozent.

Die Alternativen wären noch schlechter

Nach Angaben von Henkel waren die Anleihen deutlich überzeichnet und stießen bei internationalen Investoren auf großes Interesse. Wer kauft diese Anleihen ohne dafür Zinsen zu bekommen? Für viele Sparer ist das nur schwer verständlich. Institutionelle Anleger haben häufig keine sinnvolle Alternative mehr – sie können nur wählen zwischen Pest und Cholera! Auf Guthaben bei ihrer Bank zahlen sie inzwischen minus 0,4 Prozent und die Zinsen für Staatsanleihen sind auch mit Minuszinsen belegt. Da sind die Unternehmensanleihen noch das geringste Übel.

Die Ursache für diese problematische Entwicklung liegt in den gigantischen Wertpapierkaufprogrammen der Europäischen Zentralbank, die seit Juni 2016 neben den Staatsanleihen auch erstklassige Unternehmensanleihen kauft und damit die Renditen in den Keller drückt. Einen zusätzlichen Nachfrageschub erhält die Tatsache, dass das Programm monatlich auf gigantische 80 Mrd. Euro ausgeweitet wurde.

Neue Trends zeichnen sich ab

Bei der Vermeidung von Minuszinsen werden einige Investoren inzwischen sehr kreativ. Es gibt Anleger, die anstelle der Kassenhaltung Teile ihres Vermögens in langlaufende Bundesanleihen investieren und auf weitere Kursgewinne hoffen. Das ist riskant und kann kurzfristig zu steigenden Zinsen führen, wenn alle mit Stopp-Loss-Limits arbeiten und sich kurzfristig aus dem Markt verabschieden wollen. Die Entwicklung in den letzten Tagen mag einen kleinen Vorgeschmack dafür geben, wie schnell die Märkte drehen können.  

Einen neuen Anlagetrend stellen die sogenannten liquiden alternativen Anlagen dar. Dazu gehören verschiedene Hedgefonds- und Absolute-Return-Strategien. Vereinfacht gesagt sollen Erträge damit erzielt werden, indem bestimmte Kaufpositionen anderen Verkaufspositionen gegenübergestellt werden. Mit der Differenz aus beidem sollen die Erträge erwirtschaften werden. Allerdings ist dieses Modell keineswegs sicher, wie die bislang wenig überzeugenden Ergebnisse einiger dieser Fonds in 2016 zeigen.

Schließlich gibt es Anleger, die in den Dividenden den neuen Zins sehen und in dividendenstarken Aktien investieren. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aktien sind langfristig attraktiv und werfen auf lange Sicht neben den Dividenden auch gute Kursgewinne ab. Bedenklich ist nur, wenn Geld in hohem Maße in die verschiedenen Anlageklassen fließt, welches eigentlich nicht dafür bestimmt ist. Kapital, was für die Kassenhaltung und die Liquiditätssteuerung vorgesehen ist, gehört weder in Aktien noch in langlaufende Anleihen.