Hüfners Wochenkommentar Tiefer Graben zwischen USA und Euroland

Martin Hüfner

Martin Hüfner

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Dass die amerikanische Wirtschaft im Moment besser läuft als die europäische weiß jeder. Aber wenige machen sich klar, wie groß der Abstand wirklich ist. Schauen Sie sich die Grafik an. Da sehen Sie, wie die USA Euroland in Sachen Konjunktur regelrecht deklassieren.

In den ersten Jahren nach der großen Finanzkrise war die Entwicklung noch relativ gleichförmig. Seit 2011 haben die Kurven aber gar nichts mehr miteinander zu tun. Seitdem sind die USA um fast 8 Prozent schneller gewachsen als der Euroraum.

Der transatlantische Graben

Reales BIP USA und Euroland, 2007 = 100

Quelle: IWF


Es ist zu vermuten, dass diese Entwicklung nicht so schnell zu Ende geht. Zum einen sind viele amerikanische Unternehmen bei der Anpassung an die Welt nach der Finanzkrise schon weiter gediehen als ihre Konkurrenten. Zum anderen ist die Eurokrise trotz aller erzielten Fortschritte noch nicht zu Ende. Vor allem Italien und Frankreich stehen erst am Anfang eines Reformprozesses, der schmerzliche Einschnitte erfordert und das Wachstum niedrig hält.

Hinzu kommt, dass sich die geopolitischen Spannungen auf die europäische Wirtschaft stärker auswirken werden als auf die amerikanische. Vor allem die Sanktionen gegenüber Russland im Handels- und Kapitalverkehr könnten die Expansion auf dem alten Kontinent noch weiter dämpfen.

Bei der Beurteilung der Entwicklung muss man freilich die Kirche im Dorf lassen. Es ist nicht so, als ob in den USA alles gut und in Europa alles schlecht wäre. Im Weltmaßstab gesehen ist auch die Konjunktur in den USA eher bescheiden.

Das reale Weltsozialprodukt nimmt in diesem Jahr mit 3,6 Prozent deutlich schneller zu als das der USA (2,5 Prozent). Das liegt zum Teil an den Schwellen- und Entwicklungsländern, die traditionell ein höheres Wachstum aufweisen. Zum Teil hängt es aber auch damit zusammen, dass die USA nicht das Tempo wiedergefunden haben, das sie vor der Krise hatten. Damals waren sie an Zuwächse von 3 bis 4 Prozent im Jahr gewöhnt. Jetzt liegt die Dynamik nur bei eher 2 bis 3 Prozent.