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22.01.2010 10:16
Rubrik: Geschlossene Fonds

Solarfonds: „Vorsicht vor Last-Minute-Angeboten“

Peter Heidecker

Bundesumweltminister Norbert Röttgen plädiert dafür, die Solarstrom-Vergütung für Freiland-Anlagen drastisch zu kürzen. Peter Heidecker, Chef des auf Umweltfonds spezialisierten Emissionshauses Chorus, warnt vor der Schlussverkaufspanik, die er jetzt ins Haus stehen sieht.

DAS INVESTMENT.com: Hat es Sie kalt erwischt, dass der Bundesumweltminister die Einspeisevergütung für Solarfonds ab Juli um 25 Prozent kappen will?

Peter Heidecker: Nicht die Tatsache als solche, wohl aber die Größenordnung. Ein gewisses politisches Rumoren gab es bereits im Vorfeld und kurz nach der Bundestagswahl. Zudem meinen manche Politiker, dass die Landschaft durch Solaranlagen verschandelt würde. Doch wenn jetzt im Raum steht, mal eben ein Viertel der Vergütung für Freilandanlagen zu kappen, kann man darüber nur den Kopf schütteln. Erst päppelt man die Solarbranche auf, dann killt man sie - wo ist da das politische Konzept?

DAS INVESTMENT.com: Könnte der Röttgen-Vorstoß nicht auch damit zusammenhängen, dass sich die Stromkosten durch die Förderung der Erneuerbaren Energien erhöht haben?

Heidecker: Der Aufschlag für den geförderten Strom liegt pro Kilowattstunde bei rund 2 Cent. Wenn man sich dagegen anschaut, welche Menge an Energie von Stromkunden allein durch Standby-Schaltungen ungenutzt verblasen wird, ist das eher ein Witz. Blenden wir dann noch mit ein, dass für die Bergung der Atommüllfässer aus dem maroden Lager Asse der Steuerzahler aktuell bis zu 3 Milliarden Euro berappen soll, dann gehen einem irgendwann die Argumente aus, warum der Solarstrom zu teuer sein sollte.

DAS INVESTMENT.com: Was raten Sie Vertrieben und Anlegern jetzt?

Heidecker: Ich wäre an ihrer Stelle äußerst vorsichtig mit Angeboten, die bis zum 30. Juni alles unter Dach und Fach bringen müssen. Und es ist absehbar, dass einige Initiatoren noch schnell auf den fahrenden Zug springen werden, bei denen nicht sichergestellt ist, ob sie genügend Erfahrung mit der Solarfonds-Materie mitbringen. Man sollte also die Fonds intensiv checken und sich in Ruhe die Alternativen anschauen. Durch den abzusehenden Hype, den wir erleben werden, sind Probleme programmiert. Schon heute ist es so, dass die Vertriebsnachfrage größer ist als das, was in Qualität geliefert werden kann. Um es drastisch auszudrücken: Es drohen Verhältnisse wie vor einem Jahr in Spanien, wo durch ganz ähnliche Torschlusspanik bei den Solarprojekten in technischer und juristischer Hinsicht Schindluder getrieben wurde.

Von: Markus Deselaers

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