Crowdinvesting Immobilieninvestments: „Irgendwann wird jeder Kunde digital“

Die Zukunft des Vertriebs findet online statt. Das meint Exporo-Chef Simon Brunke

Die Zukunft des Vertriebs findet online statt. Das meint Exporo-Chef Simon Brunke

Der Fondsbrief: Haben Sie eine Erklärung für die vergleichsweise stattlichen Vertriebsumsätze?

Simon Brunke: Wir verfolgen mehrere Vertriebswege. Performance-Marketing spielt eine besondere Rolle dabei.

Wie muss ich mir das vorstellen?
Brunke: Wir schalten Google-Anzeigen und sorgen dafür, dass wir bei speziellen Suchbegriffen wie „Crowdinvesting“ weit vorne gelistet werden. Aber das ist nur ein Teil unserer Strategie. Auf TV-Kanälen wie Sky, n24 und Sport 1 machen wir auf uns aufmerksam. Und wir haben ein Partnerprogramm für Portale wie beispielsweise Finanzen.de, aber auch für Pools, Vertriebe und Einzelmakler. Als Empfehlungsgeber erhalten diese Vertriebe 1,5 Prozent des investierten Betrages.

Empfehlung. Nicht Beratung.

Brunke: Genau. Irgendwann wird jeder Kunde digital und landet auf unserer Homepage. Dort klären wir ihn über Chancen und Risiken auf. Bei uns macht der Kunde alles online, von der Information bis zur Zeichnung.

Wie leiten Sie Ihre Kunden sonst noch auf Ihre Seiten?

Brunke: Das gelingt uns unter anderem über die lokale Presse, wenn sie über die Bauvorhaben berichtet, und, ganz traditionell, über Bauschilder an der Baustelle. Das funktioniert sehr gut. Bei einem städtisch initiierten Projekt in Schwerin zum Beispiel stammten 90 Prozent der Anleger aus der Region.

Sie kommen ohne BaFin und Regulierung aus, sofern sie bestimmte Grenzen einhalten.

Brunke: Die Grenzen liegen bei 2,5 Millionen Euro eingeworbenem Kapital pro Projekt und 10.000 Euro pro Kunde, wobei die durchschnittliche Beteiligungssumme unserer Kunden bei 4.000 Euro liegt. Wir planen allerdings, das Modell auf andere Investments auszuweiten.

Auch auf regulierte AIF?

Brunke: AIF, Anleihe und mehr - wir sind sicher, dass das unter den nötigen Voraussetzungen funktioniert und das Prinzip Crowdinvesting auf den voll-regulierten Produktbereich übertragen werden kann, vielleicht sogar muss. Wir sehen uns als Marktplatz für attraktive Immobilieninvestments, mit denen man sich digital und direkt am konkreten Projekt beteiligt, beziehungsweise dieses finanziert. Die Produkte müssen nicht nur von einzelnen Bauträgern kommen, genauso können Emissionshäuser ihre Stärke des Asset-Managements einbringen und Produkte digital über exporo.de platzieren – natürlich nur, wenn sie unseren Ansprüchen bezüglich Sicherheit, Rendite, Laufzeit und vor allem Schlankheit entsprechen. Es gibt bereits konkrete Gespräche mit diversen Häusern.

Die Zukunft liegt Ihrer Ansicht nach ohne Zweifel im Online-Vertrieb.

Brunke: Auf jeden Fall. Und nicht nur in Deutschland. Wir reden mit internationalen Partnern in den USA und in Japan. Niemand hat eine Vertriebsstruktur in Japan, obwohl das Zinsniveau dort bei null liegt. Wir sind nur einen Mausklick von Japan entfernt.

Das hört sich alles sehr vielversprechend an. Aber wir haben inzwischen eine Reihe von Pleiten bei Crowd-Finanzierungen erlebt.

Brunke: Wir müssen unterscheiden zwischen Crowdinvesting für Immobilien, was Exporo betreibt, und Crowdinvesting/-funding für Start-ups. Wir finanzieren konkrete Immobilien. Crowdinvesting für Start-ups ist etwas komplett anderes, nämlich die Akquise von Venture Capital für Start-ups. Und dort ist eine Ausfallquote von 70 – 90 Prozent nicht außergewöhnlich.

Der Artikel stammt aus DER FONDS Brief Nr. 282. Mehr Infos: www.rohmert-medien.de/fondsbrief