KMU-Segment Was Mittelstandsunternehmen für Anleger so anziehend macht

Rob Crystal, Sally Pope Davis und Sean Butkus sind zusammen leitende Portfoliomanager für Value-Strategien im KMU-Bereich bei Goldman Sachs AM. | © Goldman Sachs Asset Management

Rob Crystal, Sally Pope Davis und Sean Butkus sind zusammen leitende Portfoliomanager für Value-Strategien im KMU-Bereich bei Goldman Sachs AM. Foto: Goldman Sachs Asset Management

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Im Jahr 2012 erklärte uns der Finanzchef eines kleinen US-Einzelhändlers, dass er den Preisunterschied zwischen einem Tennisball-Set aus seinem Geschäft und dem Pendant bei Amazon nicht kenne. „Das spielt auch keine Rolle“, sagte er. Diese Aussage zeigte uns, dass es dem Management an Weitsicht und vorausschauender Planung fehlte. Wir haben die Aktie des Einzelhändlers sofort verkauft. Es war offensichtlich, dass sich die Geschäftsführung der existenziellen Bedrohung des Geschäftsmodells durch Amazon nicht bewusst war.

Für langfristigen Anlageerfolg im amerikanischen Small- und Mid-Cap-Segment („SMID“) ist das Management des Unternehmens entscheidend. Vor allem muss es in der Lage sein, erfolgreich durch schwierige Branchen- und Marktsituationen zu navigieren. Das Kapital der Aktionäre ist bei denjenigen Unternehmen gut aufgehoben, die ein gutes Gespür für die betriebswirtschaftlichen und ökonomischen Kräfte haben, die das Geschäft über längere Zeiträume prägen – und nicht nur das nächste Quartal.

Wenig beachtete Unternehmen

Aus diesem Grund ist die Qualität der Unternehmensführung nach wie vor ein Schwerpunkt unserer Analyse. Wir suchen nach Firmen, deren Management nachweislich gute Fundamentaldaten, kontinuierliche Kapitalrenditen und solide Cashflows erzielt. Diese Manager sollten zudem eine klare Vorstellung haben, wie das Unternehmen innerhalb seines Marktumfelds entwickelt. Persönliche Treffen mit den Geschäftsführungen helfen uns, ihre Ziele, Erfahrung und Methoden besser einzuschätzen und zu beurteilen.

Vielen der Unternehmen aus dem SMID-Segment wird kaum Beachtung geschenkt – und genau das macht sie so attraktiv. Das Research bei Small-Caps ist weniger umfassend als bei den Large-Cap-Pendants. Das heißt aber nicht, dass es in diesem Segment an interessanten Möglichkeiten mangelt. Es kann vorkommen, dass eine Small-Cap-Aktie von weniger als sechs Analysten beobachtet wird, während sich im Large-Cap-Segment auf der Sell-Side 20 und auf der Buy-Side Hunderte von Analysten tummeln. Unternehmen, die sich im Umbruch oder an einem Wendepunkt befinden, werden am häufigsten übersehen – gerade von Investoren, die nur das nächste Quartal im Blick haben.

„Nadeln im Heuhaufen“

Mit Blick auf die Bereiche innerhalb des SMID-Segments fällt auf, dass im Konsumgütersegment viele versteckte Risiken lauern. Unternehmen in diesem Sektor sind besonders anfällig für den Amazon-Effekt ist. Wir sehen hingegen viel Wachstumspotenzial in Bereichen wie Hotels, Freizeit und neue Medien. Sie profitieren von steigenden Löhnen, wachsenden US-Konsumausgaben und Millennials, die eine Vorliebe für Komfort, Technik und Live-Events haben.

In traditionelleren Segmenten wie dem klassischen Einzelhandel bevorzugen wir Titel aus dem gemischten Einzelhandel, die mit einem Abschlag gehandelt werden. Sie sprechen den preisbewussten Verbraucher mit günstigen Angeboten an und bieten ihm eine Art „Schatzsucher-Erlebnis“, das sich so nicht auf die Online-Welt übertragen lässt.