Bantleon-Konjunkturausblick War es das bereits mit dem Wirtschaftsboom in Europa?

Daniel Hartmann von Bantleon: Der Chefvolkswirt sieht mehr als eine temporäre Delle in der Konjunktur der Eurozone | © Bantleon

Daniel Hartmann von Bantleon: Der Chefvolkswirt sieht mehr als eine temporäre Delle in der Konjunktur der Eurozone Foto: Bantleon

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Die Konjunktur der Eurozone ist ins Stottern geraten. Das Wachstum hat sich im 1. Quartal 2018 auf ein Plus von 0,4 Prozent verlangsamt. In den vier Quartalen davor waren es noch durchschnittlich 0,7 Prozent gewesen. Gleichzeitig haben die Stimmungsindikatoren ihren Höhenflug beendet und befinden seit Januar im Abwärtstrend.

Viele Analysten sehen darin nur eine temporäre Delle. Sie verweisen auf die zahlreichen Sonderfaktoren, die den Jahresstart verhagelt haben: Die ungewöhnliche Kälte, speziell in Deutschland und Frankreich, wodurch die Bauaktivität und Konsumnachfrage unter Druck gerieten. Außerdem erreichte der Krankenstand bei den deutschen Unternehmen einen mehrjährigen Höchststand. Schließlich sind die Warnstreiks in der Metallindustrie und zuletzt die Bahnstreiks in Frankreich zu nennen.

Aus unserer Sicht überzeugt diese Argumentation jedoch nicht. Plausibel ist, dass sich Sonderfaktoren wie schlechtes Wetter oder Streiks negativ auf die Beurteilung der aktuellen Lage auswirken. Die Geschäftserwartungen sollten davon aber nicht betroffen sein. Schließlich könnten die Unternehmen sogar mit Nachholeffekten rechnen. In den Umfragen haben in den vergangenen Monaten indes vor allem die Geschäftserwartungen gelitten. In die gleiche Richtung weist die deutsche Auftragsstatistik, die normalerweise von Sonderfaktoren wenig betroffen ist, in den vergangenen Monaten aber auf einen scharfen Nachfrageeinbruch hindeutet.

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 Quelle: Destatis, Ifo, Bantleon