Mischfonds: "Unterschiedliche Ansätze, aber alle mit Hand und Fuß"

Björn Drescher, Chef des Analyseunternehmens Drescher & Cie

Björn Drescher, Chef des Analyseunternehmens Drescher & Cie

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„Das wundert mich nun wirklich nicht“ – Björn Drescher klingt nicht verblüfft, als er die Namen der Teilnehmer dieser Geschichte erfährt. „Wenn man sich die Performance bei jedem Einzelnen ansieht, dann weiß man, warum er da vorn steht“, meint der Branchenkenner und Chef des Analyseunternehmens Drescher & Cie. Will heißen, jeder der fünf Fonds hat sich seinen Erfolg verdient.

Sie bilden den Auftakt zu einer Serie über die am stärksten abgesetzten Fonds mit deutscher Vertriebszulassung. Es zählen die vom Analysehaus Lipper erfassten Nettozuflüsse über zwölf Monate in Europa. Im ersten Teil geht es um Mischfonds (siehe Info-Kästen). Es bestätigt sich einmal mehr ein Trend, der schon seit einigen Monaten zu beobachten ist.

Nämlich, dass sich die Fondswelt zunehmend in passive Produkte wie Indexfonds und in sehr aktive Produkte wie eben diese Mischfonds spaltet. Allein diese fünf haben in zwölf Monaten mehr als 10 Milliarden Euro eingesammelt. Weit über 50 Milliarden Euro stecken nun in fünf Strategien. Aber wie sind die derzeit positioniert? Welche Marktmeinungen stecken dahinter?

Drescher sieht die enorme Geldkonzentration skeptisch. Zwar sollen die Fonds Vermögensverwaltungen sein, aber auch sie sind keine Allwetterfonds („So etwas gibt es nicht“). Deshalb warnt er vor zu hohen Erwartungen: „Der Erfolg kommt von pointierten Anlageentscheidungen, und die können auch falsch sein.“ Eine Kombination könne er sich aber gut vorstellen. „Es sind unterschiedliche Ansätze, aber alle mit Hand und Fuß.“

Die größten Gemeinsamkeiten finden sich noch beim Newton Real Return und dem Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Deren Managements gehen davon aus, dass das Zinsniveau noch lange Zeit tief bleiben wird. Wer in dieser Situation auf klassische Zinsanlagen vertraut, wird durch die Inflation quasi enteignet, ohne dass er es merkt.

Iain Stewart fährt zweigleisig

„Wenn Investoren eine angemessene Rendite nach Inflation erreichen wollen, müssen sie mehr Risiken in Form von Volatilität eingehen“, sagt Iain Stewart, Teamleiter für globale Fonds bei Newton. Und wer seinen Fonds kauft, der bekommt das auch.

Die Aktienquote rutschte selbst in Krisen nicht unter 40 Prozent. „Wir halten defensive Aktien und Hochzinsanleihen für den besten Weg, Gewinne zu erzielen“, sagt Stewart. Aktuell schließt er sogar eine Deflation nicht aus und hat das Portfolio geteilt. Eine Portion von mehr als 11 Prozent liegt in Staatsanleihen aus Norwegen, Australien und Neuseeland – wo es noch reale Renditen über null gibt.

Im Multiple Opportunities von Bert Flossbach sucht man Anleihen vergeblich. Für ihn gibt es keinen Zweifel, dass Zentralbanken den Markt noch auf Jahre mit Geld fluten und die Zinsen tief halten werden. „Investoren werden in diesem Umfeld nicht umhinkommen, einen Teil ihres Geldes in liquide Sachwerte, vor allem erstklassige Aktien zu investieren statt in Anleihen“, sagt er. Er spricht gern über die Rückkehr der Nifty Fifty – eine Gruppe von besonders soliden Aktien, die sich überdurchschnittlich gut entwickeln werden (siehe Kasten unten). „Die Sicherheit und Verlässlichkeit solcher Unternehmen wird zu bestimmten Zeiten besonders goutiert. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind Aktien erstklassiger Unternehmen quasi ein Ersatz für vergleichbare Anleihen“, meint Flossbach dazu.