Netfonds: „Trend zur standardisierten und individuellen Vermögensverwaltung“

Karsten Dümmler, Netfonds AG

Karsten Dümmler, Netfonds AG

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DAS INVESTMENT.com: Stichworte: Konsolidierung, kritische Größe, Nischenpools - wie sehen Sie die Poollandschaft in Deutschland in fünf Jahren?

Karsten Dümmler:
Wir gehen davon aus, dass die Poollandschaft der unabhängigen Pools im Wesentlichen von drei bis fünf Marktteilnehmern geprägt sein wird, die einen Großteil der Berater betreuen und deren Bestände verwalten. Dies zeigt auch bereits die Entwicklung der letzten Jahre. Platz für spezialisierte Nischenanbieter wird es weiter geben, ebenso wie Pools von Versicherungsgesellschaften, die aber mehr Ventillösung für eigene Organisationen sind.

DAS INVESTMENT.com: Wo sehen Sie ihr Alleinstellungsmerkmal?

Dümmler:
Bezüglich der Serviceleistungen für den Berater ist unser Alleinstellungsmerkmal ohne Frage die Qualität und die Anzahl unserer Mitarbeiter. Unsere Partner erhalten in allen Sparten und zu allen Themen immer eine individuelle und sehr kompetente Beratung und Unterstützung. Aus unternehmerischer Sicht sind wir durch die Einbindung des Maklerpools innerhalb der Netfonds Gruppe ideal aufgestellt. Sei es durch unser Know-how aus dem Haftungsdach, unsere eigenen Vermögensverwaltungen oder unser Geschäftsmodell für Mehrfachagenten – die aus dem Netzwerk resultierenden Stärken bieten uns die nötige Flexibilität, Finanzkraft und Kompetenz schnell und proaktiv auf Marktänderungen zu reagieren. Davon profitieren unsere Berater ebenso wie wir.

DAS INVESTMENT.com: Wo würden Sie aus Sicht des Pools die Regulierungsmaßnahmen von Berlin und Brüssel anders handhaben?

Dümmler:
Regulierungen benachteiligen derzeit oft das schwächste Glied in der Kette, den Makler und kleinen Vermögensverwalter. Leider ist in der Regel auch nicht die Produktqualität Ziel der Bemühungen, sondern lediglich die Einhaltung von Formalismen. Die Gesetze sollten verstärkt alle beteiligten Instanzen berücksichtigen und Verbindlichkeiten schaffen, die organisatorisch und wirtschaftlich tragbar sind. Produktinitiatoren müssen klare Regeln und Vorgaben hinsichtlich der Transparenz und Nachvollziehbarkeit erfüllen.

DAS INVESTMENT.com: Das heißt konkret?

Dümmler: Kontrollinstanzen wie die Bafin müssen eine verbindliche Kontrolle der geprüften Produkte durchführen, die auch nach Freigabe für den Markt eine Mithaftung bedeuten kann. Hier muss Verantwortung verbindlich zugewiesen werden. Vertriebe müssen Produkte kritisch begutachten und sollten durch klar regulierte Vergütungsmodelle nicht in die Verlegenheit gebracht werden, profitorientiert zu beraten und zu vermitteln. Sachkunde ist die richtige Grundlage für gute Beratung und wird somit zu Recht eingefordert. Weiterbildungen sollten, vergleichbar mit Zertifizierungsverpflichtungen bei Ärzten auch in unsere Branche umgesetzt werden. Aktuelle Festlegungen, beispielsweise zur SEPA benötigen realistische Lösungsvorschläge, denn es grenzt an Wahnsinn ein Land wie Deutschland, welches in einer Vielzahl von Abwicklungsprozessen an Lastschriftverfahren gekoppelt ist, so kurzfristig und rigoros umzustrukturieren.

DAS INVESTMENT.com: Welche Rolle spielt die viel diskutierte Unabhängigkeit eines Pools? Wie stehen Sie zu Beteiligungen von Produktgebern?

Dümmler: Wir garantieren die Zukunft der unabhängigen Beratung! – diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst und sehen sie als Teil unserer Geschäftsphilosophie. Beteiligungen von Versicherern und sonstigen Produktgebern führen fast zwangsläufig zu tatsächlichen oder gefühlten Abhängigkeiten, die Einfluss auf die Umsetzung des eigenen Geschäftsmodelles nehmen. Das gilt insbesondere für Beteiligungen jenseits der 25 Prozent.