Ökoworld Growing Markets 2.0 Herr Mozer, gibt es überhaupt noch Platz für Performance?

Alexander Mozer, Chef des Portfoliomanagements und Mitglied der Geschäftsführung bei der Luxemburger Fondsgesellschaft Ökoworld (Foto: Schumacher Fotografie)

Alexander Mozer, Chef des Portfoliomanagements und Mitglied der Geschäftsführung bei der Luxemburger Fondsgesellschaft Ökoworld (Foto: Schumacher Fotografie)

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DAS INVESTMENT.com: Am 13. September dieses Jahres findet die erste Runde der Formel E im chinesischen Beijing statt. Hätten Sie Lust mitzufahren?

Alexander Mozer:
Es ist schon beeindruckend, wie rasant und vor allem lautlos allein der Tesla S beschleunigen kann. Also: Ja, ich würde gerne mal einen Elektro-Rennwagen fahren.

In Deutschland sollen bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen fahren, China will bis dahin 5 Millionen Stromer in den Verkehr bringen. Warum ist der Elektroautobauer Tesla zwar im Portfolio des Ökovision Classic, aber nicht im Growing Markets 2.0?


Tesla hätte durchaus eine Chance, in das Universum zu kommen, wenn die Absätze in Asien oder anderen Schwellenländern signifikant steigen und zur Unternehmensentwicklung beitragen würden. Momentan verkauft Tesla aber vor allem noch in den USA und Europa, darum kommt die Firma für unseren Schwellenländerfonds derzeit nicht infrage.

Will Tesla diese neuen Märkte denn erschließen?

Ja, schließlich muss die hohe Nachfrage in China bedient werden. Wir gehen davon aus, dass Tesla massiv in diesen Markt hineinwachsen wird.

Sie haben auch eine kleine Position USA im Portfolio. Passt Tesla da nicht hinein?


Nein, denn das sind Unternehmen, die bereits einen hohen Umsatzanteil in den Schwellenländern haben oder einen signifikanten Teil des Umsatzwachstums dort generieren. Viele chinesische Firmen gehen in den USA an die Börse, etwa die Solarhersteller. Trina Solar aus unserem Portfolio etwa ist ein chinesisches Unternehmen, aber an der Nasdaq gelistet. Die Länderaufteilung ist in diesem Fall gezwungenermaßen etwas irreführend.

China ist die größte Länderposition im Portfolio. Wie sind Sie investiert?

Wir setzen grundsätzlich auf einen sehr langfristigen Trend auf: die wachsende Mittelschicht und ihre wachsenden Bedürfnisse. Themen wie sauberes Wasser, Hygiene, Gesundheit und Bildung stehen beispielsweise im Fokus.

Da investieren alle anderen doch auch schon. Gibt es überhaupt noch Platz für Performance?

Wir sind Stockpicker, investieren als Trendscouts abseits des breiten Marktes. Da gibt es genug Aktien, die noch günstig sind, obwohl die Unternehmen sehr stark wachsen. Die breite Masse der Investoren setzt hingegen auf große Benchmark-Werte aus dem MSCI Emerging Markets. Doch hierbei handelt es sich in der Regel um kaum wachsende Staatsbetriebe, die dem Anleger mangels Dynamik wenig Freude bereiten.

Ein Beispiel aus Ihrer Schatztruhe, bitte.


Die indische Montessori-Kindergartenkette Tree House Education ist ein gutes Beispiel. Sie profitiert von der wachsenden Mittelschicht, die ihre Kinder gerne in gut organisierte Kindergärten schickt. Die Firma wächst extrem schnell, die Bewertung wird immer günstiger. Irgendwann entdeckt das der Markt, und dann wird der Kurs signifikant zulegen.

Ein börsennotierter Kindergarten ist kein Problem aus nachhaltiger Sicht?

Überhaupt nicht, das können wir sehr gut vertreten. Der Kindergarten ist eine wichtige Vorstufe der Schulbildung, und es ist gut, dass Tree House Education dieses Angebot schafft. Mütter wie Väter können so gleichberechtigt berufstätig sein und gemeinsam den Lebensunterhalt für die Familie verdienen. Der Nachwuchs ist zeitgleich gut versorgt.

Wie setzen Sie das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich im Fonds um?

Wir machen Kompromisse, ohne uns zu sehr zu verbiegen. Der Fonds hat zwar keinen unabhängigen Anlageausschuss wie der Ökovision Classic. Aber grundsätzlich werden alle Unternehmen von unserem Nachhaltigkeitsresearch unter der Leitung von Karl-Heinz Brendgen von 1 bis 7 klassifiziert. Alles, was 1 bis 4 ist, darf in den strengen Ökovision. Für den Growing Markets haben wir die Stufe 5 noch hinzugenommen und das Netz somit etwas großmaschiger gemacht. Wir nennen das Öko-Real. Um in den aufstrebenden Ländern ethisch, ökologisch und sozial etwas zu bewegen, muss diese Stufe dazugenommen werden.