Pictet-Deutschlandchef Vanyo Walter „Unser Vertrieb hat es manchmal nicht ganz leicht“

Vanyo Walter ist Geschäftsführer bei Pictet Asset Management in Deutschland. Davor war er von 2001 bis 2004 Mitglied der Geschäftsleitung von Pioneer Investments in Deutschland.   | © Martin Joppen

Vanyo Walter ist Geschäftsführer bei Pictet Asset Management in Deutschland. Davor war er von 2001 bis 2004 Mitglied der Geschäftsleitung von Pioneer Investments in Deutschland. Foto: Martin Joppen

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DAS INVESTMENT: Lieber Herr Walter, wenn ich meinen Kindern zu Hause vorschlüge, mal einen Fonds zu malen. Was käme dabei wohl rum?

Vanyo Walter: Vermutlich kein Kunstwerk, eher fragende Blicke.

Kann man Finanzprodukte, die weder etwas Haptisches haben, sich nicht emotionalisieren lassen und nun auch nicht einmal zum Nachmalen taugen, irgendwie erlebbar machen?

Das ist in der Tat eine große und komplizierte Aufgabe. Sie ist aber lösbar. Die Kunst ist es – und da bin ich ganz bei Ihnen – Investmentideen erlebbar oder zumindest nachvollziehbar und plausibel zu machen.

Storytelling statt Produktverkauf?

Nehmen wir beispielsweise den Trend hin zu gesunder Ernährung. Hier findet gerade ein breiter Bewusstseinswandel in großen Teilen der Bevölkerung statt, der sicher nicht von der Investmentbranche initiiert wurde. Um den Anleger zu erreichen, kommt es auch darauf an, eine Investmentidee erlebbar zu machen. Diesen Trend begleiten wir daher mit unserer Healthy-Living-Kampagne. Ein Beispiel dazu: Chlor-Filter stoßen bei der Reinigung von Trinkwasser an ihre Grenzen. UV-Filter sind wirkungsvoller, und in ganz New York wird jetzt umgerüstet. Diesen Prozess erzählen wir, und wir stellen gleichzeitig Unternehmen vor, die von dieser Entwicklung profitieren. Das sind eingängige, spannende und zukunftsweisende Themen. Und solche finden wir auch im Bereich der technologischen Disruption: Security, Digitalisierung oder Robotics.

Welche Rolle spielen soziale Medien?

Eine sehr große, weil sich das Informationsverhalten aktueller und künftiger Generationen dorthin verlagert. Aber hier gilt es von den USA zu lernen, wo man das Storytelling professionalisiert hat. Im deutschsprachigen Raum werden hingegen größtenteils Produktinformationen gepostet. Das will doch keiner mehr lesen.

Welche Ziele verfolgen Sie im digitalen Bereich?

Wir wollen mit Anlegern in einen Dialog treten und erreichen, dass sie sich mit unseren Inhalten identifizieren. Wir haben mit Mega.online eine reine Expertenseite etabliert, die keine Produktinformationen liefert, dafür umso mehr Hintergrundwissen, das anekdotisch vermittelt wird. Zudem definieren wir im Marketing thematische Klammern, mit denen wir unsere Inhalte auf eine höhere Ebene bringen.