Rating-Agenturen: Der Kassenwart aus Fernost

Jerome Fons, Ex-Direktor bei Moody’s, Frank Raiter, Ex-Direktor <br> bei S&P, und Sean Egan, Direktor bei Egan-Jones Ratings (v. l.) <br> während einer Anhörung vor einem Regierungskomitee im <br> Oktober 2008 über ihre Schuld an der Finanzkrise. <br> Die US-Agenturen bekommen Konkurrenz aus China. <br> Quelle: Getty Images

Jerome Fons, Ex-Direktor bei Moody’s, Frank Raiter, Ex-Direktor
bei S&P, und Sean Egan, Direktor bei Egan-Jones Ratings (v. l.)
während einer Anhörung vor einem Regierungskomitee im
Oktober 2008 über ihre Schuld an der Finanzkrise.
Die US-Agenturen bekommen Konkurrenz aus China.
Quelle: Getty Images

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Der Kampf um die Buchstaben ist eröffnet. Auf der einen Seite Herausforderer Guan Jianzhong, Chef der chinesischen Rating-Agentur Dagong Global Credit Rating. Bereits vor 16 Jahren gegründet, ist Dagong nun auch international unterwegs. Gegner ist Harold McGraw III, Boss von McGraw-Hill und Eigner einer der wichtigsten Rating-Agenturen der Welt: Standard & Poor’s (S&P). Es geht um die Vorherrschaft im billionenschweren Geschäft mit internationalen Anleihen und Schuldnern.

Drei amerikanische Agenturen dominieren dort das Geschehen: S&P, Moody’s und Fitch. Sie bewerten Finanzen, Bilanzen, Perspektiven von Unternehmen, Staaten und Instituten. Je nach Bonität des Schuldners vergeben sie Noten. Die Skala reicht vom dreifachen A für die beste bis C für die schlechteste Qualität. S&P und Fitch vergeben zusätzlich das Kennzeichen D, falls jemand pleite ist.

Vermögensverwalter, Pensionskassen und Investmentfonds richten sich nach diesen Noten. Meist dürfen sie nur Anleihen kaufen, die mit einem BBB oder mehr veredelt sind. Zinsen, Gewinne, Image – vieles hängt vom Rating ab. Und je schlechter die Note, desto schwieriger und teurer werden Kredite.

Doch die drei Agenturen sind umstritten. Fragwürdige oder zu späte Entscheidungen vor und während der Finanzkrise haben ihr Image ramponiert. Dagong-Chef Guan sieht in ihnen sogar die Schuldigen: „Der Grund für die globale Finanzkrise und die europäische Schuldenkrise ist, dass das internationale Rating-System nicht die wirkliche Zahlungsfähigkeit zeigt“, sagte er der „Financial Times“. Es sei ideologisch voreingenommen und betrachte die westlichen Staaten durch die rosarote Brille.

Applaus für US-Ohrfeige

S&P-Mann McGraw tut das als Populismus ab: „Allzu viel Analysearbeit habe ich da noch nicht gesehen.“ Dagong lasse sich doch nur politisch beeinflussen.

Der Gedanke liegt nahe. Denn tatsächlich kommt China selbst mit der zweithöchsten Note AA+ um zwei Stufen besser weg als bei S&P (AA-). Zudem ist die chinesische Regierung nicht gerade für ihre Laissez-faire-Politik bekannt. Allerdings weist Guan darauf hin, dass Dagong ein Privatunternehmen ist.