Regelwerk für Nachhaltigkeit Die EU-Kommission meint es wirklich ernst

Björn Drescher, Gründer und Geschäftsführer von Drescher & Cie.

Björn Drescher, Gründer und Geschäftsführer von Drescher & Cie.

„Ich sag’ es dir: ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier auf dürrer Heide. Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, und rings umher liegt schöne grüne Weide.“„Faust 1“, Studierzimmer (Mephistopheles).

Ob Goethe zu den ersten Wegbereitern „nachhaltiger“ Kapitalanlagen zählte, wissen wir nicht. Dass die EU-Kommission sich dieser Tage an die Spitze eben dieser Bewegung zu stellen sucht, darf indes als gesichert betrachtet werden. Die von ihr jüngst veröffentlichten Gesetzgebungsvorschläge zur „Förderung eines nachhaltigen Finanzsystems“ sprechen eine klare Sprache. Sie umfassen Regelungen für die Klassifizierung nachhaltiger Aktivitäten, Transparenzvorschriften für Asset-Manager und Vermögensverwalter hinsichtlich entsprechender Aktivitäten, sowie die Vorgabe, ESG-Neigungen der Kunden in den Geeignetheitstests im Zuge der Anlage- und Versicherungsberatung zu berücksichtigen.

Wer glaubt, es mit aufsteigenden Versuchsballons zu tun zu haben, verkennt die Lage. Hier wird nicht auf den Busch geklopft, um Schlangen zu vertreiben, sondern die Gunst der Stunde genutzt, eine Initiative zu ergreifen. Mit Rückendeckung gesellschaftlicher Akzeptanz sollen Kapitalströme zu Gunsten einer nachhaltigeren Wirtschaft umallokiert werden.

Eine Menge spricht dafür, dass die Bewegung an Kraft gewinnt. Ist sie doch, wie ein Blick auf den Zustand unserer Umwelt und diverse Industrieskandale zeigt, dringend notwendig. Zudem fordert sie Maßnahmen, die in Teilen der Finanzindustrie ohnehin bereits gelebte Praxis sind, lenkt von anderen Defiziten der EU in angenehmer Weise ab, macht sich im Vorfeld der nächsten Europawahl gut und lässt sich obendrein auch problemlos in die laufende Finanzmarktregulierung integrieren.

Wer will dagegen sein? - Nicht einmal die betroffene Finanzindustrie, die ihre Chance wittert, neue Stories und höhermargige Produkte an den Mann und die Frau zu bringen.