Union Bancaire Privée: "Das US-Wachstum bleibt labil"

Alan Mudie, Investmentchef der Union Bancaire Privée

Alan Mudie, Investmentchef der Union Bancaire Privée

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Zentralbanken beleben Wachstums- und Kreditzyklus

2013 dürfte sich das Wachstum in den USA und den Schwellenländern, allen voran in China, wieder einstellen. In diesen beiden Wirtschaftszentren tendieren die Kredite besser und sollten die einheimische Nachfrage positiv beeinflussen. In China macht der Privatkonsum lediglich 40 Prozent des BIP aus, weshalb sich die Wirtschaftspolitik der neuen Regierung weiterhin seiner Förderung widmen dürfte. Das Geschäftsvertrauen hat sich gebessert, während wachsende Infrastrukturausgaben ein Anziehen der Wirtschaftstätigkeit herbeiführen werden, womit sich das Wachstum in China bei rund 7,5 Prozent stabilisieren sollte.

In den USA bleibt das Wirtschaftswachstum labil. Grund dafür sind die Ungewissheiten im Zusammenhang mit der Fiskalklippe und deren Folgen für die Investitionsausgaben der Unternehmen. Republikaner und Demokraten dürften aber in absehbarer Zeit einen politischen Kompromiss aushandeln und damit den Unternehmen ihre Entscheidungen hinsichtlich ihrer Investitionen erleichtern.

Die aggressive Reflationspolitik der US-Notenbank Fed – in Form ihres Rückkaufprogramms von Hypothekenpapieren und Schatzscheinen – und ihr Beschluss, die Leitzinsen an die Erfüllung wirtschaftlicher Vorgaben (Arbeitslosenrate auf 6,5 Prozent senken, Inflation unter 2,5 Prozent halten) zu knüpfen, dürften die Konjunktur festigen und die US-Wirtschaft dauerhaft auf den Wachstumspfad zurückbringen.

Parallel dazu lässt eine positive Bilanz in der Energieund Industrieproduktion Hoffnung auf bessere Zeiten aufkommen. Die USA dürften sich in Richtung Energieunabhängigkeit bewegen. Laut der internationalen Energieagentur wird sich der Anteil an importiertem Erdöl bis 2035 um die Hälfte reduzieren. Eine weitere wichtige Stütze für Wachstum und Arbeitsmarkt scheint sich in der Rückführung von nach China ausgelagerten Produktionsprozessen abzuzeichnen, wie die jüngsten Beispiele Apple und Dow Chemical zeigen.

EZB und Bank von Japan im Gefolge der FED


Wie die Fed werden auch die anderen Zentralbanken stark proaktiv handeln und ihre unkonventionelle Geldpolitik fortsetzen, um angesichts der erforderlichen Sparprogramme und des wachsenden Unmuts in der Bevölkerung aus der Rezession herauszufinden. In der Eurozone schreiben die Wirtschaftsindikatoren weiter rote Zahlen und die Rezession grassiert in weiten Teilen.

Ohne neue Hilfsmassnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) schränkt die sehr hohe Arbeitslosigkeit die Aussichten auf eine Wachstumsbelebung ein. Spanien könnte sich schlussendlich zu einem Hilfegesuch aufraffen, das die Aktivierung des OMT-Plans (Kauf von Staatsanleihen) bewirken würde. Auch die Bank von Japan dürfte ihr Rückkaufprogramm weiter ausbauen und den Yen zur Förderung der Exporte und Vermeidung einer verheerenden Deflation abwerten.

Große Gewinner: Risikoreiche Titel und Gold

Die Zentralbanken haben ein Sicherheitsnetz aufgespannt, das risikoreiche Titel vor dem Absturz bewahrt und den Ausblick für Investitionen an den Finanzmärkten im kommenden Jahr aufhellt. Die Portfolios können wieder zu 100 Prozent investiert sein; dabei sollte der Schwerpunkt auf Aktien und Gold liegen. Dank der stark expansiven Geldpolitik dürfte den Aktienmärkten zusätzliches Kapital zufliessen und die Risikoprämien mit dem anziehenden Wachstum sinken.