Werbung für Finanzprodukte Wo ist Robert Geiss?

DER-FONDS-Kolumnist Markus Stillger

DER-FONDS-Kolumnist Markus Stillger

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Vom legendären Automobilbauer Henry Ford ist folgendes Zitat überliefert: „Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte.“ Spätestens seit Einführung des Privatfernsehens vor gut 30 Jahren empfinden viele TV-Konsumenten Werbung als störend und lästig, und auch ich denke sehr oft „Freunde, diese Kohle hättet Ihr Euch sparen können“, wenn der nächste nervige Werbeblock anläuft. Aber genauso, wie die Finanzbranche vor der schwierigen Aufgabe steht, im Nullzins-Zeitalter die richtigen Produkte für Anleger zu entwickeln und zu pflegen, so müssen sich auch die Werbe-Profis ständig auf neues Konsumentenverhalten einstellen.

Eine Revolution in der Werbebranche war in den 70er Jahren die Kampagne von Jägermeister mit dem Spruch „Ich trinke Jägermeister, weil…“. Neben Leuten aus der Werbeagentur und zufällig ausgewählten Passanten wurde hier auch der eine oder andere A-, B- oder C-Promi verpflichtet. Damit war der Begriff des Testimonials geboren. Was liegt da näher, als auch in der Finanzbranche bekannte Gesichter als Werbebotschafter einzusetzen?

Der bekannteste Testimonial in der Finanzbranche dürfte Basketball-Legende Dirk Nowitzki sein, der seit über 13 Jahren als „Gesicht“ für die deutsche Tochter ING-Diba des niederländischen Bankkonzerns ING auftritt. In der Investmentbranche wirbt Manuel Neuer seit ein paar Jahren für die Allianz-Tochter AGI. Wahrscheinlich haben sich die Werbeleute gedacht „Der Mann steht für Sicherheit – das kommt bei unseren Kunden gut an“. Ich halte das allerdings für keine ideale Besetzung. Denn bei Manuel Neuer „steht die Null“. Das hat ihn zwar in seinem Job zum Weltmeister gemacht, ist aber in der heutigen Zeit für die meisten Sparer genau das Problem.

Was sich allerdings die Initiatoren des Patriarch Classic Dividende 4 Plus dabei gedacht haben, ausgerechnet mit dem schrillen TV-Vogel Robert Geiss die Kampagne „Reich mit Geiss“ zu starten, lässt sich alleine durch den Genuss von einer – oder mehreren – Flaschen Jägermeister nicht erklären. Unter dem Motto „Null Zinsen nicht mit mir“ und „Mein Geld muss hart arbeiten“ wurde mit viel Ballyhoo im Frühjahr 2015 eine Kampagne gestartet, die – kaum angelaufen – in der Fachpresse prompt zerrissen wurde. Und nach anderthalb Jahren muss ich feststellen: Absolut zu Recht!

Am Anfang habe ich noch gedacht „Naja, gar nicht so schlecht, wenn der sich mit Aktien beschäftigt und ein bisschen Welle für den DAX macht“. Allerdings war die Grundaussage „Null Zinsen“ schon falsch, denn bei einem Aktienprodukt geht es nicht um Zinsen, sondern um Dividenden und Kursgewinne. Und die sind alles andere als sicher, sondern unterliegen Schwankungen. Und, das Allerwichtigste: Man braucht Geduld. Die scheint unser Testimonial jedoch schon nach einem Jahr verloren zu haben.

Nachdem „Rooobäärt“ oder sein Ghostwriter am Anfang noch nahezu täglich auf der eigens eingerichteten Homepage beziehungsweise Facebook-Seite seinen Senf zur täglichen Börsen-Bratwurst abgab, datiert der letzte Eintrag mittlerweile vom 13. November 2015. Vielleicht liegt es daran, dass mit dem Fonds trotz allen Bemühungen nur rund 20 Millionen Euro eingesammelt wurden?