100 Jahre Anleihengeschichte „Hohe Zinsen sind nicht die Norm“

Federal Reserve: Hohe Zinsen sind laut Ray Stone nicht die Norm. (Foto: Getty Images)

Federal Reserve: Hohe Zinsen sind laut Ray Stone nicht die Norm. (Foto: Getty Images)

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Die Überzeugung vieler Marktteilnehmer, dass es sich beim Einbruch der Renditen von US-Staatsanleihen um eine Anomalie handelt, könnte einen einfachen Grund haben: möglicherweise sind sie einfach noch nicht lange genug im Geschäft.

Die Treasuries mit der längsten Laufzeit bringen derzeit weniger als die Hälfte des Durchschnitts von 6,8 Prozent der vergangenen fünf Jahrzehnte ein. Prognostiker rechnen daher mit steigenden Renditen, da sich die seit 100 Jahren bestehende US-Notenbank Federal Reserve nach ihren beispiellosen Konjunkturmaßnahmen auf Zinserhöhungen vorbereitet. Vergleicht man die Renditen jedoch mit den Niveaus, die in den ersten fünf Jahrzehnten der Existenz der Fed vorherrschten, liegen die aktuellen Renditen innerhalb der Norm.

Die Einschätzung, dass die Treasuries-Renditen zu niedrig sind, geht laut David Jones auf Händler, Vermögensverwalter und Volkswirte zurück, die ihre Karriere im Gefolge der starken Inflation in den 1970er und 1980er Jahren begannen. Der frühere Vice Chairman bei Aubrey G. Lanston & Co. ist seit 51 Jahren im Anleihegeschäft tätig. Derzeit liegt die Teuerung in den USA auf dem niedrigsten Niveau seit fünf Jahrzehnten, weltweit schwächt sich das Wachstum ab. Damit dürfte der heutige Anleihemarkt in ein altes Muster zurückfallen, so Jones.

“Wir stehen wieder am Anfang”, kommentierte der 76- jährige. “Statt über die niedrigen Zinsen zu jammern und einen rasanten Anstieg zu erwarten, kann es sein, dass wir in wesentlich normaleren Gefilden sind als wir dachten.”

Seit der Finanzkrise sind die Renditen von US-Staatsanleihen jeglicher Laufzeit auf dem Weg nach unten. Die Fed versucht, die Nachfrage in den USA wieder anzukurbeln, indem sie ihren Leitzinssatz nahe Null gesenkt hat und Anleihen kauft, um die langfristigen Finanzierungskosten niedrig zu halten.

In diesem Jahr haben Treasuries 5,1 Prozent gewonnen, entsprechend sind die Renditen weiter gefallen. Das hat für Überraschung an der Wall Street gesorgt, da dort mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum aufgrund der Fed-Konjunkturmaßnahmen sowie einer höheren Inflation und schlussendlich höheren Finanzierungskosten gerechnet wurde.

Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen - die längste Laufzeit in den USA - ist seit Jahresbeginn um mehr als einen Prozentpunkt gefallen auf 2,92 Prozent. Anfang 2014 prognostizierten Marktteilnehmer, die Rendite werde um 0,28 Prozentpunkte steigen auf 5,25 Prozent.

Volkswirte und Strategen blieben in einer Bloomberg-Umfrage bei ihren Prognosen, dass die Renditen steigen werden. Bei langlaufenden Treasuries rechnen sie nächstes Jahr mit einer Rendite von 3,88 Prozent.