Aktien mit Al Gore Wie sich nachhaltige Aktienfonds entwickeln und was sie leisten

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore auf dem World Economic Forum in Davos: Er moderierte 2006 den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ und gründete 2004 die Investmentgesellschaft Generation IM. | © Getty Images

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore auf dem World Economic Forum in Davos: Er moderierte 2006 den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ und gründete 2004 die Investmentgesellschaft Generation IM. Foto: Getty Images

Al Gore ist ein gutes Beispiel dafür, wie verschieden man den Begriff Nachhaltigkeit auslegen kann. Im Jahr 2004 gründete er gemeinsam mit dem ehemaligen Chef von Goldman Sachs Asset Management, David Blood, das Investmenthaus Generation Investment Management. Eigenen Angaben zufolge investieren sie nur in nachhaltige Unternehmen. Darunter verstehen sie Unternehmen, die a) gegenwärtige Gewinne nicht zulasten künftiger Gewinne erzielen, b) durch nachhaltige Arbeit, Produkte und Leistungen ihren Umsatz, Gewinn und Markteinfluss steigern und c) Waren und Leistungen in Einklang mit einer kohlenstoffarmen, wohlhabenden, gerechten, gesunden und sicheren Gesellschaft anbieten. Das Analysehaus Morningstar zeigt sich angetan und gibt dem Fonds das Nachhaltigkeits-Rating „Überdurchschnittlich“ – das ist die zweitbeste von fünf möglichen Noten.

Nach Informationen, ob Generation bestimmte Branchen ausschließt, sucht man aber vergebens. Daher fällt der in Deutschland zugelassene und von Gores und Bloods Firma betreute Lombard Odier Generation Global in einem Bericht der Zeitschrift „Finanztest“ krachend durch. Er erreicht nur 5 von 100 möglichen Punkten, weil er angeblich nur eines der im Test vorgegebenen K.-o.-Kriterien beherzigt: Waffen und Rüstung. Der Test ist zwar von 2014, aber online noch verfügbar. Tatsächlich hält sich das Team um Gore und Blood viele Türen offen, weil es nur wenige Filter ansetzt. „Generation hat keine Lust, Gewinne zu opfern, nur um die Welt zu retten“, schrieb die „Financial Times“ bereits im Jahr 2007. Einerseits hat das geklappt, andererseits dürfte die nicht allzu strikte Herangehensweise manchen Anleger abschrecken. Womit sich wieder mal festhalten lässt: Nachhaltigkeit ist Ansichtssache.

Noch immer ist umstritten, ob man mit herkömmlichen Aktienfonds mithalten kann, wenn man bestimmte profitable Branchen ausschließt. Bei Morningstar ist man skeptisch. Man stellte fest, dass Fonds ohne Tabak, Waffen und Alkohol gegenüber dem Markt Nachteile hatten.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass Nachhaltigkeit keine eigene Fondskategorie ist, sondern ein Investmentansatz. Damit fügen sich nachhaltig gemanagte Aktienfonds in die ganz normalen Kate gorien mit ein. Für unsere Fondstabelle gab es Hilfe vom Sustainable Business Institute (SBI), das entsprechende Listen führt. Denn am Namen lässt sich Nachhaltigkeit nicht immer ablesen. Das macht es schwierig, entsprechende Fonds zu finden.

Und – nachhaltig hin oder her – an der Leistung von Al Gores Investmenthaus gibt es nichts zu mäkeln. Index geschlagen und eine ordentliche Sharpe Ratio von fast 1,5. Im aktuellen Portfolio fällt auf, dass – obwohl nicht ausdrücklich ausgeschlossen – fossile Brennstoffe kaum eine Rolle spielen. Stattdessen kauften die Manager so unscheinbare Unternehmen wie Henry Schein, zurzeit mit 4,2 Prozent Gewichtung auf Platz 3 der größten Positionen. Schein stellt Produkte und Dienstleistungen für Humanmediziner und Tierärzte her. Daneben setzt es sich aber auch für die Gesundheit benachteiligter Menschen ein und leistet Katastrophen- und Nothilfe.