Aktienfonds-Serie: „Chinas schwierige Phase der straffen Fiskalpolitik ist vorüber“

Fondsmanagerin Martha Wang

Fondsmanagerin Martha Wang

// //

Martha Wang von der Fondsgesellschaft Fidelity Investment Management managt bereits seit 2006 den Fidelity China Fund (WKN: A0M94A).

DAS INVESTMENT.com: Ihre drei Argumente bitte, warum Anleger derzeit Aktien kaufen sollten.

Martha Wang: Selten waren chinesische Aktien so günstig bewertet wie momentan. Es gibt viele chinesische Unternehmen, die gute Wachstumsaussichten und Bewertungen haben, beispielsweise ein gutes Kurs-Buchwert-Verhältnis. Sie sind gut aufgestellt, weisen gute Fundamentaldaten auf und wissen, ihr Wachstumsmodell den sich ändernden Bedingungen der Gesamtwirtschaft anzupassen.

DAS INVESTMENT.com:
Was sind derzeit Ihre Top-3-Märkte und -Sektoren?

Wang: Seit ich den Fidelity China Focus Fund im Jahr 2006 übernommen habe, konzentriere ich mich bei meinen Anlagen auf drei Themen, die die Entwicklung Chinas wesentlich beeinflussen. Erstens auf das enorme Potenzial, das der chinesische Binnenkonsum bietet – beispielsweise aufgrund des sich wandelnden Lebensstils der Bevölkerung. Zweitens auf den qualitativen Aufstieg und die Konsolidierung der chinesischen Industrie. Drittens auf die Wachstumsdynamik, die sich von den Küstenregionen auf Zentralchina ausbreitet.

Berücksichtigt man diese drei Faktoren, sind die Konsumgüter- und die IT-Industrie sehr spannend. Zusätzlich finde ich in der gegenwärtigen Marktsituation zyklische Industriewerte interessant, da sie zurzeit sehr günstig bewertet sind.

DAS INVESTMENT.com: Was können Anleger nächstes Jahr und die Kommenden danach erwarten?

Wang: Die Märkte in China werden im Wesentlichen von zwei Faktoren beeinflusst: von makropolitischen Aspekten und den Unternehmenserträgen. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass wir weiter eine lockere Fiskalpolitik sehen werden, die von Strukturreformen begleitet wird, um nachhaltiges Wachstum zu unterstützen. Kurzfristig kann es hier jedoch einige Unsicherheiten bezüglich des Timings geben, da jetzt die Machtübergabe innerhalb der Regierung bevorsteht.

Der zweite Punkt ist die Entwicklung der Unternehmensgewinne: Hier hat es in den vergangenen zwölf Monaten Gewinnrückgänge gegeben. Wir könnten allerdings die Talsohle bald erreicht haben, da wichtige Indikatoren wie der Cashflow einen Aufwärtstrend zeigen und die Investitions- und Betriebskosten sinken. Mittelfristig müssen sich die Unternehmen der Herausforderung stellen, ihr Wachstumsmodell den sich ändernden Wachstumsbedingungen der Gesamtwirtschaft anzupassen.