Analyse von Scope Keine flächendeckende Wohnpreisblase in Deutschland

Berlin, Alexanderplatz: In Deutschland sehen die Analysten von Scope keine Preisblase auf dem Wohnimmobilienmarkt. | © Getty Images

Berlin, Alexanderplatz: In Deutschland sehen die Analysten von Scope keine Preisblase auf dem Wohnimmobilienmarkt. Foto: Getty Images

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Die extreme Zinspolitik der Notenbanken hat in zahlreichen Asset-Klassen zu kräftigen Preisschüben geführt. Vor allem Immobilien in Metropolregionen haben sich zum Teil massiv verteuert. „Dass es jedoch keine flächendeckende Wohnpreisinflation in Europa gibt, zeigt sich, wenn man den Blick von einzelnen Standorten abwendet und die durchschnittliche reale Hauspreisentwicklung ganzer Länder betrachtet“, sagt Analyst Manfred Binsfeld von Scope Investor Services. Zwischen 2000 und 2007 haben sich die Kaufpreise für Wohneigentum im Schnitt um real 35 Prozent erhöht. Das geht aus einer Analyse der 16 europäischen Wohnimmobilienmärkte der Berliner Ratingagentur Scope hervor. Seit Ausbruch der Finanzkrise seien die Preise sogar im Schnitt um knapp 10 Prozent gefallen.

Hinter dieser Durchschnittsbetrachtung verbirgt sich jedoch eine sehr heterogene Entwicklung: In den Jahren bis 2007 stieg das Preisniveau vor allem in Süd-Europa. Seit 2008 hingegen steigen die Preise für Wohneigentum vor allem in den nordischen Ländern und in den DACH-Staaten Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit Schweden und Norwegen entziehen sich zudem zwei Länder diesem Schema. Beide Länder verzeichneten sowohl vor als auch nach der Finanzkrise kräftige Preissteigerungen für Wohneigentum. Seit 2008 sind die durchschnittlichen Kaufpreise für Wohneigentum zudem deutlich stärker gestiegen als die Mieten. Das Verhältnis von Preisen zu Mieten befindet sich in beiden Ländern auf dem höchsten Stand seit 1980.

Die Kaufpreise haben sich derart deutlich von den Mieten entkoppelt, wie wir es in Spanien und Irland unmittelbar vor dem Platzen der Immobilienblasen gesehen haben, heißt es von Scope. Die Frage nach einer möglichen Häusermarkt-Überhitzung in Europa stelle sich daher aktuell hauptsächlich für Norwegen und Schweden.

Hinzukommt: In Norwegen beträgt die Schuldenlast der privaten Haushalte – ein wichtiger Indikator zur Prognose von Preisblasen – mittlerweile rund 220 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens. In Schweden sind es rund 180 Prozent. In beiden Ländern ist die Debt-to-Income-Ratio seit 2007 deutlich gestiegen.

Auch bei der „Household-Debt-Service-Ratio“, die den tatsächlichen Schuldendienst der privaten Haushalte aus ihrem laufenden Einkommen ausdrückt, liegen Norwegen und Schweden mit 15 beziehungsweise 10 Prozent im europäischen Vergleich in der Spitzengruppe.