Börsenjahr 2017 „Noch nicht zu spät, Zinspapiere in Aktien zu tauschen“

Markttiming dürfte in den von Notenbanken manipulierten Kapitalmärkten sehr schwierig bleiben, erwartet Gottfried Urban.  | © energepic.com

Markttiming dürfte in den von Notenbanken manipulierten Kapitalmärkten sehr schwierig bleiben, erwartet Gottfried Urban. Foto: energepic.com

Unterschiedlicher könnten die Ausgangspositionen kaum sein: Auf der anderen Seite des Atlantiks die USA mit annähernd Vollbeschäftigung und großen Erwartungen an den künftigen Präsidenten Trump, der die Wirtschaft weiter ankurbeln will.

Diesseits ein Europa, zerstrittener und zerrissener denn je, mit hoher Arbeitslosigkeit und Staatsschuldenbergen im Süden und florierender Wirtschaft in den nördlichen EU-Staaten. Dennoch: Hier wie dort spricht alles gegen Zinspapiere und Immobilien, dafür vieles für Aktienanlagen.

Jahr voller Überraschungen

Das Jahr 2016 steckte voller Überraschungen. Die Briten entschieden sich für den EU-Austritt, und die USA wählten einen umstrittenen Vollblutunternehmer als Präsidenten. Die Trump-Wahl führte zu einem Favoritenwechsel an den Börsen. Zinspapiere verlieren, nichtzyklische Dividendentitel aus der Konsumbranche, etwa Nahrungsmittelaktien, fielen im Kurs.

Doch nun steigen Aktien von den bisher ungeliebten Branchen Banken, Rohstoffe und Bau. Deren Kurse orientieren sich stark an Konjunkturzyklen. Die Hoffnungen auf Trump sind offenbar groß, er könne mit seinen Maßnahmen die US-Wirtschaft und auch die Weltkonjunktur anschieben.

Vergessen scheinen die Sorgen der vergangenen Monate. Doch bis Trumps Reformen greifen, wird eine gewisse Zeit vergehen. Die Märkte werden deshalb auch Enttäuschungen erleben.

Anleger werden umschichten

Die Kurse langlaufender Zinspapiere fallen, weil Trump für eine Ausweitung der Staatsschulden in den USA steht. Eine relativ sichere Prognose kann man wagen: Anleger werden in den nächsten Jahren noch viel Geld in Aktien umschichten. Nach der Wahl in den USA wird das Glas dort offenbar als halbvoll angesehen.

In Europa hält man das Glas für halbleer. Die Arbeitslosenzahlen sind in der EU insgesamt sehr hoch, und an eine Zinswende ist nicht zu denken. Zudem finden 2017 Wahlen in Holland, Frankreich und Deutschland statt, bei denen wahrscheinlich die EU-Gegner deutlich an Einfluss gewinnen werden.